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Depositalvertrag für Archiv der Standesherrschaft Königsbrück geschlossen

13.10.2015

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Außenansicht Archivverbund Bautzen
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Bedeutende Quellenüberlieferung zur Geschichte der Oberlausitz kann im Staatsarchiv verbleiben.

Groß war die Freude im Archivverbund Bautzen, als die Nachricht eintraf, dass das Sächsische Staatsarchiv am 20. August diesen Jahres einen Depositalvertrag über das Privatarchiv der Standesherrschaft Königsbrück unterzeichnen konnte. Bedeutet dies doch, dass herausragende Schriftquellen zur Geschichte der Oberlausitz in der Region verbleiben und weiterhin öffentlich genutzt werden können.

Ursprünglich war Königsbrück eine Zolleinnahmestelle an der Brücke über das Flüsschen Pulsnitz, welches die Grenze zwischen der Mark Meißen und der Oberlausitz bildete. Im 14. Jahrhundert erhielt der Ort Stadtrecht. 1351 wurde erstmals urkundlich ein Schloss in Königsbrück genannt. Mitte des 15. Jahrhunderts erwarben die Burggrafen von Dohna den Besitz und nach und nach kauften sie zahlreiche umliegende Orte dazu. Damit schufen sie einen Güterkomplex, der 1562 zum ersten Mal in einem Kaufbrief als »Herrschaft« bezeichnet wurde. Ausgestattet mit gewissen Rechten und Privilegien fand sie damit Anerkennung als Standesherrschaft. In der Oberlausitz existierten bis dahin bereits die Standesherrschaften Hoyerswerda, Muskau und Seidenberg (heute Zawidów, Polen). Innerhalb des Oberlausitzer Landstandes, zu dem neben diesen Standesherrschaften auch die Prälaten (Geistlichkeit), die Ritterschaft und die Mannschaft gehörten, nahmen sie eine führende Stellung ein. Von 1831 bis 1920 waren die Standesherren von Königsbrück auch als Abgeordnete der Ersten Kammer im sächsischen Landtag vertreten. Im letztgenannten Jahr erloschen in Sachsen alle öffentlich-rechtlichen Sonderrechte der Oberlausitzer Standesherrschaften.

Nach den Burggrafen von Dohna war die Standesherrschaft Königsbrück im Laufe der Jahrhunderte zeitlich aufeinanderfolgend im Besitz der Familien von Schellendorf, von Friesen, von Redern, von Münster-Meinhövel, von Hohenthal und Wilding zu Randali bzw. Wilding von Königsbrück. 1893 erwarb der Dresdner Näh- und Schreibmaschinenfabrikant Karl Robert Bruno Naumann den Besitz. Sein Sohn Dr. phil. Robert Bruno Walther Naumann wohnte mit seiner Familie von 1917 bis 1945 im Königsbrücker Schloss. Als sie nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 enteignet wurden, mussten sie Königsbrück verlassen. Zurück blieben das Schloss mit der Einrichtung, einer großen Bibliothek und dem Archiv der Standesherrschaft. Das Gebäude selbst wurde nach Kriegsende durch die Rote Armee als Lazarett genutzt. Mit dem Interieur ging man wenig pfleglich um, das Archivgut landete auf dem Hof. Es wurde durch engagierte Bürger gerettet und in das Staatsarchiv nach Dresden gebracht. Von dort kamen die geborgenen Archivalien, zu denen 1263 Akten, 136 Urkunden und eine Karte gehören, 1954 in das Landesarchiv Bautzen, das heute als Staatsfilialarchiv im Archivverbund Bautzen besteht.

Mit Inkrafttreten des Ausgleichsleistungsgesetzes im Jahr 1994 bestand für die enteigneten Familien die Möglichkeit, ihre Mobilien zurückzuerlangen. So wurde 2001 auch das Königsbrücker Archiv den Erben der Alteigentümer rückübertragen;  der Freistaat Sachsen erhielt ein bis 2014 währendes Nießbrauchrecht eingeräumt. Das ermöglichte vorerst die weitere Nutzung des Archivs durch die Öffentlichkeit. Nach Ablauf dieser Frist haben sich die Eigentümer dankenswerter Weise bereit gefunden, mit dem Sächsischen Staatsarchiv einen Depositalvertrag abzuschließen. Dieser trifft Regelungen zur künftigen Aufbewahrung, Erschließung und Nutzung des Archivgutes. Es verbleibt auch weiterhin im Staatsfilialarchiv Bautzen und kann dort im Rahmen der Öffnungszeiten im Lesesaal eingesehen werden. Da der Bestand bereits elektronisch in der Archivdatenbank verzeichnet war, ist seit Oktober auch die Online-Recherche möglich.

Mit ihrem Archiv stellen die Eigentümer der Forschung wertvolle Dokumente aus der Zeit von 1401 bis 1930 zur Verfügung, so beispielsweise die Ersterwähnungsurkunde der Standesherrschaft Königsbrück von 1562, Stadtrechnungen von Königsbrück aus der Zeit kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, Zeugnisse zur Geschichte bedeutender sächsischer Adelsfamilien und den Beleg der Gründung der ältesten Sparkasse Sachsens.

Übrigens: die Urkunde mit der Ersterwähnung des Königsbrücker Schlosses  wurde 1351 von Kaiser Karl IV. für den Budissiner Stadtrat ausgestellt. Sie ist heute im Bestand des Stadtarchivs, ebenfalls im Archivverbund Bautzen, überliefert. Ein schöner Zufall für die Synergieeffekte im nun schon vierzehn Jahre bestehenden Archivverbund Bautzen.

Das Findmittel zum Bestand (50155 Standesherrschaft Königsbrück) kann auf unserer Homepage eingesehen werden.

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