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Archivale im Fokus

24.03.2017

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Feldpostkarte von 1915 an die Mügelner Schützengesellschaft, Vorderseite (SächsStA-L, 20614 Stadt Mügeln, Nr. 1107)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Am 29. Oktober 1915 schrieb der Landwehrmann Martin Bergmann aus dem fernen Frankreich eine Feldpostkarte ins sächsische Mügeln.

»Liebe Schützenbrüder!

Sende Euch die besten Grüße aus dem Schützengraben. Tag und Nacht mit wenig Ruhe schanzen wir uns näher auf Hörweite an die Franzosen, welche uns immer mit ihrer Artillerie […] beunruhigen. Hoffentlich geht es nach dem Ende zu, es ist eine große Anstrengung, wenn wir einen zweiten Winter im Felde sein sollen. Auf ein hoffentliches Wiedersehen in der Heimat.«

Bild: Feldpostkarte von 1915 an die Mügelner Schützengesellschaft, Rückseite (SächsStA-L, 20614 Stadt Mügeln, Nr. 1107)

Feldpostkarte von 1915 an die Mügelner Schützengesellschaft, Rückseite (SächsStA-L, 20614 Stadt Mügeln, Nr. 1107) 
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Empfänger der Feldpost war der Vorsteher der Mügelner Schützengesellschaft Reinhold Christiani. Die Postkarte entstammt dem Erinnerungsalbum »Die Schützengesellschaft zu Mügeln und ihre Beziehungen zum Weltkriege 1914-1920«, angelegt vom Schriftführer der Gesellschaft Hermann Reif. Unter dem Aktentitel »Protokolle der Schützengesellschaft in Mügeln 1915-1926« verbirgt sich auch die von Reif erarbeitete Chronik, die eine Darstellung der Auswirkungen des Krieges auf die Gesellschaft aus der Sicht eines sächsischen Vereinschronisten beinhaltet. Darüber hinaus gehören sog. »Ehrentafeln« mit den skizzierten militärischen Werdegängen der einberufenen Schützen sowie 158 an den Gesellschaftsvorsteher gesandte Feldpostkarten aus deutschen Garnisonen und Lazaretten, der Etappe, Ost- und Westfront zum Gesamtwerk. Inhaltlich reichen die Mitteilungen von einfachen kurzen Dankschreiben bis hin zu mehrseitigen, ausführlichen Schilderungen des Soldatenlebens, vor allem im Feindesland. Sie sind der bedeutendste Teil des Erinnerungsalbums und bieten einen Einblick in die Psyche der Kriegsteilnehmer. Die anfängliche Siegeszuversicht und der überhöhte Nationalstolz wichen der Resignation sowie dem Wunsch auf baldige Heimkehr und Kriegsende. Das galt auch für den Malermeister Martin Bergmann. Besonders seine Schilderungen ragen aus der Masse aller eingegangenen Karten deutlich heraus. Sehr ausführliche, anschauliche und kritische Inhalte prägen seine insgesamt sieben, zwischen August 1914 und Dezember 1915 abgeschickten, Feldpostkarten.

Die facettenreiche Aktenüberlieferung der Mügelner Schützengesellschaft befindet sich im Bestand 20614 Stadt Mügeln im Staatsarchiv Leipzig. Die 31 Archivalien zur Gesellschaft von 1728 bis 1940 umfassen allgemeine organisatorische Angelegenheiten, die materielle Ausstattung der Gilde, Rechtsgrundlagen und Rechtsstreitigkeiten, Jahresberichte sowie umfangreiche Mitgliedsverzeichnisse.

Zu verweisen ist auf das Buch »Die Mügelner Schützengesellschaft im Ersten Weltkrieg« von Martin Kühn in der Dienstbibliothek des Sächsischen Staatsarchivs.

Sowohl die Vorder- als auch die Rückansicht der Karte können Sie sich mit untenstehendem Download noch einmal vergrößert ansehen.


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