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Archivale im Fokus

15.07.2015

Bild

Titelblatt der Patientenakte des Jakob Frommowitsch aus Leipzig, 1931-1939(aus: SächsStA-C, 32810 Sächsisches Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie, Rodewisch (Landeskrankenhaus), Nr. 6650)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Eisernes Kreuz eines jüdischen Teilnehmers des ersten Weltkrieges

 

Die Abbildung stammt aus der zur Person Jakob Frommowitsch [auch Fromowitsch] angelegten Patientenakte der Kliniken Leipzig-Dösen, Hubertusburg, Untergöltzsch und Rodewisch. Frommowitsch wurde 1874 in Iași (Jassy), Rumänien, geboren, nahm auf deutscher Seite am ersten Weltkrieg teil und betrieb in Leipzig eine Plissee-Presserei. 1935 erhielt er als Kriegsteilnehmer das zur Erinnerung an den ersten Weltkrieg durch den Reichspräsidenten von Hindenburg 1934 gestiftete »Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer«.

Der Bestand (Laufzeit: 1880–1994) umfasst 89,76 m und ist durch eine Datenbank bedingt erschlossen und beinhaltet neben einer Patientenkartei hauptsächlich knapp 12.000 Patientenakten. Patientenakten enthalten einerseits Angaben zur Krankengeschichte des Patienten und andererseits auch Informationen zur Person des Patienten und seinen Angehörigen sowie beider Lebensumstände.

Patientenakten enthalten sensible personenbezogene Daten und sind nicht ohne weiteres frei zugänglich: Bei Forschungsvorhaben zum 20. Jahrhundert sind oft Schutzfristen zu beachten. Schutzfristen führen zu einer Sperrung des Archivgutes für die Benutzung. Dies ist in § 10 Abs. 1 des Sächsischen Archivgesetzes (SächsArchivG) geregelt. Personenbezogene Unterlagen dürfen erst 10 Jahre nach dem Tod oder, wenn das Todesdatum nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand zu ermitteln ist, 100 Jahre nach der Geburt der entsprechenden Person benutzt werden. Wenn weder das Todesjahr noch das Geburtsjahr feststellbar ist, dürfen die Unterlagen 60 Jahre nach ihrer Entstehung benutzt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen - insbesondere bei wissenschaftlichen Forschungsvorhaben - können die personenbezogenen Schutzfristen herabgesetzt werden. Unterliegt Archivgut Rechtsvorschriften des Bundes über Geheimhaltung, dann gelten die Vorschriften des Bundesarchivgesetzes zur Benutzung. Neben der Schutzfristenregelung wird die Benutzung von Patientenakten auch über Versagenstatbestände gemäß § 9 Abs. 2 SächsArchivG geregelt, die für jedes einzelne Benutzungsvorhaben gesondert geprüft werden müssen. Von besonderer Relevanz für die Praxis ist etwa § 203 Strafgesetzbuch (StGB) (Verletzung von Privatgeheimnissen), der unter anderem das Patientengeheimnis schützt. Somit sind z. B. Krankenakten und vergleichbare Unterlagen, die ärztliche Befunde enthalten, Archivgut i. S v. § 10 Abs. 5 SächsArchivG.

Über den Download kann die vergrößerte Version der Abbildung aufgerufen werden. Informationen zum Bestand 32810 Sächsisches Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie, Rodewisch (Landeskrankenhaus) erhalten Sie über den gleichnamigen Link.

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© Sächsisches Staatsarchiv