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Beamte, Bergrecht und Behörden

Die Professionalisierung der Bergbeamten

Tracht eines Bergmeisters (SächsStA-F, 40001 Oberbergamt, Nr. Ü 3539)

Tracht eines Bergmeisters (SächsStA-F, 40001 Oberbergamt, Nr. Ü 3539)
(© Sächsisches Staatsarchiv)

Das Berg- und Hüttenwesen sowie deren Verwaltung wurden im 18. Jahrhundert zum einen von der Umstrukturierung des Behördenapparats unter der absolutistischen Staatsführung August des Starken (1670-1733), zum anderen von der wissenschaftlichen Durchdringung des Bergbaus geprägt.

August der Starke, der auf Grund seiner hohen Ausgaben an der Effizienz des Silberbergbaus interessiert war, investierte in den Ausbau des Berg- und Hüttenwesens. Am 4. Mai 1710 erließ Kurfürst August I. ein Dekret zur Gründung der Generalschmelzadministration in Freiberg mit dem Ziel, das Hüttenwesen durch die Konzentration von Erzeinkauf und Schmelzbetrieb zu zentralisieren. Die Erze wurden nach einem festgelegten Probierverfahren auf ihren Metallgehalt geprüft und nach festen Taxen bezahlt. Das ermöglichte eine effektive Kontrolle der Edelmetallgewinnung und revierübergreifende Modernisierungsmaßnahmen.

Als oberste Bergverwaltungsbehörde wurde 1711 die Bergkanzlei in Dresden eingesetzt. Zur Förderung des Maschinenwesens im Bergbau ernannte der Kurfürst 1723 den Mechanicus und Verfasser der Enzyklopädie »Theatrum Machinarum« Jacob Leupold zum Bergwerkskommissar. Von wirtschaftlichem und administrativem Vorteil war auch der Zusammenschluss einiger Bergwerke (z. B. »Halsbrücker Vereinigt Feld«) im 18. Jahrhundert.

Die Steigerung der Silberproduktion im Freiberger Revier bis ins Jahr 1740 auf über 6 000 kg pro Jahr konnte u. a. auch wegen der besseren Ausbildung der Verwaltungsbeamten realisiert werden.

Der Bergbeamtennachwuchs erhielt seit der Einführung der Stipendienkasse um 1702 Unterricht im Bergwesen, Markscheiden und Probieren. Im Auftrag des Oberbergamtes wurden die Stipendiaten zudem ab 1733 von Bergrat Johann Friedrich Henckel in Chemie und Metallurgie unterwiesen.

Trotz der schwierigen finanziellen Lage Kursachsens nach dem Siebenjährigen Krieg wurde nach 1763 vermehrt in die Bildung der Bergbeamten sowie der Berg- und Hüttenleute investiert, um dem Niedergang des Berg- und Hüttenwesens entgegenzuwirken. Deren Erträge wurden dringend für die Reparationszahlungen benötigt.

Im Jahr 1765 wurde die Bergakademie in Freiberg gegründet, an der die an Bergwerkswissenschaften interessierten jungen Leute kostenlosen Unterricht in Chemie, Geometrie und Metallurgie erhielten. Die Bergakademie wurde dem Oberbergamt unterstellt und das nötige Geld zur Zahlung der Dozentengehälter jährlich (bis zu 1200 Reichsthaler) aus der Oberzehnten-Kasse entnommen.

Zur Unterweisung der niederen Bergbeamten (z. B. Steiger, Bergaufseher) wurden ab 1776 Bergschulen eingerichtet. Die Kinder der einfachen Bergleute konnten unterdessen das Lesen, Schreiben und Rechnen an den Knappschaftsschulen erlernen.

Die Bildungspolitik zahlte sich bald aus. Die Absolventen der Bergakademie machten sich vor allem in der Entwicklung neuer Maschinentechnik (z. B. Wassersäulenmaschine von J. F. Mende) und Vermessungsgeräte (z. B. G. F. Schubert), aber auch als Bergmeister und Bergbeamte verdient. Die nach Freiberg berufenen Professoren berieten die Bergämter zudem mit ihrem montanen Fachwissen und waren auch selbst im Auftrag des Oberbergamts tätig.

Technische Neuerungen sowie die Entdeckung neuer ertragreicher Grubenfelder und der gezielte Einsatz von Sprengstoff ab 1765 verhalfen dem Silberbergbau gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu einer neuen Blüte. Die jährliche Silberproduktion stieg allein im Freiberger Revier von etwa 3 000 kg (1760) auf 10 000 kg (1790).

Die fiskalischen Angelegenheiten des Kurfürstentums steuerte ab 1782 das Geheime Finanzkollegium, dem auch die Bergkanzlei angegliedert wurde. Die Bergverwaltung wurde fortan in drei klar voneinander getrennte Behördenbereiche unterteilt: die Verwaltungsbehörden, die Gerichtsbehörden sowie die Kassen- und Rechnungsbehörden.

(Literatur: A. Erb: Die Bestände des Sächsischen Bergarchivs Freiberg, Halle 2003. R. Groß: Bergverfassung und Bergverwaltung in Sachsen, in: Der silberne Boden. Kunst und Bergbau in Sachsen, Leipzig 1990, S. 34-36. H.-H. Kasper – G. Martin: Die Bergstadt Freiberg und das Oberbergamt, in: 450 Jahre Sächsisches Oberbergamt Freiberg 1542 – 1992, Freiberg 1993, S. 32-46. C. Thiel: Findbuch zum Bestand 40035 Oberhüttenamt und Nachfolger, Sächsisches Staatsarchiv/Bergarchiv Freiberg 2006. O. Wagenbreth . E. Wächtler (Hrsgg.): Der Freiberger Bergbau. Technische Denkmale und Geschichte, Leipzig 1985. W. Weber: Zur Geschichte des Freiberger Bergbaus, in: Glückauf Freiberg. Bergbau – Erze – Mineralien, Haltern 1997, S.21-28.)

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