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Ausstellung zur Geschichte der Flurnamenforschung in Sachsen

10.02.2014

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Der Historiker und Flurnamensammler Dr. Erich Baldauf bei der Befragung einer Bauernfamilie im erzgebirgischen Lauterbach, 1935 (aus: SächsStA-D, 13403 Sächsische Flurnamenstelle, Nr. 2408)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Die Flurnamenforschung und ihre archivalischen Quellen illustriert die neue Ausstellung »1904 – 2014: 110 Jahre Flurnamenerfassung und Flurnamenforschung in Sachsen« im Hauptstaatsarchiv Dresden.

Flurnamen als Bezeichnungen für Felder, Feldstücke, Wiesen, Wälder, Waldbezirke, Wege und andere Grundstücke wurden im Zuge des historisch-geografischen Paradigmenwechsels der deutschen Geschichtswissenschaft um 1900 als wichtige historische Überlieferung entdeckt. Sie galten als bedeutende, durch Industrialisierung, Verstädterung und den Wandel der Lebenswelt zugleich gefährdete Quellen für verschiedene Zweige der Geschichtswissenschaft sowie für die Volkskunde.

1901 regte der Staatsarchivar Dr. Hans Beschorner die Erfassung der sächsischen Flurnamen und Wüstungen als Vorarbeit für das von der Sächsischen Kommission für Geschichte geplante Historische Ortsverzeichnis an. 1904 begann der Verein für sächsische Volkskunde mit Hilfe seiner Mitglieder, Flur- und Forstortsnamen ortsweise zu erfassen. Dazu arbeitete er mit der Kommission für Geschichte zusammen, die die fertigen Namenverzeichnisse anschließend im Hauptstaatsarchiv Dresden als Depositum aufbewahren ließ. Die fachliche Leitung des groß angelegten wissenschaftlichen Vorhabens übernahm Hans Beschorner, der im Hauptstaatsarchiv 1905 die Sächsische Flurnamenstelle als Arbeitsstelle der Sächsischen Kommission für Geschichte einrichtete.

Die Flurnamenstelle im Hauptstaatsarchiv Dresden bestand bis in die 1960er-Jahre hinein und wurde nach dem Tod Beschorners (1956) von Hermann Löscher geleitet. Ab 1951/52 verlagerte sich der Schwerpunkt der sächsischen Flurnamenforschung allerdings nach Leipzig, wo durch die Universität und die Historische Kommission ein bedeutender namensgeschichtlicher Forschungsschwerpunkt eingerichtet wurde (»Forschungsauftrag Deutsch-Slawische Forschungen«, später »Leipziger namenkundliche Arbeitsgruppe«). Von dieser Forschergruppe wurden in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Veröffentlichungen zu Orts- und Flurnamen vorgelegt.

Die Foyerausstellung zur Flurnamenforschung in Sachsen und zur Überlieferung der Sächsischen Flurnamenstelle im Hauptstaatsarchiv Dresden entstand anlässlich der Neuerschließung der Bestände 13403 Sächsische Flurnamenstelle und 13404 Deutsche Zentralstelle für Flurnamenforschung. Sie wurde von Dr. Jörg Ludwig unter Mitwirkung von Ronny Klöber vorbereitet.

 

Die Ausstellung ist bis Herbst 2014 während der Öffnungszeiten des Hauptstaatsarchivs Dresden (Mo, Mi 8.30 Uhr – 18 Uhr; Di, Do 8.30 Uhr – 16 Uhr) zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

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