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Genealogische Quellen in den Militärbeständen des Hauptstaatsarchivs Dresden

In der umfangreichen Überlieferung der sächsischen Armee im Sächsischen Staatsarchiv – Hauptstaatsarchiv Dresden, die vom 16. Jahrhundert bis zum Ende des 1. Weltkriegs reicht, befindet sich auch reichhaltiges Material für genealogische Forschungen. Die Struktur der Bestände bildet allerdings die Organisationsstruktur der sächsischen Armee ab. Für Genealogen bedeutet dies, dass eine übergreifende Recherche nach Namen nicht möglich und außerdem die Kenntnis der Regimentszugehörigkeit unabdingbare Voraussetzung ist, um einen Ansatzpunkt für die Recherche zu haben. Daneben werden die Erfolgsaussichten der Recherche in den Militärbeständen von zwei weiteren Faktoren bestimmt. Zum einen steht durch den Verlust der Militärstammrollen der Jahre 1868 bis 1918 im 2. Weltkrieg für diesen Zeitraum die wichtigste personenbezogene Quellengruppe nicht mehr zur Verfügung. Zum anderen kann auch der Dienstgrad der gesuchten Person über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Für Offiziere sind Nachschlagewerke und Listen zur Ermittlung der Regimentszugehörigkeit vorhanden, die für einfache Soldaten und Unteroffiziere fehlen.

Unterlagen bis 1867

Unterlagen ab 1867

Offiziere und Militärüberlieferung ab 1921

Musterungs-, Monatsverpflegungs- und Nationallisten

Für den Fall, dass die Regimentszugehörigkeit bekannt ist, sind vor allem die von 1681 bis 1867 überlieferten Musterungslisten heranzuziehen. Der gleichnamige Bestand enthält die jährlichen Stärkemeldungen über die durchgeführten Musterungen der sächsischen Regimenter an die zentralen Militärverwaltungsbehörden. Die namentlich und summarisch geführten Musterungslisten enthalten im Regelfall folgende Angaben: Name, Vorname, Dienstgrad, Alter, Größe, Geburtsort, Beruf, Religionszugehörigkeit und Herkunft. Angaben zu Familienstand, Anzahl der Kinder, Dienstdauer, Teilnahme an Feldzügen, Verwundungen, Bekleidung und Besoldung sowie Ort und Datum der Musterung ergänzen gelegentlich die Grunddaten. Statt des Geburtsorts wird der Begriff Herkunft verwendet, wobei beide Begriffe nicht identisch sein müssen. Das Geburtsdatum sowie die Namen und Lebensdaten von Familienangehörigen sind nicht vermerkt.

Ergänzend ist unter Umständen der Bestand 11242 Monatsverpflegungslisten mit dem Überlieferungszeitraum von 1698 bis 1868 heranzuziehen. Monatsverpflegungslisten enthalten zum einen summarische Stärkemeldungen der einzelnen Regimenter, zum anderen Personalangaben der neu hinzugekommenen oder abgegangenen Soldaten.

Die Anwerbung erfolgte dem Grundsatz nach freiwillig, so dass sich jeder Interessierte an ein Werbekommando eines beliebigen Regiments wenden konnte. Erst ab 1781 gab es feste Werbebezirke für die Infanterie-Regimenter und die Artillerie, während die Kavallerie frei werben durfte. Im 18. Jahrhundert setzten die Kurfürsten bei der Heersergänzung zunehmend auf die Dienstpflicht der Untertanen, vor allem in Kriegszeiten. Die Ämter wurden verpflichtet, eine bestimmte Anzahl von Rekruten zu stellen. Dabei wurden die dienstfähigen Männer von den lokalen Gerichten für die Auslosung erfasst. Entsprechende Unterlagen befinden sich teilweise noch bei den zuständigen Lokalbehörden.

1825 wurden die Ergänzung der Armee und die Entlassung vom Militär im Königreich Sachsen neu geregelt. Die Dienstzeit betrug acht Jahre und die Ergänzung des Heeres erfolgte durch Aushebung der zwanzigjährigen Mannschaft. Die entsprechenden Unterlagen aus dem Zeitraum von 1824 bis 1867 befinden sich im Bestand 13490 Nationallisten. Für die Nutzung der Nationallisten muss die Regimentszugehörigkeit nicht bekannt sein, dafür aber der Geburtsort und das ungefähre Alter der gesuchten Person. Enthalten sind unter anderem Angaben zu Geburtsjahr und Geburtsort, Religion und Familienstand, während die Namen von Angehörigen auch hier fehlen.

Regimenter und Militärgerichtsbarkeit

Neben den primär personenbezogenen Unterlagen in Listenform können auch die Bestände der Infanterie-, Artillerie- und Kavallerieformationen bis 1867 herangezogen werden. Diese enthalten unter anderem Verlustlisten, Beurteilungslisten, Bestandslisten und Listen über abgegangene Mannschaften.

Neben der Strafgerichtsbarkeit sind in den Beständen der Militärgerichtsbarkeit auch Nachlass-, Schuldenangelegenheiten, Beleidigungsklagen, Gesuche um Heiratserlaubnisse, Unterhaltsklagen für uneheliche Kinder etc. überliefert.

Toten- und Verschollenenlisten

Auf dem Russlandfeldzug des Jahres 1812 vermisste sächsische Soldaten lassen sich mit Hilfe des Bestandes 11244 Verschollenenlisten nachweisen. Im Jahr 1822 wurden alphabetische Listen von den von den Lokalbehörden als verschollen gemeldeten Militärangehörigen aus der Zeit von 1807 bis 1813 angelegt. Diese enthalten keine Geburts- oder Sterbedaten, sondern vor allem Angaben zum Regiment, Rang und zum den vermuteten Verbleib. Letztere können recht vage ausfallen, z.B. »soll 1812 in Russland verblieben sein«.

Für den Zeitraum der napoleonischen Kriege sind auch Totenlisten aus den Lazaretten vorhanden. Die Einträge bestehen vor allem aus Regiment und Kompanie, Rang, Alter, Religion, Geburtsort, Krankheit, Hospital und Todestag. Hauptbücher über die in den Lazaretten aufgenommenen Kranken und Verwundeten von 1805 bis 1828 befinden sich im Bestand 11299 Lazarette und Hospitäler.

Genealogische Sammlung

Ist die Regimentszugehörigkeit unbekannt, bietet der Bestand 11371 Genealogische Sammlung eventuell einen Ansatzpunkt. Enthalten sind Personalunterlagen von Militärangehörigen der sächsischen Armee in ca. 14.000 Konvoluten, wobei unabhängig von Rang und sozialer Herkunft gesammelt wurde. Die einzige vorhandene Erschließungsinformation ist der Familienname. Um zu klären, ob Informationen über eine gesuchte Person enthalten sind, bleibt nur die blattweise Durchsicht des jeweiligen Konvoluts. Überlieferungsschwerpunkt ist das 19. Jahrhundert. Enthalten sind aus zu kassierenden Akten entnommene Unterlagen, darunter Militärgerichtsangelegenheiten, Nationallisten, Heiratserlaubnisse und Bestallungen.

Personalakten, Militärstammrollen, Regimenter

Bei der Frage, ob ein Familienangehöriger im Zeitraum von 1868 bis zum Ende des 1. Weltkriegs Soldat war, stößt man schnell an Grenzen. Personalakten der sächsischen Armee sind nur in geringem Umfang im Bestand 11248 Sächsisches Kriegsministerium überliefert und auf Offiziere beschränkt. Die Militärstammrollen, die nach dem Beitritt Sachsens in die Bundesarmee die Musterungslisten ersetzten, für den Zeitraum von 1868 bis 1918 wurden im 2. Weltkrieg vernichtet, so dass für die Suche vor allem die Überlieferung der einzelnen Regimenter heranzuziehen ist. In den Regimentsbeständen sind Personalangelegenheiten, Auszüge aus den Kriegsstammrollen etc. vorhanden. Dabei handelt es sich jedoch um nicht durch Personenregister erschlossene Sachakten. Um die Anzahl der in Frage kommenden Akten einzugrenzen, ist es hilfreich zu wissen, in welchem Bataillon, in welcher Batterie etc. die gesuchte Person gedient hat. Der dennoch vorhandene Bestand 13491 Militärstammrollen enthält lediglich die Zugangsbücher zu den Militärstammrollen der ausgehobenen zwanzigjährigen Rekruten in der Stadt Dresden aus dem Zeitraum von 1870 bis 1904.

Verlustlisten

Für den 1. Weltkrieg stehen gedruckte, als Zeitungsbeilage erschienene Verlustlisten zur Verfügung. Diese enthalten sowohl Gefallene als auch Meldungen über Verwundete und Vermisste. Neben den sächsischen Verlustlisten gibt es auch eine Gesamtausgabe für alle Truppenteile des deutschen Heeres inklusive Marine- und Kolonialeinheiten. Die Verlustlisten wurden durch den Verein für Computergenealogie so aufbereitet, dass sie über eine Datenbank recherchierbar sind.

Verlustlisten speziell von Einwohnern von Dresden und Umgebung finden man im Bestand 11248 Sächsisches Kriegsministerium mit ausführlichen Angaben zur Person, u. a. Geburtstag, Geburtsart, Arbeitsstelle und Wohnung vor der Einberufung, Regiment, Teilnahme an Gefechten, Auszeichnungen, Todesursache und Grabstätte. Auch hier ist aufgrund des Ordnungsprinzips nach Regimentern ein schneller Zugriff über den Namen nicht möglich. Vermutlich handelt es sich um Vorarbeiten zur Erstellung eines Gefallenenbuchs für die Stadt Dresden.

Ordensverleihungen

Unterlagen zu Vorschlägen und Verleihung von Eisernen Kreuzen und sächsischen Kriegsauszeichnungen befinden sich in der Überlieferung der jeweiligen Regimenter ebenso wie auf der Ebene der Generalkommando- und Ministerialebene. Für sächsische Kriegsauszeichnungen (Militär-St.-Heinrichs Orden, Verdienst-Orden, Albrechts-Orden, Ehrenkreuz, Friedrich-August-Medaille, Erinnerungskreuz für freiwillige Krankenpflege, Carola-Medaille und Kriegsverdienstkreuz) ist auch der Bestand 10712 Ordenskanzlei heran­zuziehen. Er enthält vor allem zahlreiche Matrikel, die vom Benutzer jedoch Blatt für Blatt durchgesehen werden müssen, da selten Namensindizes vorliegen.

Militärkirchenbücher

Militärkirchenbücher sind für die Garnisonstandorte Bautzen, Borna, Chemnitz, Dresden, Freiberg, Kamenz, Königsbrück, Königstein, Leipzig, Leisnig, Löbau, Marienberg, Oschatz, Pirna, Plauen, Riesa und Zwickau im Zeitraum von 1884 bis 1920 im gleichnamigen Bestand überliefert. Davor wurden in Sachsen keine separaten Militärkirchenbücher geführt, so dass auch für Militärangehörige die Kirchengemeinde des jeweiligen Garnisonstandorts zuständig heranzuziehen ist.

Ausbildungsanstalten

Söhne von Soldaten im Alter von 6 bis 11 Jahren wurden eventuell in die Soldatenknabenerziehungsanstalt Kleinstruppen aufgenommen. Bedingung war, dass ihre Väter zum Zeitpunkt der Zeugung in der sächsischen Armee gedient hatten. Die von 1837 bis 1911 überlieferten Schülerlisten enthalten neben Name, Geburtstag, Geburtsort, Eltern und Gesundheitszustand auch Informationen über den nach Abgang aus der Lehranstalt gewählten Beruf.

Seit 1868 bestand bei der Soldatenknabenerziehungsanstalt Kleinstruppen eine Auswahlklasse, deren Zöglinge ab 1871 die Bezeichnung Unteroffizierschüler führten. Als selbständige Anstalt wurde die Unteroffizierschule am 1. Oktober 1873 nach Marienberg verlegt. Der Bestand 11310 Unteroffizierschule Marienberg enthält ausschließlich Stammrollen aus dem Zeitraum von 1865 bis 1914 mit den Angaben Name, Geburtstag und -ort, Name, Wohnort und Beruf des Vaters, schematische Personenbeschreibung, Dienstverhältnisse, Orden, Krankheiten, kurze Beurteilung und Datum des Abgangs.

Offiziere

Zusätzlich zu den in den vorangegangenen Punk genannten Beständen stehen für Offiziere folgende Nachschlagewerke und Listen zur Verfügung:

Heinrich August Verlohren: Stammregister und Chronik der kur- und königlich sächsischen Armee von 1670 bis zum Beginn des 20. Jh., Leipzig 1910.

Aufgenommen wurden vor allem Offiziere aus sächsischen Familien, aber auch solche, die sich durch besondere Verdienste hervorgetan haben. Das alphabetische Verzeichnis enthält u. a. Dienstposten, Teilnahme an Feldzügen, Verwundungen, Orden, Jahr und Art des Abschieds, z. T. Geburts- und Sterbedaten, Geburtsort und Ehefrauen.

Friedrich August von Göphardt: Alphabetisches Verzeichniß der sächsische Offiziere 1622-1815, Dresden 1885, Manuskript (Abschrift).

Dem handschriftlichen Register kann das Regiment, Beförderungen mit Datum, Datum des Abschieds und teilweise auch Sterbedaten entnommen werden.

Die gedruckten Ranglisten der sächsischen Armee von 1778 bis 1913 und die nachträglich erstellte Ehrenrangliste des deutschen Heeres 1914 bis 1918 enthalten die einzelnen Regimenter mit ihren Offizieren, aber auch Rang- und Nationallisten mit Dienstgraden, Geburtsort, Geburtsjahr und Laufbahn ebenso wie Informationen zur Geschichte der Regimenter, Uniformierung und Standorte. Die namentliche Erfassung von Offizieren begann bereits im Jahr 1632, die entsprechenden Listen befinden sich im Bestand 11246 Ranglisten.

Einschätzungen über die dienstlichen Qualitäten von Offizieren sind in den von 1730 bis 1865 überlieferten Konduitenlisten nachzulesen. Ein jahrgangsweise angelegtes, nicht streng alphabetisch geführtes Namensregister ist vorhanden. Die Konduitenlisten enthalten neben der Beurteilung in der Regel Angaben zu Herkunft, Alter, Dienstzeit und Dienstorten.

Das Kadettenkorps als Ausbildungseinrichtung und besondere militärische Formation für den Offiziersnachwuchs wurde 1692 als Kompanie adliger Kadetten errichtet und bestand bis 1920. Personenbezogene Angaben findet man vor allem bei Aufnahme von Kadetten und National- und Beurteilungslisten. Die von 1692 bis 1919 überlieferten Nationallisten enthalten im Regelfall ein in den 1920er Jahren von Archivaren vorgeheftetes Namensverzeichnis.

Militärüberlieferung ab 1921 und andere Truppenteile des Deutschen Heeres

Die militärische Überlieferung im Hauptstaatsarchiv Dresden endet mit dem 1. Weltkrieg bzw. mit der Demobilmachung und der Überführung von Armeeteilen in die Reichswehr. Demzufolge befinden sich die Militärbestände der Reichswehr, Wehrmacht und Waffen-SS einschließlich der sächsischen Militärformationen für den Zeitraum von 1921 bis 1945 zuständigkeitshalber im Bundesarchiv - Militärarchiv in Freiburg. Auskünfte über gefallene und vermisste Wehrmachtsangehörige, Dienst- und Beschäftigungszeiten, Kriegsgräber etc. erteilt die Deutsche Dienststelle (WASt) in Berlin.

Unterlagen zu preußischen Truppenteilen bis 1867 im befinden sich im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, ab 1867 im Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg, zum badischen Armeekorps im Badischen Generallandesarchiv Karlsruhe, zur bayerische Armee im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München und zum württembergischen Armeekorps im Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart.

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