1. Herausgeber
Inhalt

Reformation durch Visitation

31.10.2014

Bild

Protokoll der ersten evangelischen Kirchenvisitation, 1539/40(aus: SächsStA-D, 10088 Oberkonsistorium, Loc. 10599, Visitation und derselben Instruktion, 1539- 1540, Bl. 430b)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Das 500jährige Reformationsjubiläum im Jahr 2017 lenkt den Blick schon jetzt auf eine der wichtigsten Quellen zur Reformationsgeschichte – die Protokolle der ersten evangelischen Kirchenvisitationen.

Die systematische Visitation der Kirchgemeinden durch Beauftragte der evangelischen Landesfürsten bildete die Grundlage für eine flächendeckende Durchsetzung der Reformation. Schriftliche Protokolle dieser »Besuche« (so die wörtliche Bedeutung des Begriffs »Visitation«) liefern eine detaillierte Momentaufnahme der wirtschaftlich-sozialen Lage und des Bekenntnisstandes in den Pfarreien zur Zeit des konfessionellen Umbruchs im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts.

Im albertinischen Herzogtum Sachsen, das bis zum Tod Herzog Georgs des Bärtigen  (1539) am alten Glauben festhielt, erfolgte die erste systematisch durchgeführte evangelische Kirchenvisitation in den Jahren 1539 und 1540. Auf dem Gebiet des Kurfürstentums Sachsen, das große Teile der heutigen Länder Thüringen und Sachsen-Anhalt umfasste, setzt die Überlieferung der Visitationsprotokolle bereits 1525 ein. Heute ist sie auf die Bestände des Thüringischen Hauptstaatsarchivs Weimar, des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt und des Sächsischen Staatsarchivs (Hauptstaatsarchiv Dresden) verteilt.

Zusammen mit der Überlieferung aus Hessen, einem weiteren »Mutterland der Reformation«, werden die ältesten Visitationsprotokolle Mitteldeutschlands derzeit für das »Digitale Archiv der Reformation« (Digiref) aufbereitet. Das Projekt, das unter der Federführung des Thüringischen Hauptstaatsarchivs Weimar steht, plant eine Online-Präsentation der Originale, die voraussichtlich Ende 2015 abgeschlossen sein soll. Unter anderem ist vorgesehen, die digitalen Images durch eine Georeferenzierung recherchierbar zu machen. Aus dem Sächsischen Staatsarchiv sind 18 dicke Bände mit rund 11.000 Images dabei.

Unser Bild zeigt einen Auschnitt aus dem Visitationsprotokoll für die Mark Meißen von 1539/40 im Hauptstaatsarchiv Dresden. Blatt 430b enthält den Bericht der Visitatoren über ihren Besuch im Benediktinerkloster Pegau. Vom Abt hatten sie dort auf ihre Vorhaltungen eine ausweichende Antwort erhalten. Auf Bl. 431a beginnen die Aufzeichnungen zu den Einkünften der dem Pegauer Abt unterstehenden Pfarrei Stöntzsch bei Pegau, die den Visitatoren sehr arm erschien. Beispielsweise wird vermerkt, dass der Pfarrer eine »sehr wuste behausunge«, keine Wiesen und kein Holz habe.

Über den Download kann die vergrößerte Version der Abbildung aufgerufen werden. Informationen zum Bestand 10088 Oberkonsistorium in dem dieses und weitere Protokolle enthalten sind, erhalten Sie über den gleichnamigen Link.

Marginalspalte

© Sächsisches Staatsarchiv