Hauptinhalt

Beständeübersicht

Bestand

20086 Gerichtsamt Burgstädt

Datierung1828 - 1879
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)3,70

Für die Bestandsgruppen Königliche Bezirksgerichte und Gerichtsämter im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig (StA-L) wurde eine bestandsübergreifende Findbucheinleitung erarbeitet. [01] Die Einleitung zum Einzelbestand enthält deshalb nur in verkürzter Form einen historischen Abriss der Entwicklung des Registraturbildners, Angaben zur Bestandsgeschichte und -bearbeitung sowie Hinweise auf Überlieferungsschwerpunkte im Bestand.

Burgstädt gehörte seit 1548 zur Schönburgischen Herrschaft Rochsburg, seine Gerichtsbarkeit war dem dortigen Gräflichen Justizamt unterstellt. [02] Im Jahre 1835 wurde die Herrschaft Rochsburg in das Amt Rochlitz einbezirkt. [03] Im Rahmen der Umgestaltung der Untergerichte Sachsens, die u. a. die Abtretung der Patrimonialgerichtsbarkeit an den Staat vorsah, gingen die Gerichtsbarkeit der Schönburgischen Herrschaft sowie die polizeilichen und Verwaltungsbefugnisse des Stadtrates zu Burgstädt im Juli 1856 an das am 28. Juni 1856 eröffnete Königliche Gericht Burgstädt über. Als Nachfolgebehörde dieses Gerichts nahm auf der Grundlage des Gesetzes vom 11. August 1855 über die künftige Einrichtung der Behörden erster Instanz für die Rechtspflege und Verwaltung in Sachsen am 1. Oktober 1856 das Königliche Gerichtsamt Burgstädt (unter dem Königlichen Bezirksgericht Mittweida) seine Tätigkeit auf. [04] Die Zuständigkeit des Gerichtsamts erstreckte sich auf die Stadt Burgstädt und 20 Gemeinden im Gerichtsamtsbezirk (Übersicht siehe Anlage 1).

Seinen Sitz hatte das Gerichtsamt Burgstädt zunächst in einem Gebäude zwischen dem alten Schulhaus und dem Rathaus (in der heutigen Rathausgasse). Im linken Gebäudeflügel waren neben Dienst- und Richterzimmer, ein Depositengewölbe, zwei Expeditionszimmer, ein Warteraum sowie das Archiv und im rechten Gebäudeflügel das Gefängnis untergebracht. Nachdem sich die Räumlichkeiten als zu klein erwiesen hatten, erwarb der Staatsfiskus 1871 von der Stadtgemeinde und dem Pfarrlehen zu Burgstädt ein größeres Grundstück am ehemaligen Postplatz (heute Ahnataler Platz). Dort entstand ein moderner Gerichtsneubau, der 1877 bezogen wurde. [05]

Zum Gerichtsamtmann wurde Friedrich Theodor Martini ernannt, der vorher Justitiar beim Königlichen Gericht Burgstädt war (Verzeichnis des Personalbestands von 1856 - 1879 siehe Anlage 2).

Nach der Neustrukturierung der Gerichtsorganisation war für die Angelegenheiten der Verwaltung ab 1874 die Amtshauptmannschaft Rochlitz zuständig, für die Angelegenheiten der Justiz ab 1879 das Amtsgericht Burgstädt.

Der rund 350 Akten umfassende Bestand Gerichtsamt Burgstädt betrifft den Zeitraum 1828 - 1879. Die Akten gelangten größtenteils ab 1956 im Rahmen der Übergabe von Archivgut der Provenienzen Amtsgericht Burgstädt, Amtshauptmannschaft Rochlitz und Vorgängerbehörden in das Landesarchiv Leipzig (heute: Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, StA-L). Abgebende Stellen waren das Landeshauptarchiv Dresden (heute: Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, StA-D) sowie das Kreisarchiv Rochlitz. [06]

Die Bearbeitung des Bestandes erfolgte in mehreren Schritten 1999/2000. Der Hauptteil der Unterlagen bildet körperlich einen eigenen Bestand. Diese Akten wurden bei einer Provenienzprüfung aus dem Bestand Amtsgericht Burgstädt herausgelöst. Weitere Akten befinden sich im Bestand Amtshauptmannschaft Rochlitz und Amt Leipzig. Eine körperliche Heraustrennung der Akten aus diesen im Gegensatz zu den o. g. schon technisch bearbeiteten Beständen erschien wenig sinnvoll, zumal einige bereits unter diesen Signaturen benutzt worden waren. Die virtuelle Zusammenführung der Akten erfolgte mit dem PC-Programm AUGIAS für Windows, mit dem auch das Orts- und Personenregister erstellt wurde. Erfasst wurden nach Möglichkeit auch die alten Registratursignaturen sowie die Vorprovenienzen. Enthält-Vermerke bilden die Ausnahme.

Auffallend im Bestand Gerichtsamt Burgstädt ist, dass nur wenige Gerichtsprotokolle vorhanden sind und Akten zur Strafgerichtsbarkeit völlig fehlen. Die Zivilgerichtsbarkeit ist mit einer recht großen Zahl von Unterlagen zu Zivilprozessen und Konkursen/Zwangsversteigerungen gut repräsentiert. Das Gleiche gilt im Bereich der freiwilligen Gerichtsbarkeit für Nachlassregulierungen und Grundstückssachen. Die aus der Lokalverwaltung überlieferten Akten betreffen im Wesentlichen Gemeinde- und Gewerbeangelegenheiten sowie Angelegenheiten der Sicherheitspolizei. Insgesamt lassen sich damit einige Rückschlüsse auf die Rechtspflege, vor allem aber auf die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Gerichtsamtsbezirk Burgstädt in jener Zeit ziehen.

Als korrespondierende Bestände im Staatsarchiv Leipzig sind Amt Rochlitz, Bezirksschulrat Rochlitz, Amtshauptmannschaft Rochlitz und Amtsgericht Burgstädt zu nutzen.

Zur Vereinfachung übergreifender Recherchen wurde im vorliegenden Findbuch die für die Bestandsgruppe erarbeitete Klassifikation komplett übernommen; bei nicht belegten Klassifikationsgruppen erscheint in Klammern der Vermerk "entfällt". Bei lückenhafter Überlieferung erfolgte gegebenenfalls eine neue Bandreihung in chronologischer Folge.




Anlage

Personalbestand des Gerichtsamtes Burgstädt

(Quellen: Staatshandbücher für das Königreich Sachsen, 1857 - 1878; Th. Klein, Grundriss zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815 - 1945, Bd. 14, Marburg 1982)



Gerichtsamtmann:

1856-1866: Friedrich Theodor Martini (vorher Justitiar beim Kgl. Gericht Burgstädt)

1866-1868: Gustav Adolf Vogel (vorher Gerichtsrat beim Bezirksgericht Annaberg)

1868-1875: Eduard Hartenstein (vorher Gerichtsamtmann beim Gerichtsamt Bautzen)

1876-1879: Moritz Tränckner



Aktuare, Assessoren bzw. Referendare (in zeitlicher Folge):

- Ludwig Hermann Hohlfeld

- Carl Christian Schönberg

- Heinrich August Feurich

- Gustav Adolf Munkel

- Karl August Wolf

- Johannes Hermann Klinger

- Walter Seidel

- Maximilian Arthur Forker

- Otto Reinhardt

- Adalbert Clothar Kirsch

- Paul Otto Uhlemann

- Oskar Edwin Ackermann

- Arno Melzer



Außerdem gab es noch Expedienten (d. h. Registratoren, Depositen- und Sportelrendanten und -kontrolleure, Kopisten) sowie Gerichtsdiener und -boten.



[01] Vgl. V. Jäger, Findbucheinleitung zu den Bestandsgruppen Königliche Bezirksgerichte und Gerichtsämter, 2000.
[02] Vgl. Deutsches Städtebuch, Bd. II. Kohlhammer Verlag Stuttgart-Berlin, 1941, S. 34.
[03] Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1835, Dresden, S. 458.
[04] Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1855, Dresden, S. 144ff.
[05] Zur Geschichte der Gerichtsgebäude vgl. StA-L, GerA Burgstädt 119 und 124.
[06] Vgl. Zu- und Abgangsbuch des StA-L, 1954 - 1975, VA Nr. 187.


Statistik und Wahlen.- Gerichtsamtsverwaltung.- Gerichtsprotokolle.- Zivilgerichtsbarkeit.- Freiwillige Gerichtsbarkeit.- Ablösungen.- Lokalverwaltung.
Das Gerichtsamt Burgstädt wurde im Oktober 1856 als Nachfolgebehörde des nur wenige Monate existierenden Königlichen Gerichts Burgstädt eröffnet. Es unterstand dem Königlichen Bezirksgericht Mittweida. Zuständig war dieses Gerichtsamt für die Stadt Burgstädt und 20 Gemeinden im Gerichtsamtsbezirk. Nach der Neustrukturierung der Gerichtsorganisation gingen die Verwaltungsangelegenheiten 1874 an die Amtshauptmannschaft Rochlitz, die Angelegenheiten der Justiz 1879 an das Amtsgericht Burgstädt.
  • 2000 | Findbuch / Datenbank
  • 2024-02-13 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.5
Sitemap-XML zurück zum Seitenanfang