1. Herausgeber
Inhalt

Archivale im Fokus

02.03.2016

Bild

Liste von Einzelpersonen und Familien, die dem Verein zum Schutz deutscher Einwanderer für Texas beitreten wollen, 1846 (SächsStA-C, 30593 Herrschaft Waldenburg (zusammengefasster Bestand), Nr. 1211)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Vor dem Hintergrund einer Massenarmut gab es etwa seit den 1830er Jahren in Deutschland Vereine, die systematisch die Auswanderung aus Deutschland nach Texas förderten, darunter der auch als Mainzer Adelsverein bezeichnete Verein zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas.

Ab 1848 kam als Motiv für die Auswanderung auch das mit politischer Unterdrückung einhergehende Scheitern der Märzrevolution hinzu. Anfangs spielte bei der Wahl des Auswanderungsziels die Absicht, eine deutsche Kolonie in Amerika zu gründen eine Rolle, doch war mit dem Anschluss von Texas an die Vereinigten Staaten 1845 diese Option gescheitert. Wirtschaftlich war dem Adelsverein und seinen Ansiedlungsbestrebungen kein Erfolg beschieden, doch entwickelte sich rund um die Vereinsgründungen New Braunfels und Fredericksburg im Laufe der Zeit eine prosperierende Landschaft, die noch lange »deutsch« mitgeprägt war.

Die Akte enthält u.a. Denkschriften über Auswanderung, Nachrichten von verschiedenen Auswanderervereinen, aber auch eine auf den 20. April 1846 datierte namentliche Aufstellung von 44 Personen und Familien – hauptsächlich aus Hartenstein und Lößnitz –, die dem Verein zum Schutz deutscher Einwanderer für Texas beitreten wollen. Die Liste enthält u.a. Angaben zum Alter, Beruf und Vermögen.

Der Bestand 30593 Herrschaft Waldenburg (zusammengefasster Bestand) umfasst insgesamt 66,35 lfm und ist über eine Datenbank voll erschlossen.

Die Herrschaft Waldenburg gelangte im 14. Jh. in den Besitz der Schönburger. Sie war böhmisches Reichsafterlehn. Zu den Besitzungen der durch Teilungen zersplitterten Waldenburger Hauptlinie – auch obere Linie genannt – gehörten Waldenburg, Lichtenstein, Hartenstein und Stein. Jede dieser Herrschaften besaß eine Residenz mit einem Amt als Sitz der Verwaltung. Dies spiegelt sich auch in der Überlieferung wider. Mit dem Rezess vom 4. Mai 1740 mussten die Herren von Schönburg die landesfürstliche Oberbotmäßigkeit und die territoriale Oberhoheit Kursachsen anerkennen. 1835 erfolgte eine Neuregelung des Verhältnisses zwischen Sachsen und dem Haus Schönburg. Bis 1878 übernahm das Königreich Sachsen nach und nach die gesamte Justiz- und Verwaltungshoheit im schönburgischen Gebiet. Mit der Enteignung nach 1945 verloren die Schönburger alle Besitzungen.

Der Bestand enthält u.a. Angelegenheiten des Gesamthauses Schönburg, Angelegenheiten der Waldenburger Linie, Angelegenheiten der einzelnen Besitzungen: Herrschaft Waldenburg, Herrschaft Lichtenstein, Rittergut Callenberg, Thingstuhl Tirschheim, Rittergut Ziegelheim, Herrschaft Remse, Rittergut Oelsnitz, Rittergüter Belgershain, Köhra, Baalsdorf mit Hirschfeld, Herrschaft Hartenstein mit Zschocken, Herrschaft Stein mit Lößnitz, Thingstuhl Zschocken und Herrschaft Droyßig, Verwaltung des Amtes, Gerichtsverwaltung.

Über den Download gelangen Sie zum Listenausschnitt.

Marginalspalte

© Sächsisches Staatsarchiv