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Vortrags- und Gesprächsveranstaltung der BStU-Außenstelle Chemnitz im Staatsarchiv Chemnitz

25.06.2015

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Christian Booß, Sandra Buchler und Utz Rachowski (v.l.n.r.) in der Diskussion.
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Nach einer ersten gemeinsamen Veranstaltung am 22. Oktober 2014 im Staatsarchiv Chemnitz erfuhr diese Form der Zusammenarbeit eine Neuauflage. Unter dem Titel »Freiheit für Westgeld« wurde am 18. Juni 2015 der Freikauf von DDR-Häftlingen durch die Bundesrepublik thematisiert.

Nach einer Begrüßung durch die Leiter der Abteilung Staatsarchiv Chemnitz und der Außenstelle Chemnitz des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) referierte Christian Booß, Historiker und Rundfunkjournalist,  heute Projektkoordinator in der Abteilung Bildung und Forschung der BStU in Berlin, über den Häftlingsfreikauf und die Position der Stasi dazu. Näher beleuchtete er dabei auch die ambivalente Rolle des DDR-Rechtsanwalts Wolfgang Vogel als Unterhändler der Häftlingsfreikäufe. Deutlich wurde in dem Vortrag das Spannungsfeld zwischen dem Staatsziel, politischem Widerstand mit wirksamen, abschreckenden Repressionsmaßnahmen zu begegnen, und dem eklatanten Devisenmangel in der DDR, der den Häftlingsfreikauf letztlich begünstigte und förderte. Auch die Bundesrepublik befand sich in einem Dilemma, zwischen humanitärer Hilfe für die politisch Inhaftierten und materieller Unterstützung des DDR-Regimes abwägen zu müssen. Zwischen 1963 und 1989 wurden insgesamt 33.000 politische Häftlinge aus der DDR freigekauft. Die DDR-Regierung erhielt dafür Devisen und Warenlieferungen im Wert von drei Milliarden DM.  Für die Abwicklung dieses »Handels« spielte die Strafvollzugsanstalt Karl-Marx-Stadt auf dem Kaßberg eine zentrale Rolle. Von dort wurden die ausgelösten politischen Häftlinge nach der Bundesrepublik in das Notaufnahmelager Gießen verbracht.


Im Anschluss an den Vortrag berichtete der Buchautor Utz Rachowski als Zeitzeuge und Betroffener von seinen eigenen Erfahrungen und Wahrnehmungen im Zusammenhang mit seinem Freikauf, woraus sich unter der Moderation von Sandra Buchler von der BStU-Außenstelle Chemnitz eine angeregte Diskussion zwischen den beiden Gästen und dem Publikum ergab.


Das Staatsarchiv Chemnitz präsentierte veranstaltungsbegleitend und als ergänzende Illustrierung zum Thema in einer Foyervitrine sechs Archivalien aus der Strafvollzugsanstalt Karl-Marx-Stadt, in der sich die Anstaltsleitung  mit Ausreiseanträgen Inhaftierter und Unmutsbekundungen ausreisewilliger Häftlinge befasste.

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