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Beständeübersicht

Bestand

20105 Gerichtsamt Rochlitz

Datierung1764 - 1879
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)7,30

Für die Bestandsgruppen Königliche Bezirksgerichte und Gerichtsämter im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig (StA-L) wurde eine bestandsübergreifende Findbucheinleitung erarbeitet. [01] Die Einleitung zum Einzelbestand enthält deshalb nur in verkürzter Form einen historischen Abriss der Entwicklung des Registraturbildners, Angaben zur Bestandsgeschichte und -bearbeitung sowie Hinweise auf Überlieferungsschwerpunkte im Bestand.

Bis Mitte des 19. Jh. unterstand die Gerichtsbarkeit im Amtsbezirk Rochlitz dem dortigen Justizamt, dem Stadtgericht Rochlitz sowie Patrimonialgerichten in den umliegenden Ortschaften. Im Rahmen der Umgestaltung der Untergerichte Sachsens mit dem Ziel der Abtretung der Patrimonialgerichtsbarkeit an den Staat gingen die Erbgerichtsbarkeit der Stadt Rochlitz (Januar 1856) sowie die Patrimonialgerichtsbarkeit mehrerer Rittergüter und Pfarrlehen (1845-1856) auf den Staat und damit an das Justizamt Rochlitz über. Nachfolgebehörde des Justizamtes war das Königliche Gerichtsamt Rochlitz, das auf der Grundlage des Gesetzes vom 11. August 1855 über die künftige Einrichtung der Behörden erster Instanz für die Rechtspflege und Verwaltung in Sachsen am 1. Oktober 1856 eröffnet wurde. [02] Dieses Gerichtsamt unterstand dem Königlichen Bezirksgericht Rochlitz und nach dessen Auflösung im Jahre 1860 dem Königlichen Bezirksgericht Mittweida. [03] Seine Zuständigkeit erstreckte sich auf 66 Gemeinden im Gerichtsamtsbezirk und auf das Rochlitzer Forstrevier (Übersicht siehe Anlage 1). Für den Gemeindebezirk der Stadt Rochlitz war das dortige Bezirksgericht zugleich das zuständige Gerichtsamt. Nach der Auflösung dieses Bezirksgerichts nahm das Gerichtsamt Rochlitz auch die Aufgaben des Gerichtsamts im Bezirksgericht wahr.

Über den Sitz des Gerichtsamtes Rochlitz ließen sich keine exakten Angaben finden. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass sich die Räumlichkeiten des Gerichtsamtes im Schloss befanden, das um 1890 u. a. die Nachfolgebehörde des Gerichtsamtes Rochlitz, das "Königliche Amtsgericht", beherbergte. [04]

Zum Gerichtsamtmann wurde Wilhelm Eduard Wimmer ernannt, der vorher Amtmann beim Justizamt Rochlitz war (Verzeichnis des Personalbestands von 1856 - 1879 siehe Anlage 2).

Nach der Neustrukturierung der Gerichtsorganisation war für die Angelegenheiten der Verwaltung ab 1874 die Amtshauptmannschaft Rochlitz zuständig, für die Angelegenheiten der Justiz ab 1879 das Amtsgericht Rochlitz.

Der Bestand Gerichtsamt Rochlitz umfasst 560 Akten. Sie betreffen den Zeitraum von 1764 - 1879. Die Akten gelangten größtenteils ab 1956 im Rahmen der Übergabe von Archivgut der Provenienzen Amtsgericht/Amtshauptmannschaft Rochlitz und Vorgängerbehörden in das Landesarchiv Leipzig (heute: Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, StA-L). Abgebende Stellen waren im Wesentlichen das Landeshauptarchiv Dresden (heute: Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, StA-D) sowie das Kreisarchiv Rochlitz und das Kreisarchiv Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). [05]

Die Bearbeitung des Bestandes erfolgte in mehreren Schritten 1999/2000. Ein Teil der Akten bildet körperlich einen eigenen Bestand. Diese Akten wurden bei Provenienzprüfungen aus verschiedenen Rittergutsbeständen sowie den Beständen Stadtgericht Rochlitz und Amtsgericht Rochlitz herausgelöst. Weitere Akten befinden sich im Bestand Amtshauptmannschaft Rochlitz und Amt Rochlitz. Eine körperliche Heraustrennung der Akten aus diesen im Gegensatz zu den o. g. schon technisch bearbeiteten Beständen erschien wenig sinnvoll, zumal einige bereits unter diesen Signaturen benutzt worden waren. Die virtuelle Zusammenführung der Akten erfolgte mit dem PC-Programm AUGIAS für Windows, mit dem auch das Orts- und Personenregister erstellt wurde. Erfasst wurden nach Möglichkeit auch die alten Registratursignaturen sowie die Vorprovenienzen. Enthält-Vermerke bilden die Ausnahme.

Die beiden hauptsächlichen Tätigkeitsbereiche des Gerichtsamtes, Gerichtsbarkeit und Lokalverwaltung, sind nahezu gleichmäßig repräsentiert. Dagegen sind nur wenige Akten der Strafgerichtsbarkeit überliefert, während die Zivilgerichtsbarkeit recht gut dokumentiert ist. Testaments- und Nachlassangelegenheiten sowie Ablösungen und Gemeinheitsteilungen sind ebenfalls relativ gut repräsentiert. Die Akten zur Gerichtsamtsverwaltung geben einen anschaulichen Einblick in den allgemeinen Dienstbetrieb. Bei den überlieferten Akten der Lokalverwaltung sind nahezu alle Bereiche auf diesem Gebiet vertreten, so dass sich insgesamt durchaus Rückschlüsse auf die Rechtspflege sowie auf die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Gerichtsamtsbezirk Rochlitz in jener Zeit ziehen lassen.

Als korrespondierende Bestände im Staatsarchiv Leipzig sind Amt Rochlitz, Stadt Rochlitz (Stadtgericht), Bezirksschulrat Rochlitz, Amtshauptmannschaft Rochlitz und Amtsgericht Rochlitz zu nutzen. Auch die Bestände der Rittergüter Kleinmilkau, Königsfeld und Syhra können zur Ergänzung herangezogen werden.

Zur Vereinfachung übergreifender Recherchen wurde im vorliegenden Findbuch die für die Bestandsgruppe erarbeitete Klassifikation komplett übernommen; bei nicht belegten Klassifikationsgruppen erscheint in Klammern der Vermerk "entfällt". Bei lückenhafter Überlieferung erfolgte die Bandbildung in der Regel neu in chronologischer Folge. Soweit es zweckdienlich erschien, wurde ein Verweis auf Akten in anderen Beständen vorgenommen.


Anlage

Personalbestand des Gerichtsamtes Rochlitz

(Quellen: Staatshandbücher für das Königreich Sachsen, 1857 - 1878; Th. Klein, Grundriss zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815 - 1945, Bd. 14, Marburg 1982)



Gerichtsamtmann:

1856 - 1867: Wilhelm Eduard Wimmer (vorher Amtmann beim Justizamt Rochlitz)

1867 - 1879: Karl Ferdinand Wilisch (vorher Gerichtsamtmann beim Gerichtsamt Scheibenberg)



Aktuare, Assessoren bzw. Referendare (in zeitlicher Folge):

- Moritz Wagner

- Hermann Winckler

- Gottlob Friedrich Fleischer

- Karl Heinrich Wilhelm Ihle

- Moritz Julius Suppe

- Heinrich Hermann Scheuffler

- Gustav Gotthelf Frenkel

- Gottfried Leberecht Benno Schmidt

- Paul Konrad Ranft

- Richard Robert Thieme-Garmann


Außerdem gab es noch Expedienten (d. h. Registratoren, Depositen- und Sportelrendanten und -kontrolleure, Kopisten) sowie Gerichtsdiener und -boten.



[01] Vgl. V. Jäger, Findbucheinleitung zu den Bestandsgruppen Königliche Bezirksgerichte und Gerichtsämter, 2000.
[02] Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1855, Dresden, S. 144ff.
[03] SächsStAL, GerA Rochlitz 191.
[04] Vgl. E. Kästner, Rochlitz und seine Umgebung, Rochlitz 1891, S. 25.
[05] Vgl. Zu- und Abgangsbuch des StA-L, 1954 - 1975, VA Nr. 187.

Wahlen.- Gerichtsamtsverwaltung.- Gerichtsprotokolle.- Strafgerichtsbarkeit.- Zivilgerichtsbarkeit.- Freiwillige Gerichtsbarkeit.- Ablösungen und Gemeinheitsteilungen.- Lokalverwaltung.
Die Zuständigkeit des 1856 aus dem Justizamt Rochlitz hervorgegangenen Gerichtsamts Rochlitz erstreckte sich auf 66 Gemeinden im Gerichtsamtsbezirk und über das Rochlitzer Forstrevier. Darüber hinaus besaß das Gerichtsamt die Zuständigkeit für die nicht dem Stadtrat zufallenden Verwaltungsaufgaben innerhalb des Stadtgebiets. Dieses Gerichtsamt unterstand dem Königlichen Bezirksgericht Rochlitz und nach dessen Aufhebung im Jahr 1860 dem Königlichen Bezirksgericht Mittweida. Mit dieser Aufhebung nahm das Gerichtsamt Rochlitz auch die Aufgaben des bisher für den Gemeindebezirk der Stadt Rochlitz zuständigen Gerichtsamts im Bezirksgericht wahr. Des Weiteren kamen im Jahre 1874 die juristischen Befugnisse für die Stadt Geringswalde und acht Gemeinden des aufgelösten Gerichtsamts Geringswalde hinzu. Nach der Reorganisation der Gerichtsstrukturen gingen die Angelegenheiten der Verwaltung 1874 auf die Amtshauptmannschaft Rochlitz über, die der Justiz 1879 auf das Amtsgericht Rochlitz.
  • 2000 | Findbuch / Datenbank
  • 2024-02-13 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.5
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