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01.09.2015

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Tabellarische Übersicht zur Verteilung der Zinsen des Milichschen Legates an die Bergarmut im Freiberger Revier (aus: SächsStA-F, 40010 Bergamt Freiberg, Nr. 1273)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Das Milichsche Legat von 1715

In der Schneeberger Stadt- und Bergchronik von Christian Melzer liest man unter dem Jahre 1715: »In diesem Jahr hat ein gesegneter und baulustiger Gewerke zu Leipzig, Ludwig Mülich, von seinem Vermögen zwölftausend Thaler, exclusive derer zugleich vertestirten Berg-Theile und Kuxe uff Böhmischer und Sächsischer Revier für die armen Böhmischen und Sächs. Bergleute testamentsweise vermachet.«

Vor 300 Jahren also legte der Leipziger Kauf- und Handelsmann, Ludwig Milich (auch Mülich) in seinem testamentarischen Vermächtnis vom 04.03.1715 den Grundstein für eine Stiftung für arme, alte, schwache und aus dem Bergbau ausgeschiedene Bergleute und deren Angehörige, die sogenannten »Bergarmen«. Ludwig Milich entstammte einer schlesischen Ratsherren- und Gelehrtenfamilie und war als Kauf- und Handelsmann in Leipzig zu ansehnlichem Vermögen gekommen. Nach seinem Willen sollte an der Grenze zwischen kursächsischem und böhmischem Territorium ein Armenhaus für einhundert Personen errichtet werden. Der Bau wurde jedoch nicht ausgeführt. Das (sächsische) Oberbergamt in Freiberg und das (böhmische) Bergoberamt zu Joachimsthal einigten sich dahingehend, dass 2000 Thaler und die 352 böhmischen Kuxanteile der Bergarmut in Böhmen und 10 000 Taler mit  562 sächsischen Kuxen für die Unterstützung der sächsischen Bergleute zur Verfügung gestellt werden. Diese Stiftung gilt als bedeutender Beitrag die Not und Armut unter der Bergbevölkerung im 18. und 19. Jahrhundert etwas zu lindern.

Bis Mitte des 19. Jh. war das Vermögen der Milichschen Stiftungskasse auf rund 19 000 Taler angewachsen. Die Vermögensverwaltung erfolgte durch die bergamtliche Gebührenkasse in Freiberg und wurde später an die Hauptbergkasse Freiberg übertragen. Vom Jahr 1717 an bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden zweimal jährlich zu Ostern und Michaelis (29. September) die Zinsen aus dem Legat an die Bergarmut in allen sächsischen Bergrevieren verteilt. So wurden beispielsweise im Freiberger Revier zu Ostern 1794 von insgesamt 5054 anfahrenden Bergleuten 320 Personen bei der Zinsenverteilung berücksichtigt.

In den Beständen des Bergarchivs Freiberg finden sich zahlreiche Quellen zum Milichschen Legat und dessen Verteilung an die Bergarmen. Über den Download kann die vergrößerte Version der Abbildung sowie die Tabellarische Übersicht zur Verteilung der Zinsen des Milichen Legates an die Bergarmut im Freiberger Revier aufgerufen werden. Informationen zum Bestand 40010 Bergamt Freiberg erhalten Sie über den gleichnamigen Link.

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