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Dresdner Kruzianer feiern ihr 800-jähriges Bestehen

04.03.2016

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Urkunde vom 6. April 1300 (SächsStA-D, 10001 Ältere Urkunden, Nr. 1633)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Was zwei Urkunden im Hauptstaatsarchiv Dresden über das Alter des weltberühmten Kreuzchores aussagen.

Das »Gründungsdatum« des Dresdner Kreuzchores ist nicht überliefert. So lautet die Tradition, dass es die »Kruzianer« schon so lange gibt wie ihre Heimatstadt selbst – nämlich seit 800 Jahren. Ein Festakt in der Semperoper gedachte heute der langen Geschichte der in aller Welt bekannten Institution. Grundlage des Jubiläums ist eine im Hauptstaatsarchiv Dresden verwahrte Urkunde vom 21. Januar 1216, die Dresden erstmals als Stadt erwähnt. Zweifellos gab es damals bereits die Nikolaikirche, für die sich später, wegen der hier wahrscheinlich seit 1234 verwahrten Kreuzesreliquie, der Name Kreuzkirche einbürgerte. So wurde aus der Quelle immer wieder geschlossen, dass damals auch schon die Kreuzschule und mit ihr der Kreuzchor bestanden haben könnte. Sicher nachweisen lässt sich das freilich nicht.

Den ältesten schriftlichen Beleg für eine Schule in Dresden – die spätere Kreuzschule – liefert eine ebenfalls im Hauptstaatsarchiv Dresden verwahrte Urkunde vom 6. April 1300. Mit ihr nahm Burggraf Otto III. von Dohna das Kloster Altzella bei Nossen in seinen Schutz und traf weitere Bestimmungen zu dessen Gunsten. Unter den Zeugen der Rechtshandlung befand sich der Kaplan Konrad des Burggrafen, der zugleich Schulmeister in Dresden war. Von einem Chor ist auch hier – strenggenommen – noch keine Rede, doch darf man davon ausgehend, dass es schon damals eine der Aufgaben der Schulknaben gewesen sein dürfte, für die musikalische Ausgestaltung der Gottesdienste in der Kreuzkirche zu sorgen.

Leider ist die Urkunde, die bis zur Reformation im Kloster Altzella verwahrt wurde, durch Mäusefraß beschädigt. Dadurch ist der Text zum »Schulmeister« zwar etwas lückenhaft, aber immer noch gut zu deuten. Die kleine Fehlstelle an der unteren rechten Ecke der Urkunde kann unter Berücksichtigung noch vorhandener Schriftreste nahezu zweifelsfrei als »Cunradus rector p[ueror]rum in Dresden, capellanus noster« (Konrad Rektor der Knaben in Dresden, unser Kaplan) gelesen werden werden.

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