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Militär

Einen besonderen Stellenwert im Rahmen der umfangreichen Überlieferung des Hauptstaatsarchivs Dresden nimmt das Archivgut militärischer Provenienz ein. Die Bestände der sächsischen Militärverwaltung und der sächsischen Armee umfassen etwa 2.500 lfm Akten aus dem Zeitraum von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Neben dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv München und dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart ist das Hauptstaatsarchiv Dresden das dritte Regionalarchiv, das Militärüberlieferung verwahrt. Die Bestände haben eine komplexe Überlieferungsgeschichte, zu denen auch Kriegsverluste gehören.

Im Hauptstaatsarchiv Dresden wurden seit 1838 alle älteren Militärunterlagen aus dem 17. und 18. Jahrhundert zusammengefasst. Eine Ausnahme bildeten dabei die Akten der Geheimen Kriegskanzlei von 1736 bis 1814, die ebenso wie die archivreifen Akten des Kriegsministeriums nach 1830, der Kriegsverwaltungskammer und der Formationen der sächsischen Armee in das 1897 eröffnete Sächsische Kriegsarchiv überführt wurden. In diese Einrichtung gelangten die sächsischen Militärakten aus sieben Aufbewahrungsstellen, die nach 1840 nicht mehr an das Hauptstaatsarchiv übergeben wurden. Diese Behördenarchivbildung im militärischen Bereich führte im Ergebnis zu einer Zersplitterung der sächsischen Militärbestände, denn Archivgut derselben Provenienzstellen war sowohl im Hauptstaatsarchiv als auch im Kriegsarchiv zu finden.

Im Zuge der Auflösung und Abwicklung der sächsischen Armee als Teil des Kaiserlichen Heeres und der Überführung fortbestehender Teile in die Reichswehr waren 1919 hinsichtlich des Militärarchivwesens neue Dispositionen zu treffen. Mit der Bildung des Reichsarchivs Potsdam am 01.10.1919 wurde in Dresden (neben München, Spandau und Stuttgart) am 01.04.1920 eine Reichsarchivzweigstelle eingerichtet. Diese Reichsarchivzweigstelle Dresden war zuständig für die sächsischen Militärakten aus dem Zeitraum von 1867 bis 1918. Gleichzeitig wurde die ältere Aktenüberlieferung nunmehr vollständig dem Hauptstaatsarchiv übergeben. Bis zum Oktober 1925 erhielt das Hauptstaatsarchiv insgesamt rund 4.500 Locate Militärakten (etwa 1.100 lfm Akten). Im Rahmen der Reorganisation des Miltärarchivwesens im Dritten Reich wurden diese Abgaben 1937 rückgängig gemacht. Gleichzeitig erfolgte die Übergabe der Personalstammrollen der sächsischen Armee ab 1868 und der Bestände der höheren Kommandobehörden (Armeekorps und Divisionen) mit den militärischen Karten und Plänen an das Heeresarchiv Potsdam. Diese Bestände wurden in Potsdam im April 1945 weitgehend vernichtet. Die in der Heeresarchivzweigstelle Dresden verbliebenen Akten erfuhren im Frühjahr 1945 ebenfalls Verluste. In den Jahren 1945 bis 1948 wurden durch die Archivkommandos der Roten Armee sowohl aus Potsdam wie auch aus Dresden Militärakten nach Leningrad in die Peter-Pauls-Festung überführt. Dieses Archivgut erhielt 1955 das spätere Militärarchiv der DDR in Potsdam, wo die Akten zentral aufbewahrt und erschlossen wurden.

Erst mit der deutschen Wiedervereinigung wurden alle Aktenbestände der sächsischen Militärbehörden und Armeeformationen bis 1921 im heutigen Hauptstaatsarchiv Dresden zusammengefasst. Am 14.06.1991 übergab das Bundesarchiv, Abteilung Militärarchiv, als Funktionsnachfolger des Militärarchivs der DDR, im Zuge der Bestandsabgrenzung die sächsischen Militärbestände im Umfang von etwa 87.000 Akteneinheiten aus dem Zeitraum von 1831 bis 1921.

Die überlieferten Aktenbestände der sächsischen Militärbehörden und Armeeformationen dokumentieren über 400 Jahre sächsische Militärgeschichte von 1632 bis 1921 und bilden gleichzeitig eine wichtige Quellengrundlage für die deutsche Militärgeschichtsschreibung insgesamt. Ihre Bedeutung ist um so höher einzuschätzen, als das Archivgut militärischer Provenienz in Preußen beim alliierten Luftangriff auf Potsdam am 14.04.1945 fast völlig vernichtet wurde.

Inhalt:
Inhaltliche Schwerpunkte der Überlieferung des ehemaligen Sächsischen Kriegsarchivs sind die Bestände 11237 Geheimes Kriegsratskollegium als älteste Militärverwaltungsbehörde, 11241 Musterungslisten und 11242 Monats- (Verpflegungs-)listen mit familien- und sozialgeschichtlichen Informationen über alle bis 1867 gemusterten Militärpersonen der sächsischen Truppenteile, 11248 Sächsisches Kriegsministerium sowie die Bestände der Verbände und Truppenteile der sächsischen Armee bis 1921. Zahlreiche militärische Karten und Pläne dokumentieren alle Feldzüge und Kriege bis 1918, an denen sächsische Truppen beteiligt waren. Fotos und Zeichnungen zeigen die Entwicklung der Militärtechnik.

Für den Zeitraum des Ersten Weltkrieges 1914 / 1918 soll auf die Bestände 11250 Sächsischer Militärbevollmächtigter in Berlin, 11251 Ministerium für Militärwesen und 11252 Heeresabwicklungsamt Sachsen hingewiesen werden. Der Militärbevollmächtigte vermittelte den Geschäftsverkehr zwischen dem sächsischen und dem preußischen Kriegsminister. Die Kampfhandlungen der sächsischen Armee während des Weltkrieges dokumentieren insbesondere die Bestände 11355 Armeeoberkommando der 3. Armee, 11347 Generalkommando des XII. Armeekorps, 11351 Generalkommando des XIX. Armeekorps, 11356 Generalkommando des XII. Reservekorps und 11358 Generalkommando des XXVII. Reservekorps. Im Bestand 11372 Militärgeschichtliche Sammlung sind die Kriegstagebücher des Königs Friedrich August III. von Sachsen überliefert, die umfangreiche Fotos über seine Frontbesuche beinhalten. Die Probleme der Heimatfront und Fragen der Kriegswirtschaft widerspiegeln sich in den Beständen 11348 Stellvertretendes Generalkommando des XII. Armeekorps, 11349 Kriegsamtstelle Dresden, 11352 Stellvertretendes Generalkommando des XIX. Armeekorps und 11353 Kriegsamtstelle Leipzig.

Die Militärbestände der Reichswehr, Wehrmacht und Waffen-SS einschließlich der sächsischen Militärformationen für den Zeitraum von 1921 bis 1945 verwahrt zuständigkeitshalber das Bundesarchiv - Militärarchiv in Freiburg.

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