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Bannandrohungsbulle gegen Luther geht zur Nationalen Sonderausstellung auf die Wartburg

28.04.2017

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Bannandrohungsbulle (Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10001 Ältere Urkunden, Nr. 10277)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Innenminister Markus Ulbig hat heute die fast 500 Jahre alte Bannandrohungsbulle Papst Leos X. gegen Martin Luther nach Thüringen geschickt. Bei dem im Hauptstaatsarchiv Dresden verwahrten Dokument handelt es sich um ein handgeschriebenes Original der päpstlichen Urkunde vom 15. Juni 1520.

»Die Bannandrohungsbulle ist eines der Schlüsseldokumente des Reformationsgeschehens und zugleich eines der bedeutendsten Schätze des Sächsischen Staatsarchivs. Die wertvolle Urkunde weist einen engen Bezug zur Geschichte unseres Freistaats auf, denn sie stammt aus dem Besitz Herzog Georgs von Sachsen, der ein entschiedener Gegner von Martin Luther war. Wir sind stolz darauf, dass die päpstliche Urkunde in der Nationalen Sonderausstellung auf der Wartburg zu sehen sein wird. Sachsen als Mutterland der Reformation verfügt über einen der wichtigsten Quellenbestände zur Reformationsgeschichte überhaupt«, sagte Innenminister Markus Ulbig.

41 theologische Aussagen Luthers enthält die Bannandrohungsbulle, die der Papst als ketzerisch erklärte. Unter Androhung des Kirchenbanns forderte Leo X. anschließend den Reformator zum Widerruf auf. Die Urkunde wurde in der Kanzlei Papst Leos X. in Rom angefertigt und besiegelt. Das 85 cm breite und 57 cm lange beschriebene Pergament verfügt über das päpstliche Bleisiegel an einer Hanfschnur und wurde durch einen Schreiber der päpstlichen Kanzlei handgeschrieben.

Die Bannandrohungsbulle ist Teil eines in Dresden verwahrten Dokumentenerbes, zu dem auch die Korrespondenz zwischen Martin Luther und Herzog Georg von Sachsen gehört. Das Dresdner Exemplar der Bulle wird eines der zentralen Exponate in der nationalen Sonderausstellung »Luther und die Deutschen« auf der Wartburg sein. Zwei weitere Exemplare gibt es in Stuttgart und Wien. Der Transport auf die Wartburg erfolgt in einer extra für die Urkunde hergestellten Klimatruhe. Darin befindet sich säurefreie Kartonage, die das Dokument vor Licht und Feuchtigkeit schützt. Informationen zur Nationalen Sonderausstellung »Luther und die Deutschen« finden sich hier: www.wartburg.de/de/luther-2017/luther-und-die-deutschen.html.

Ausgewählt für die Nationale Sonderausstellung wurde das Dresdner Exemplar aufgrund des engen historischen Bezugs Sachsens zum Reformationsgeschehen. Die Bannandrohungsbulle stammt aus dem Besitz Herzog Georgs von Sachsen. Als mitteldeutscher Landesherr spielte Georg in den Auseinandersetzungen mit dem Reformator eine zentrale Rolle. Er gehörte zu den wenigen Fürsten, die überhaupt eines der damals angefertigten handschriftlichen Originale aus Rom erhielten.

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