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Archivale im Fokus

20.07.2017

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Bildkarte der Bergwerke Vordere und Hintere Schmochau bei Eibenstock, um 1520 (SächsStA-F, 40040 Fiskalische Risse zum Erzbergbau, Nr. 9390)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Diese Bildkarte der Bergwerke Vordere und Hintere Schmochau bei Eibenstock um 1520 ist vermutlich die älteste Karte im Gebiet des sächsischen Bergbaus.

Als Augenscheinkarte stellt sie das Eibenstocker Zinnerzabbaugebiet zwischen Zwickauer Mulde und böhmischer Grenze dar. Inmitten von Flussläufen und Waldstücken werden zwei Pochwerke und zwei Grubenanlagen mit Halde gezeigt. Eine Vermessung liegt ihr nicht zugrunde. Belebt wird das Kartengemälde durch die Darstellung von Personen, wie einen Wünschelrutengänger, einen Bergmann mit Laufkarre und einen Pochwerksarbeiter. Die Karte entstand vermutlich im Zusammenhang mit Grenzziehungen unter dem Schneeberger Bergmeister Michael Hafftenstein. Ortsbezeichnungen sind auf der Karte nicht zu finden. Etwa im Zentrum der Karte befindet sich heute der Ort Carlsfeld, der aber erst im 17. Jahrhundert vom Montanunternehmer Schnorr von Carolsfeld gegründet wurde, also etwa 100 Jahre nach Entstehung der Karte.

Die Orientierung der Karte verläuft in Richtung Südwest; ein einheitlicher Maßstab ist nicht zu erkennen, vielmehr ist die tatsächliche Geographie in Nord-Süd-Richtung um etwa das Fünffache gestaucht. Es handelt sich also um eine Darstellung, die mehr einem Landschaftsgemälde mit angedeuteter Perspektive entspricht als einer Karte. Ein einheitlicher Maßstab und eine verzerrungsfreie Darstellung, wie sie heute in der Kartografie selbstverständlich sind, waren noch nicht erfunden.

Die Karten- und Rissbestände des Sächsischen Bergarchivs bestechen oftmals nicht nur durch ihre Vielfalt und vermessungstechnische Genauigkeit, sondern auch durch die farbliche Gestaltung und das graphische Beiwerk.

Vgl.:  J. Kugler, Schätze aus dem Bergarchiv, Halle/S. 2008 (Veröffentlichungen des Sächsischen Staatsarchivs, Reihe A, Bd. 9), S. 13-16

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