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Verbrannt? Luther, Herzog Georg und die Bannandrohungsbulle

Luther 2017

Luther 2017: 500 Jahre Reformation
(© Staatliche Geschäftsstelle „Luther 2017“)

Das Hauptstaatsarchiv Dresden besitzt einen der bedeutendsten Quellenbestände zur Geschichte der lutherischen Reformation. Einige seiner wertvollsten Lutherzimelien werden in Kürze am Ort ihrer Verwahrung öffentlich präsentiert – in dieser Form zum ersten Mal seit fast 100 Jahren. Mit der kommenden Ausstellung, die ab September 2017 in den Räumen des Hauptstaatsarchivs Dresden zu sehen sein wird, leistet das Sächsische Staatsarchiv seinen Beitrag zum 500. Reformationsjubiläum.

Im Fokus der Schau wird ein legendäres Objekt stehen – die Bannandrohungsbulle Papst Leos X. (1475 – 1521) vom 15. Juni 1520. Mit ihrer Ver­bren­nung vor dem Wittenberger Elstertor voll­zog Luther am 20. Dezember 1520 seinen Bruch mit der römischen Kirche. Der Akt setzte den Schlusspunkt unter eine Entwicklung, die unumkehrbar geworden war, seit der Reformator während der Leipziger Disputation im Sommer 1519 die päpstliche Machtvollkommenheit dezidiert in Frage gestellt hatte. Damit waren auch im albertinischen Sachsen die Weichen gestellt. Herzog Georg von Sachsen (1471 – 1539), der Luthers Streben nach kirchlichen Reformen zunächst begrüßt und dessen Be­tei­ligung an der Leipziger Disputation gefördert hatte, wandelte sich nun zu einem der entschiedensten Gegner der Reformation.

Nur drei Originale der Bannandrohungsbulle sind er­halten, darunter das Exemplar des Hauptstaatsarchivs Dresden, das dem Betrachter wie kaum ein anderes Dokument seiner Zeit einen entscheidenden Moment der Reformationsgeschichte vergegenwärtigt. Es stammt aus dem Besitz Herzog Georgs und wird nun erstmals in seinem ursprünglichen Überlieferungszusammenhang – der Korrespondenz der herzoglichen Kanzlei – zu sehen sein. Die Ausstellung stellt die Bannandrohungsbulle als Zeugnis der inneren und äußeren Entwicklung Luthers vor und fragt nach der symbolischen Be­deutung von dessen Ver­brennungstat. Sie erzählt den Weg dorthin aus der Per­spektive Herzog Georgs und präsentiert dessen eigen­händigem Briefwechsel mit dem Refor­mator aus der Zeit vor, während und nach der Leipziger Disputation, bei dem sich der Landesherr von Luther die Anrede als »ungnediger fürst« gefallen lassen musste. Zu den besonderen Höhepunkten der Schau wird neben weiteren Lutherautographen ein bislang unbekannter, in Leipzig entstandener zeitgenössischer Plakatdruck der Banndrohungsbulle gehören, der ebenfalls aus dem Kontext von Herzog Georgs Kanzlei stammt. Natürlich kann man auch er­fahren, was es denn eigentlich genau war, das der Reformator am 20. Dezem­ber 1520 in Wittenberg den Flammen übergab ...

 

Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Dresden

14.09.2017 – 11.01.2018

Mo, Mi 8.30 – 18.00 Uhr, Di, Do 8.30 - 16.00 Uhr, Fr geschlossen (Eintritt frei)

Führungstermine und Begleitveranstaltungen werden in Bälde an dieser Stelle bekannt gegeben.

 

Ab September 2017 finden Sie hier auch interessante Hintergrundinformationen zu unseren Ausstellungsstücken.

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