1. Herausgeber
Inhalt

Archivale im Fokus

05.02.2016

Bild

Schreiben des Autohauses Brenneke aus Leipzig an das Freiherrlich von Schönbergsche Rentamt in Thammenhain, 1910 (SächsStA-L, 20561 Rittergut Thammenhain, Nr. 712)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Schreiben des Autohauses Brenneke aus Leipzig an das Freiherrlich von Schönbergsche Rentamt in Thammenhain, 1910

Zwischen 1900 und 1914 begann der Siegeszug des Automobils und immer mehr wohlhabende Adlige, Großbürger, aber auch Ärzte und Rechtsanwälte stiegen von der Pferdekraft auf die Motorkraftbeförderung um. Obwohl die Preise für PKW damals mit 6000 bis 20000 Goldmark sehr hoch waren, nahm die Zahl der Autos stetig zu. In der Stadt Leipzig versechsfachte sich der Bestand an Autos von 1906 mit 117 auf 784 PKW im Jahr 1912. Auch in den eher konservativ geprägten ländlichen Regionen schafften sich betuchte Fabrikanten und Rittergutsbesitzer Automobile an, ohne damit die Pferdekutsche schon ganz zu ersetzen. So erwarb Adolf Freiherr von Schönberg auf Schloss Thammenhain nordöstlich von Wurzen im März 1908 für über 18000 Mark eine »Salon-Limousine in höchst luxuriöser Ausstattung« der Marke »Dixi« aus der Fahrzeugfabrik Eisenach. Der 32 PS-starke Wagen wurde über die 1895 gegründete Leipziger Firma Wilhelm Brenneke bezogen, deren Hauptgeschäft neben einem Automobilhaus mit Reparaturwerkstatt in der Herstellung von Jagdwaffen und Spezialmunition bestand. Vor dem Kauf hatte von Schönberg sich zahlreiche Angebote von bekannten Autoherstellern wie Opel, Horch und Benz bzw. von den diese Marken vertreibenden Automobilhändlern eingeholt und sich erst nach über einem Jahr für den »Dixi-Wagen« aus Eisenach entschieden. Im Sommer 1909 kaufte der Freiherr von Schönberg noch einen Dixi-Kleinwagen R 8 mit 14 PS für rund 7000 Mark von der Fahrzeugfabrik Eisenach, im Jahr 1911 wurde noch ein »Dixi-Lastzug« als 5-Tonner für Transporte aus dem Hohburger Kaolinwerk beschafft.

Ferdinand Caspar Adolf Dam von Schönberg war seit 1880 bis zu seinem Tod 1927 Besitzer des Ritterguts Thammenhain, 1897 wurde er in den sächsischen Freiherrenstand erhoben. Ab 1891 verfolgte er den Ankauf eines Steinbruchs bei Hohburg zum Abbau von Kaolin und Porphyr und gründete das Kaolinwerk Hohburg. 1899 erwarb er schließlich das benachbarte Rittergut Hohburg. Die Unterlagen zum Automobilkauf waren Teil des »Freiherrlich von Schönbergschen Schlossarchivs zu Thammenhain«, das nun im Bestand 20561 Rittergut Thammenhain zu finden ist. Über den Download gelangen Sie zum vollständigen Schreiben.

Zum Thema »Mobilität im Wandel« präsentieren Archive im gesamten Bundesgebiet zum diesjährigen Tag der Archive am 5./6. März ihre Schätze, darunter auch mehrere Abteilungen des Sächsischen Staatsarchivs.


Marginalspalte

© Sächsisches Staatsarchiv