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01.09.2016

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Telegramm des Lagers Löbau an das Landratsamt Leipzig über den bevorstehenden Transport von »Umsiedlern«, 12. Sept. 1946. (SächsStA-L, 20234 Kreistag/Kreisrat Leipzig, Nr. 1333, S. 50)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Ankündigung eines Umsiedlertransports von Löbau nach Leipzig, 12. Sept. 1946. Die Unterbringung von Vertriebenen stellte die sächsischen Behörden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor große Herausforderungen.

Per Telegramm kündigte die Lagerleitung des Auffanglagers Löbau am 12. September 1946 den ursprünglich bereits für den 9. September vorgesehenen Transport von 600 Menschen nach Leipzig an, die Abfahrt war zwei Stunden nach Aufgabe der Mitteilung geplant. Es sollten jeweils dreihundert Personen der Stadt Leipzig und dreihundert dem Landkreis zugewiesen werden. Am 13. September lehnte der Beauftragte des Kreises mit Verweis auf einen anderen Transport für die Stadt die Betreuung ab und leitete alle Neuankömmlinge an die Stadt Leipzig weiter.

Nachdem Sachsen nach Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst als Durchgangsland für vertriebene Deutsche aus dem Sudetenland und Schlesien fungierte, änderte sich die Situation im Verlauf des Jahres 1946. Der Befehl Nr. 053 der SMAD verfügte die »Ansiedlung von Umsiedlern aus Polen und der Tschechoslowakei in Sachsen«. Daraufhin wurden in Sachsen mindestens 40 Durchgangs- und Quarantänelager mit einer Kapazität zwischen 200 und 3000 Personen eingerichtet. In Leipzig gelten die Lager in der Diezmannstraße und in der Georg-Schumann-Straße (106er Kaserne) als die größten mit einer Kapazität von ca. 3000 Personen. Die Registrierung, Unterbringung und Versorgung der Vertriebenen wurde durch die Landesregierung Sachsen, »Abteilung für deutsche Umsiedler«, koordiniert. Auf Ebene der Landkreise und in den größeren Kommunen bestanden Umsiedlerämter.

Der Bestand 20034 Kreistag/Kreisrat Leipzig enthält zahlreiche Unterlagen über die Versorgung der Bevölkerung einschließlich der Vertriebenen sowie deren Unterbringung im damaligen Landkreis Leipzig. Überliefert sind Ortslisten mit Angaben über die Zahl der den einzelnen Gemeinden zugewiesenen Personen sowie umfangreiche Namenslisten, aus denen das Schicksal von Einzelpersonen und Familien hervorgeht.

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