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Archivale im Fokus

03.11.2016

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Bekanntmachung über die Eröffnung des Nachweisungsbüros für Auswanderer in Bremen, Februar 1851 (SächsStA-L, 20005 Ältere Amtshauptmannschaften des Leipziger Kreises, Nr. 2275)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Auswanderung nach Amerika im 19. Jahrhundert

Mit Schreiben vom 2. April 1851 informierte der Amtshauptmann zu Grimma die Räte von fünf Städten in seinem Amtsbezirk über die Einrichtung eines Nachweisungsbüros für Auswanderer in Bremen.

Dem Schreiben lagen ein Plakat und ein Prospekt des unter Aufsicht der Bremer Handelskammer stehenden Instituts bei. Das Nachweisungsbüro und die gesetzliche Regelung der Beförderung von Schiffspassagieren nach überseeischen Ländern trugen wesentlich zur Verbesserung der bis dahin sehr unzulänglichen Verhältnisse in den Auswandererhäfen bei. Den mit der Auswanderung verbundenen Verlust des Untertanenrechts regelte im Königreich Sachsen ein Gesetz vom 2. Juli 1852. Entsprechende Anträge waren bei den örtlichen Behörden zu stellen.

Auswanderungen von Deutschen nach Amerika sind bereits im 17. und 18. Jahrhundert zu verzeichnen gewesen, wofür vor allem religiöse Motive ausschlaggebend waren. Während sich die Auswanderungsbewegung zunächst auf Südwestdeutschland konzentrierte, erfasste sie nach dem Ende der Napoleonischen Kriege nach und nach auch die übrigen Landesteile Deutschlands. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 1820 und 1928 ca. 5,3 Millionen Menschen in die USA auswanderten. Das waren ca. 90 Prozent der deutschen Auswanderer insgesamt, was zeigte, welche Anziehungskraft die USA als »gelobtes Land« besaßen.

Die Motive für die Auswanderung im 19. Jahrhundert waren vielfältig. Armut und Not, steigende Geburtenüberschüsse, Niedergang des Heimgewerbes durch die zunehmende Industrialisierung, aber auch politische Verfolgungen nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 gehörten dazu. In den USA lockten die geringen Steuern, vergleichsweise hohe Löhne und die Möglichkeit zum günstigen Landerwerb.

Unterlagen zu Auswandererangelegenheiten sind insbesondere in den Beständen der mit der Bearbeitung befassten örtlichen und mittleren Verwaltungsbehörden überliefert. Dazu gehören in erster Linie die Gerichtsämter und Amtshauptmannschaften, bei denen einige Hundert Einzelfälle dokumentiert sind. Hinzu kommen zahlreiche allgemeine Informationen zu den Zielländern und dem Verfahren der Auswanderung.

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