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Beständeübersicht

Bestand

40098 VVB Steinkohle Zwickau

Datierung(1846 - 1948) 1949 - 1977
Benutzung im Bergarchiv Freiberg
Umfang (nur lfm)38,42
Geschichte des Registraturbildners

Für den Fortbetrieb und die Verwaltung der sächsischen Steinkohlenwerke nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 5. Januar 1946 die Sächsische Steinkohlenwerke GmbH gegründet, deren Aufgaben aber bereits ab August des Jahres die neu gebildete Industrieverwaltung 1 Steinkohle übernahm.
Im Zuge der Umstrukturierung der Verwaltung in der Kohlenindustrie auf Grund des SMAD-Befehles 323 (Festlegung technischer Maßnahmen zur Erhöhung der Kohlenförderung) wurde zu Beginn des Jahres 1947 die Direktion der Brennstoffindustrie des Landes Sachsen, Verwaltung Zwickau gegründet.
Mit Beschluss der Landesregierung Sachsen vom 25. März / 18. April 1947 erfolgte abermals eine organisatorische Veränderung dergestalt, dass die Verwaltung der Kohlenindustrie Sachsen mit Sitz in Borna eingerichtet wurde, deren für die Steinkohle zuständige Abteilung sich in Zwickau befand (Anfang 1948 wurde die Bezeichnung Verwaltung in Direktorat geändert).
Mit Wirkung zum 1. Juli 1948 erfolgte die Bildung der VVB (Z) Steinkohle Zwickau als Anstalt des öffentlichen Rechts. Ihr gehörten folgende Unternehmen an: aus dem Zwickauer Revier: der VEB Steinkohlenwerk Karl Marx (ehemals Betriebsabteilung Brückenberg der Gewerkschaft Morgenstern), der VEB Steinkohlenwerk Martin Hoop (ehemals Betriebsabteilungen Morgenstern und Florentin Kästner der Gewerkschaft Morgenstern) und der VEB Steinkohlenwerk und -kokereien August Bebel (ehemals Kokereien des Erzgebirgischen Steinkohlen-Aktienvereins zusammen mit der aus dem VEB Steinkohlenwerk Karl Marx ausgegliederten Kokerei). Aus dem Lugau-Oelsnitzer Revier sind der VEB Steinkohlenwerk Karl Liebknecht (ehemals Gewerkschaft Gottes Segen) und der VEB Deutschland (ehemals Gewerkschaft Deutschland) zu nennen. Außerdem gehörten der VEB Steinkohlenwerk Plötz, der VEB Steinkohlenwerk Doberlug-Kirchhain und der VEB Steinkohlenwerk Willi Agatz (bis zu dessen Einordnung unter die SDAG Wismut) dazu.
Auf Grund der Verordnung über Maßnahmen zur Einführung des Prinzips der wirtschaftlichen Rechnungsführung in den Betrieben der volkseigenen Wirtschaft vom 20. März 1952 und der hierzu ergangenen Durchführungsbestimmungen wurde mit Wirkung vom 10. April 1952 die Vereinigung Volkseigener Betriebe aufgelöst und stattdessen die Verwaltung Volkseigener Betriebe (ebenfalls VVB) als nachgeordnete Verwaltung der Hauptverwaltung Kohle beim Staatssekretariat für Kohle und Energie in Berlin gegründet. 1958 wandelte man diese jedoch wieder in Vereinigung Volkseigener Betriebe um.
Die in anderen Branchen vollzogene Umstrukturierung der VVB in Kombinate erfolgte, da sich die Kohlenvorräte dem Ende zuneigten, für die VVB Steinkohle nicht. Stattdessen wurde nach der Einstellung der Kohlenförderung im Zwickauer und Lugau-Oelsnitzer Revier die VVB Steinkohle zum 31. Dezember 1977 aufgelöst. Deren Rechtsnachfolge übernahm der VEB Steinkohlenwerk, ab 1. Januar 1978 VEB Steinkohlenkokereien August Bebel, der Kokereien im heutigen Sachsen und Sachsen-Anhalt (Magdeburg) betrieb. Im Juni 1990 wurde dieser in die Erzgebirgische Steinkohlenenergie GmbH umgewandelt.
[Harring, Freiberg 2002]


Bestandsgeschichte und -bearbeitung für die Karten, Pläne, Risse (ehemaliger Teilbestand 2)

Vor der Übernahme der Risse, Karten und technischen Zeichnungen des Steinkohlenarchivs Zwickau (umfasste ca. 20.000 Stk.) in das Sächsische Bergarchiv Freiberg erfolgte im Februar 1999 durch Hrn. Dr. Uwe Grandke und Hrn. Henry Zimmermann im Beisein von Hrn. Matthias Bock (GVV) die Bewertung dieser Unterlagen vor Ort in Zwickau. Hierbei handelte es sich um Riss- und Zeichnungswerke des Technisch-Historischen Archivs der Erzgebirgischen Steinkohlen-Energiegesellschaft mbH als Nachfolgebetrieb des VEB Steinkohlenkokereien August Bebel, deren Räumlichkeiten sich in der Äußeren Schneeberger Str. 100 in Zwickau befanden.
Zum 1. Januar 1995 wurde auf Entscheid der Treuhandanstalt Berlin neben dem Bereich Kokerei / Sanierung und dem Sozialarchiv auch das Technisch-Historische Archiv aus der Erzgebirgischen Steinkohlen-Energiegesellschaft ausgegliedert und - unter Beibehaltung o.g. Räumlichkeiten - in die Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben mbH (GVV) - Bergwerk Zwickau übertragen.
Das Technisch-Historische Archiv fungierte als Unternehmens- und Steinkohlenarchiv aller in der DDR tätigen Steinkohlenbergbauunternehmen, deren wirtschaftsleitender Organe sowie aller Rechtsvorgänger. Die bis in die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts zurückreichende Überlieferung umfasst insbesondere Unterlagen der VVB Steinkohle, der Steinkohlenwerke des Zwickauer Reviers August Bebel, Martin Hoop und Karl Marx, des Steinkohlenwerkes Oelsnitz, des Steinkohlenwerkes Willi Agatz (Freital), des Steinkohlenwerkes Plötz (Sachsen-Anhalt) sowie der Steinkohlenunternehmen des 19. und 20. Jahrhunderts vornehmlich des Zwickauer und Lugau-Oelsnitzer Reviers.
Ziel der Bewertung war die Herauslösung möglichst intakter Risssätze. Als archivwürdig wurden dabei sämtliche Abbaurisse (in der Markscheiderei erstellt), Rollrisse aus dem 19. Jahrhundert (i.d.R. als historisch bezeichnet), technische Zeichnungen über zentrale, direkt mit dem Produktionsprozess zusammenhängende Technologie und besondere Rissunterlagen (bspw. Engagement der DDR in Algerien) eingestuft.
Im Bergarchiv erfolgte die Zuordnung der übernommenen Riss- und Zeichnungswerke auf der Grundlage von z.T. unzulänglichen Findkarteien sowie Übergabelisten zu den Beständen VEB Steinkohlenwerk Martin Hoop (4460 Stk.) sowie VEB Steinkohlenkokereien August Bebel (ca. 11300 Stk.) In letzteren Bestand wurden zudem sämtliche Risse zweifelhafter Provenienz eingeordnet.
Bis zu ihrer Neuerschließung war die Benutzbarkeit dieser Unterlagen im Bergarchiv mittels Ablieferungsverzeichnissen und Findkarteien sowie von Hrn. Dr. Grandke erstellten, summarischen Verzeichnissen zwar gewährleistet, eine strukturierte Recherche jedoch kaum möglich.
Auf Grund oben skizzierter Unzulänglichkeiten erfolgte von Juni bis November 2002 durch Fr. Regina Schulz im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung die Neuverzeichnung der Riss- und Zeichnungsunterlagen in der Datenbank AUGIAS-Archiv. Damit einhergehend und unter Hinzuziehung bzw. Konsultation von Hrn. Prof. Dr. Helmuth Albrecht sowie Hrn. Jens Kugler von der Bergakademie Freiberg wurden die Unterlagen einer nochmaligen Bewertung durch Hrn. Dr. Andreas Erb und Fr. Mona Harring unterzogen. Dabei wurden ca. 12.700 vorwiegend technische Detailzeichnungen und Doppelstücke kassiert.
Im Zuge der Neuverzeichnung erfolgte eine Provenienztrennung, die sich vorwiegend über den ausstellenden Betrieb bestimmt. Dabei wurden die Nachbringungs- bzw. Nachtragungsvermerke der Nachfolgebetriebe - soweit zuordnungsbar - zwar aufgenommen, blieben für die Bestandsbildung resp. Bestandsabgrenzung jedoch unberücksichtigt, wodurch sich die z.T. erhebliche Differenz zwischen der Laufzeit des Bestandes und dem tatsächlichen Bestehen des Betriebes erklärt. Es ist deshalb empfehlenswert, auch in den nachfolgenden Punkt "Korrespondierende Bestände" sowie in das Schema "Steinkohlenbergwerke in Sachsen - Revier Zwickau" Einsicht zu nehmen.



Korrespondierende Bestände

40107-1 Erzgebirgische Steinkohlen-Energiegesellschaft mbH - Akten
40107-2 Erzgebirgische Steinkohlen-Energiegesellschaft mbH - Risse
40109-1 Gewerkschaft Deutschland, Oelsnitz/Erzgebirge mit Vorgängern - Akten
40109-2 Gewerkschaft Deutschland, Oelsnitz/Erzgebirge mit Vorgängern - Risse
40110-1 Gewerkschaft Gottes Segen Lugau - Akten
40110-2 Gewerkschaft Gottes Segen Lugau - Risse
40111-1 Gewerkschaft Morgenstern, Zwickau - Akten
40111-2 Gewerkschaft Morgenstern, Zwickau - Risse
40114-1 VEB Steinkohlenwerk und -kokereien August Bebel, Zwickau - Akten
40114-2 VEB Steinkohlenwerk und -kokereien August Bebel, Zwickau - Risse
40116-1 VEB Steinkohlenwerk Deutschland, Oelsnitz/Erzgebirge - Akten
40118-1 VEB Steinkohlenwerk "Karl Liebknecht" - Akten
40119-1 VEB Steinkohlenwerk Karl Marx, Zwickau - Akten
40119-2 VEB Steinkohlenwerk Karl Marx, Zwickau - Risse
40120-1 VEB Steinkohlenwerk Oelsnitz/Erzgebirge - Akten
40123 VEB Steinkohlenwerk "Willi Agatz", Freital
40124-1 VEB Steinkohlenwerk Martin Hoop, Zwickau - Akten
40124-2 VEB Steinkohlenwerk Martin Hoop, Zwickau - Risse
40190-1 Erzgebirgischer Steinkohlen-Aktienverein - Akten
40190-2 Erzgebirgischer Steinkohlen-Aktienverein - Risse

Literaturhinweise
Eine wissenschaftliche Aufbereitung der Geschichte der VVB Steinkohle existiert nicht.
Gleichwohl finden sich nützliche Informationen in folgender Publikation:
Der Steinkohlenbergbau im Zwickauer Revier, hrsg. vom Steinkohlenbergbauverein Zwickau, Zwickau 2000

Freiberg, 17.12.2002
Mona Harring



Bestandsgeschichte und -bearbeitung für die Akten (ehemaliger Teilbestand 1)

Bestandsgeschichte der Akten

Die Unterlagen des Bestandes VVB Steinkohle sind auf unterschiedlichen Wegen in den archivischen Gewahrsam des Bergarchivs gelangt. Im Jahr 2007 umfasste der Bestand zwei Lagerungsteilbestände (je einer im Bergarchiv Freiberg sowie im Staatsarchiv Leipzig). Der Teilbestand im Bergarchiv umfasste etwa 1.000 Lagerungseinheiten (hauptsächlich Archivkartons im Folioformat von 10 cm Höhe). Die Lagerung und Signierung der Kartons sowie die später erfolgte bruchstückhafte Verzeichnung spiegelte die Umstände der verschiedenen Übernahmen (Notübernahmen) des Bestandes wider. Der Teilbestand im Staatsarchiv Leipzig umfasste 1076 DIN A4-Kartons, acht Sonderformatkartons, eine Kartenmappe sowie etwa 14 lfm Stehordner neueren Datums und etwa 8 lfm ältere Stehordner, Klemmmappen, Hefter u. ä. Die letztgenannten Unterlagen sollen direkt von einer nicht bekannten Stelle ohne Abgabeverzeichnisse o. ä. in das Staatsarchiv Leipzig gelangt sein. Das in DIN A4-Schachteln verpackte Schriftgut war im Hauptstaatsarchiv Dresden in Dreiklappmappen eingeschlagen, etikettiert, entmetallisiert und gereinigt worden. Die Sonderformate, Stehordner und -mappen erhielten zuvor noch keine technische Bearbeitung.

Ab Mitte der 1990er, nach der Einrichtung des Freiberger Depots auf dem Fuchsmühlenweg, erfolgten schrittweise Übernahmen der Unterlagen der VVB Steinkohle. Die Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben mbH ( GVV) - Bergwerk Zwickau übergab einen Teil der Unterlagen von der VVB Steinkohle. Dieser Prozess dauerte bis zur Überfüllung des Depots im Jahr 2000 an. Die letzte Übernahme wurde nach Leipzig umgeleitet. Grund für die Übergaben war die Auflösung des GVV-Standortes Zwickau und folglich der dort ansässigen Archive.

In den vom Staatsarchiv Leipzig übernommenen Unterlagen der VVB Steinkohle befanden sich unter dem nichtformierten Schriftgut mehrere Vorgänge über das Archivgut der VVB, das Betriebsarchiv sowie die Bestandsbildung. Aus diesen Unterlagen lässt sich die Bestandsgeschichte teilweise rekonstruieren.
Durch die Bildung der "Sächsische Steinkohlenwerke GmbH Oelsnitz" im Januar 1946 wurden der Betrieb und die Verwaltung aller bis dahin existierenden öffentlichen sowie privaten sächsischen Steinkohlenbetriebe in staatlicher Hand zusammengefaßt. Schon im August 1946 kam es zur Liquidierung dieser Institution und eine Folge dauernder Reorganisationen des sächsischen Steinkohlebergbaus begann. Die jeweiligen Rechtsnachfolger führten die benötigten Unterlagen ihrer Vorgänger regelmäßig fort. Für die Unterlagen wurde erstmals 1949 ein "Archiv der Verwaltung volkseigener Betriebe der Kohlenindustrie in Zwickau" eingerichtet. Die Zuständigkeit dieses Archivs bezog sich u. a. auf Unterlagen der VVB und ihrer Werke (siehe dazu Bestand 40098, sowie der Steinkohlenwerke).
Nach der Gründung der neuen Vereinigung volkseigener Betriebe Steinkohle in Zwickau (VVB Steinkohle) im Jahr 1958 installierte diese ein Verwaltungsarchiv. Dorthin wurden die Unterlagen der VVB und ihrer Rechts- bzw. Funktionsvorgänger verwahrt. Neben der Sächsische Steinkohlenwerke GmbH Oelsnitz (Januar 1946 - August 1946), waren dies die Industrieverwaltung 1 Steinkohle in Oelsnitz (bestand nur kurz von 1946 bis 1948), Vereinigung volkseigener Betriebe der Kohlenindustrie ( 1948 bis 1952)und die Verwaltung volkseigener Betriebe der Kohlenindustrie in Zwickau (1952 - 30.04.1953) sowie der Hauptabteilung Steinkohle beim Berliner Ministerium für Kohle, Hauptverwaltung Steinkohle beim Berliner Ministerium für Schwerindustrie (November 1953 - 1958). Die HV Steinkohle saß von 1953 bis 1956 in Berlin und dann von 1956 bis 1958 in Zwickau; ein Teil der Unterlagen der HV verblieb beim Berliner Ministerium für Schwerindustrie.
Die Unterlagen der Ende 1953 aufgelösten "Verwaltung volkseigener Betriebe der Kohleindustrie" wurden dann aus dem Verwaltungsarchiv in das Betriebsarchiv des VEB Steinkohlenwerk Karl Liebknecht in Oelsnitz überführt und von dort Ende des Jahres 1962 an das Deutsche Zentralarchiv (Dienststelle Coswig) abgegeben. Im Oktober 1980 übergab das Deutsche Zentralarchiv den Bestand VVB Steinkohle Zwickau (96 lfm Unterlagen) an das Staatsarchiv Dresden (Übergabeprotokoll vom 14.10.1980).
Personalakten der bis 1953 bestehenden VVB und ihrer Vorgänger sind ausweislich eines undatierten Aktenvermerks beim Berliner Staatssekretariat für Kohle verblieben bzw. später dorthin ausgehändigt worden. Zusammen mit den Unterlagen des Ministeriums für Kohle und Energie gelangten diese dann an das Deutsche Zentralarchiv, wo sie in die Sammlung Kaderakten eingearbeitet wurden.
Ende der 1980er Jahre bemühte sich das Zentrale Staatsarchiv Potsdam um die Übernahme der Unterlagen zentraler Behörden und eine entsprechende Beständebereinigung. Während das Staatsarchiv Dresden die Unterlagen der VVB Steinkohle erhalten sollte, war das ZStA in Potsdam für die Ministerialüberlieferung (hier Bestand Ministerium für Schwerindustrie) zuständig. Daher übernahm das Zentrale Staatsarchiv Potsdam 1989/90 die o. g. Unterlagen der Hauptabteilung / Hauptverwaltung Steinkohle (Teil des Ministeriums für Schwerindustrie bzw. des Staatssekretariats / Ministeriums für Kohle und Energie) vom VEB Steinkohlenkokereien August Bebel in Zwickau.
Ende der 1980er Jahre befanden sich außerdem noch große Mengen Unterlagen des aufgelösten Industriezweiges Steinkohle im Verwaltungsarchiv des VEB Gaskombinat "Fritz Selbmann" Schwarze Pumpe (diesem Kombinat war der letzte verbliebene VVB-Nachfolgbetrieb "VEB Steinkohlekokereien August Bebel" in Zwickau angegliedert worden). 3.500 Akteneinheiten von Steinkohlenbetrieben mit der Laufzeit 1867 - 1981 sollten von dort an das Staatsarchiv Dresden übergeben werden.
Ende der 1990er Jahre sollten dann im Rahmen einer Zuständigkeitsabgrenzung die Unterlagen des Steinkohlenbergbaus vom Hauptstaatsarchiv Dresden an das Bergarchiv Freiberg übergeben werden, mußten aber wegen der dortigen Lagerflächenprobleme vorerst im Hauptstaatsarchiv Dresden verbleiben und wurden übergangsweise an das Staatsarchiv Leipzig weitergeleitet. Schließlich konnte das Bergarchiv im Jahr 2008 die Unterlagen zur Verwahrung entgegennehmen und in der Folge erschließen. 2014 erhielt das Bergarchiv weitere Unterlagen aus dem StAL. 2017 sind die die restlichen Archivalien durch eine Retrokonversion des Abgabeverzeichnisses zugänglich geworden.

Literaturverzeichnis

Douffet, Heinrich/ Riedel, Andrea: Bergbaumuseum Oelsnitz, hg. von der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, Band 12, München/ Berlin 2001

Erb, Andreas; Harring Mona (Bearb.): Aus der Tiefe ans Licht. Bildmaterialien zur Geschichte des sächsischen Steinkohlenbergbaus, Reihe A, Band 7, Veröffentlichungen des Sächsischen Staatsarchivs, Halle/ Saale 2006

Erb, Andreas (Bearb.): Die Bestände des sächsischen Bergarchivs Freiberg, herausgegeben vom Sächsischen Staatsministerium des Inneren, Halle/ Saale 2003

Groß, Reiner: Geschichte Sachsens. Sonderausgabe der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Leipzig 2001

Heitmann, Clemens/ Sonntag, Marcus: Kumpel aus dem Knast, in: Sächsisches Archivblatt, Heft 1-2009, S. 20-22

Heitmann, Clemens: Vor 50 Jahren: Tragödie in Zwickau, in: Sächsisches Archivblatt, Heft 1-2010, S. 24-27

Heitmann, Clemens: Vom falschen Umgang mit einer Katastrophe. Wie die SED die Untersuchung und Bewältigung des schwerwiegendsten Grubenunglücks in der Geschichte der DDR verhinderte, in: Der Anschnitt, Zeitschrift für Kunst und Kultur im Bergbau, 63. Jahrgang, 1/2011, S. 25-33

Hertel, Klaus (Hg.): Vom Bergbau- und Kokereistandort zum Glück-Auf-Center Zwickau, 1. Aufl., Steinkohlenbergbauverein Zwickau e. V., Wilkau-Haßlau 2009

Kiesewetter, Hubert: Industrielle Revolution in Deutschland 1815-1914, Band 539, Frankfurt am Main 1989

Kroker, Evelin/ Farrenkopf, Michael: Grubenunglücke im deutschsprachigen Raum: Katalog der Bergwerke, Opfer, Ursachen und Quellen, 2. überarb. Auflage, Bochum: Deutsches Bergbaumuseum 1991

Riedel, Andrea (Hg.): Umprofilierung des Sächsischen Steinkohlenbergbaus", Band 2, Bergbaumuseum Oelsnitz/ Erzgebirge, 2006

Steinkohlenbergbauverein Zwickau e. V.: Der Steinkohlenbergbau im Zwickauer Revier, 1. Aufl., Zwickau 2000

Stadt Zwickau; Kulturamt und Stadtarchiv, in Zusammenarbeit mit dem Steinkohlenbergbauverein Zwickau e. V. (Hg.): Die Grubenkatastrophe im VEB Steinkohlenwerk "Karl Marx" Zwickau vom 22. Februar 1960, Wilkau Haßlau 2010


Korrespondierende Bestände des Bergarchivs Freiberg:

40064 Technisches Büro des Bergbaus und der Brennstoffindustrie des Landes Sachsen
40066 Technische Bezirksbergbauinspektion Dresden und Zwickau
40070 Bergbehörde Karl-Marx-Stadt
40072 Bergbehörde Zwickau
40108 Bildmaterialien aus dem Zwickauer Steinkohlenbergbau
40109 Gewerkschaft Deutschland, Oelsnitz
40110 Gewerkschaft Gottes Segen Lugau
40111 Gewerkschaft Morgenstern, Zwickau
40112 Sächsisches Steinkohlensyndikat mbh, Zwickau und Nachfolger
40114 VEB Steinkohlenwerk und -kokereien August Bebel, Zwickau
40116 VEB Steinkohlenwerk Deutschland
40118 VEB Steinkohlenwerk "Karl Liebknecht"
40119 VEB Steinkohlenwerk Karl Marx, Zwickau
40120 VEB Steinkohlenwerk Oelsnitz/ Erzgebirge
40124 VEB Steinkohlenwerk Martin Hoop, Zwickau
40158 Bergbaulicher Verein für Zwickau und Lugau-Oelsnitz mit Nachfolgern
40190 Erzgebirgischer Steinkohlen-Aktien-Verein
40191 Steinkohlenbergbauvereine des Zwickauer Reviers

Verweis auf Bestände in anderen Archiven:

Bundesarchiv Berlin:
Bestand Zentraler Apparat der SMAD: R 7317, 1945 -1949
Bestand Verwaltung der SMA Sachsen: R 7212, 1945 -1949
Bestand Ministerium für Schwerindustrie: BArch, DG 2:
Teil 1: Leitung- und Zentralabteilungen
Teil 2: Industrie insgesamt; Geologie; Kohle und Energie
Teil 3: Berg- und Hüttenwesen

Hauptstaatsarchiv Dresden:
11376 Landesregierung Sachsen, Ministerpräsident, 1945 - 1952
11391 Landesregierung Sachsen, Ministerium für Arbeit- und Sozialfürsorge, 1852 - 1956


Freiberg, April 2011
Sabine Landgraf



Bestandsgeschichte und Bearbeitungsbericht zu den Magnettonbändern (ehemaliger Teilbestand 4)

Bei der Bewertung des Bestandes 40098 im Bergarchiv Freiberg im Oktober / November 2007 wurden neun Magnettonbänder mit unbekanntem Inhalt aufgefunden und zuständigkeitshalber an das Sachgebiet AV-Medien übergeben.
Am 20.12.2007 hat der Bestandsverantwortliche Herr Dr. Heitmann (Bergarchiv Freiberg) die Unterlagen gemeinsam mit SG-AVM (Herr Gööck) gesichtet. Aufgrund der Beschriftung der Bänder und der Aktenüberlieferung im Bestand war vermutet worden, die Tonaufnahmen seien im VEB Steinkohlenwerk Plötz entstanden im Zusammenhang mit dessen Schließung infolge des Beschlusses des DDR-Ministerrates zur Einstellung des Steinkohlebergbaues im Zwickau-Oelsnitzer Revier aus dem Jahr 1967. Diese Vermutung wurde bestätigt, die Aufnahmen dokumentieren den tiefgreifenden wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Strukturwandel der traditionellen Bergbauregion und sind ein bemerkenswertes sozialgeschichtliches Zeugnis. Daher wurden die Bänder als archivwürdig bewertet.

Bis April 2008 wurde der Teilbestand im SG-AVM medientechnisch vollständig bearbeitet, wobei Folgendes festgestellt wurde:

• Warenzeichen und Bandsorten verweisen in die 2. Hälfte der 1960er Jahre. Bei 7 von 9 Bändern wird schriftlich hingewiesen auf den Gebrauch eines DDR-Tonband-Diktiergeräts namens DIKTINA, das um 1959 hergestellt wurde (Halbspur, mit der proprietären Aufzeichnungsgeschwindigkeit von 6,35 cm/s). Für die übrigen Bänder wird eine gängige internationale Aufzeichnungsnorm (9,5 cm/s) angegeben, wobei auch hierbei von Halbspuraufzeichnung ausgegangen werden kann.
• Die Angaben auf den Tonband-Schachteln verzeichnen Aufnahmedaten im Jahr 1967 mit den "Gesprächsgruppen" 5, 6, 7, 8, 9, 10 und 11, ferner "Aussprachen" am 14./15.3.1967 im Steinkohlenwerk Plötz, wobei mehrere Aufzeichnungs-Gruppen synchron denkbar sind (weil mit verschiedenen Geräten aufgezeichnet wurde).
• Das in Nr. 3 enthaltene Einlegeblatt besagt u. a., daß der Gebrauch unterschiedlicher Aufzeichnungsgeräte und –normen schon zeitgenössisch Probleme verursachte, dass ein Betriebsfunkstudio einbezogen war, welches Magnettonbänder kopieren konnte und dass die Magnettonbänder einer Verschriftlichung zugrunde liegen sollten.
• Bei der medientechnischen Bearbeitung entstand der Eindruck, dass die Alterung der Träger eine eher geringe Rolle spielt, obwohl die Langspielbänder (35µ-Typen) schon deutliche Effekte zeigen. Die generell mangelhafte Tonqualität dürfte vielmehr auf anspruchslose Aufnahmetechnik, improvisierte Aufnahmesituationen und fehlerbehaftete zeitgenössische Kopiervorgänge zurückzuführen sein.
• Vor allem im niederfrequenten Bereich wurden raumakustische Störpegel mit aufgezeichnet. Leider liegt auch das Maximum des Nutzpegels typisch zwischen 500 und 800 Hz, somit im gleichen Bereich wie die Störgeräusche. Frequenzen über 2,5 kHz kommen nicht vor.

Zur Sicherung der vorgefundenen 22 Aufnahmen wurden 1:1-Digitalisate abgelegt (*.wave, 48 kHz, 16 Bit). Die "Diktina"-Aufnahmen wurden hilfsweise mit 4,7 cm/s eingespielt und anschließend durch Resampling entzerrt. Leerstellen vor, zwischen und nach den Aufnahmen wurden bis auf jeweils 2 Sekunden Rauschprobe eingekürzt.

Zur Verbesserung der Sprachverständklichkeit wurden gefilterte Benutzungs-Digitalisate erstellt. Zunächst wurden Notchfilter (50 Hz), Highpassfilter (145 Hz) und Lowpassfilter (2497 Hz) angewandt, womit eine signifikante Verbesserung v. a. bei den verbrummten Bändern Nr. 2 und 3 erreicht werden konnte. Anschließend wurden dynamische Filter angewandt (Noise Gate, Denoiser, Spectralizer). Trotz Aufwertung verbleiben Beeinträchtigungen durch schlechten Frequenzgang, hohen Klirrfaktor, niederfrequentes Rauschen, Raumhall, zu großen Sprechabstand vom Mikrophon, z. T. zaghafte Sprecher und Dialekt.
Dem Bergarchiv Freiberg wurden die 22 Aufnahmen im Gesamtumfang von 20 Stunden als Benutzerkopien im MP3-Format auf Datenträger sowie ein Transkript der auf den Magnettonband-Schachteln angebrachten Eintragungen übergeben. Die Bezeichnungen der Dateien folgen den Magnettonband-Nummern, die außen auf den Schachteln angebracht sind (entspr. denen in der Liste des BergA), mit Anfügung "VL" (= Vorlauf) oder "RL" (= Rücklauf); wenn pro Spur mehrere Aufnahmen enthalten waren, weiter unterschieden nach "a" und "b".

Im zweiten Arbeitsschritt wurden vom 13.08.2009 bis zum 24.08.2009 die Tonaufnahmen anhand der Benutzerkopien im Rahmen eines Werkvertrages durch Herrn stud.phil. Sebastian Müller erschlossen. Zur Anwendung kam die IT-gestützte Audio-Erschließung, welche sich die grafische Darstellung des Audio-Digitalisats als Hüllkurve zunutze macht.

Die Verzeichnungseinheiten (Nr. 1 - 9) korrespondieren mit der Nummer und dem Inhalt der archivierten originalen Magnettonbänder, die dem Benutzer als 22 MP3-Dateien zur Verfügung stehen. Die im Enthält-Vermerk beschriebenen Zeitintervalle ("timeline") beziehen sich auf diese Benutzerkopien. Die überlieferte Originalbeschriftung der Magnettonbänder wurde im Feld "Registratursignatur" vermerkt. Technische Daten wurden - mangels einer entsprechenden Eingabemöglichkeit in der AUGIAS-AVM-Erschließungsmaske - im Feld "Bemerkung" eingetragen.
Um dem Nutzer die Erschließungsinformationen systematisch präsentieren zu können, wurden die Gesprächsabschnitte nach fünf inhaltlichen Betreffen geordnet:

1. Angaben zur persönlichen Lebenssituation und beruflichen Zukunftsvorstellungen
2. Einschätzung der Partei-, Staats- und Wirtschaftsleitungen sowie ihrer Informationspolitik
3. Angaben zu Arbeitsverhältnissen und betrieblicher Situation
4. Sozial- und versorgungsrechtliche Fragen
5. Sonstiges

Die Gesprächsabschnitte wurden durchgängig mittels Beginn- und Endzeitpunkt deutlich abgegrenzt. Beispiel:

Magnettonband 7
Enthält: 1. Angaben zur persönlichen Lebenssituation und beruflichen Zukunftsvorstellungen: 7(VLa) 01:35 – 04:07.- 7(VLb) 04:43 – 06:39.- 7(VLb) 08:20 – 12:11.- 7(RL) 1:22:19 – 1:23:09.

Bedeutung der Eintragungen:
"7(…)" = Dateiname der Benutzerkopie (Audiodatei im Format MP3)
"7(VLa) 01:35 – 04:07" = Das betreffende Gesprächsfragment ist in der Datei "7_VL_a.mp3" von Minute 01 und 35 Sekunden bis Minute 04 und 07 Sekunden zu finden
"7(RL) 1:22:19 – 1:23:09." = Das Gesprächsfragment liegt in der Datei "7_RL.mp3", beginnt bei 1 Stunde, 22 Minuten und 19 Sekunden und endet bei 1 Stunde, 23 Minuten und 09 Sekunden.
"VL" und "RL" stehen für Vorlauf bzw. Rücklauf. Bei "VLa" handelt es sich um den ersten Teil ("a") des Vorlaufs eines originalen Magnettonbandes (vgl. oben).

Bei der Benutzung der Aufnahmen ist die Verwendung von Kopfhörern sowie die Wellenform-Darstellung am Computer zweckmäßig. Außerdem sollte bei der Benutzung der Audio-Dateien die korrespondierende Aktenüberlieferung zu Hilfe genommen werden. Abschriften sämtlicher Gesprächsprotokolle finden sich in Bestand 40098-1, Nr. 630.


Hinweise zur Auswertung

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert setzte in Sachsen die Industrialisierung ein, für die der Steinkohlenbergbau die energetische Grundlage schuf und so selbst zu einer der wichtigsten Industriebranchen Sachsens wurde. Während der Zwischenkriegszeit gerieten viele dieser Betriebe in wirtschaftliche Schwierigkeiten, der Absatz sank, die Produktion wurde zunehmend ineffizient und die abbauwürdigen Kohlevorräte wurden geringer. Die Folge waren Betriebsfusionen und –einstellungen, bis die nationalsozialistische Autarkiepolitik die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vollständig veränderte und die Förderung heimischer Steinkohle forcierte. Auch die anschließende Energiepolitik des ostdeutschen Teilstaates setzte auf den Einsatz heimischer Steinkohle, so dass der wirtschaftlich bereits in den 1920er Jahren gebotene Strukturwandel bis lange nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht erfolgte. Erst die weitgehende Erschöpfung der ohnehin tektonisch schwierigen sächsischen Lagerstätten veranlasste die Partei- und Staatsführung, die Förderung zu beenden und den ostdeutschen Steinkohlenbergbau als Industriezweig in toto aufzulösen. Im Dezember 1967 beschloß der Ministerrat daraufhin ein entsprechendes Programm sowie zugleich die "Umprofilierung" der Bergbaubetriebe und ihrer Beschäftigten [01] . Diese Auflösung eines ganzen Industriezweiges war ein in der DDR-Wirtschaftsgeschichte einmaliger Vorgang und er rührte an dem propagierten Bild, dass in der DDR der werktätige Mensch im Mittelpunkt der Politik stehe. Als Antonym wurde von der SED stets auf die synchrone Kohlekrise im westdeutschen Revier verwiesen, wo seit den 1950er Jahren Zechensterben, Entlassungen und Arbeitslosigkeit den Strukturwandel kennzeichneten. In der DDR wollte die Partei- und Staatsführung diesen Prozeß politisch steuern und wirtschaftlich und sozial für die Betroffenen möglichst günstig ausgestalten.
Der VEB Steinkohlenwerk Plötz im Plötz-Wettin-Löbejüner Revier nördlich von Halle (Sachsen-Anhalt [02] ) gehörte zu den ersten stillgelegten Betrieben. Hier wurde die Arbeit bereits am 31. Mai 1967 eingestellt und die Belegschaft des Werkes an andere Betriebe vermittelt. Dazu wurde eine aufwendige Organisationsstruktur geschaffen, welche die Beratung, Umschulung und soziale Betreuung besorgte. Desweiteren wurden speziell für die Plötzer Bergleute die "3. Verordnung zur Verbesserung der Renten der Bergleute" erlassen sowie zahlreiche soziale Unterstützungsleistungen erbracht (z.B. 200 Mark Kindergeld, Überbrückungsbeiträge oder die Sicherung der Bergmannsrentenanwartschaft, sofern ein "zugewiesener Betrieb" als neuer Arbeitsplatz gewählt wurde). Offensichtlich fungierte die Stilllegung des VEB Plötz als Pilotprojekt, da das Werk noch vor dem Beschluss des Ministerrates geschlossen wurde, die Bergleute jedoch bereits in den Genuss der erst im Dezember vom Ministerrat beschlossen sozialen Maßnahmen kamen [03] .
Da die Stimmung gerade in der Industriearbeiterschaft stets von besonderem Interesse für die Partei war, wurde diese Politik zugunsten der Steinkohlenkumpel von der Partei- und Staatsführung entsprechend offensiv propagiert. Um zu prüfen, wie diese Bemühungen rezipiert wurden, führte das Institut für Soziologie der Martin-Luther-Universität Halle im März 1967 mit 20 Prozent der Beschäftigten des VEB Plötz Mitarbeiterbefragungen durch. Dabei wurden elf Gesprächsgruppen von jeweils vier bis zehn Personen gebildet. Die Gespräche wurden auf Magnettonband aufgenommen. Das Institut strebte eine Auswertung der Aufnahmen an, die als Grundlage für eine Arbeit über Betriebsstilllegungen und -umprofilierungen dienen sollte. Desweiteren waren die Auswertungen für das Ministerium für Grundstoffindustrie bestimmt.
Im Sächsischen Staatsarchiv – Bergarchiv Freiberg sind Schallarchivalien mit Aufnahmen aller elf Gruppengespräche überliefert. Die korrespondierende schriftliche Überlieferung befindet sich ebenfalls im Bestand [04] . Zudem ist das Bergarchiv im Besitz zweier Bewegtbildfilme zu diesem Thema [05] . Die Gesprächsaufnahmen ermöglichen Einblicke in die Arbeits- und Lebensverhältnisse der Bergarbeiter. Desweiteren vermitteln sie einen Eindruck von dem spezifischen Berufsethos der Steinkohlebergleute sowie über die Meinungen der Mitarbeiter des VEB Steinkohlenwerk Plötz über die Umstände der Betriebsstilllegung. Neben positiven Bewertungen vor allem der Informations- und Sozialpolitik sowie der Arbeitsvermittlungen üben die Befragten durchaus offen und teilweise recht scharfe Kritik an den betreffenden Maßnahmen. Allgemeine Aussagen zu Staat, Partei oder Regierung sind nicht Gegenstand der Gespräche.

Zitierempfehlung

Sächsisches Staatsarchiv – Bergarchiv Freiberg, 40098-04 VVB Steinkohle Nr. 001, 1(VL) 01:00:05 – 01:01:11

Schutzfristen / Benutzungsbeschränkungen
Für die Unterlagen gelten Schutzfristen gemäß § 10 Abs. 1 Satz 3 SächsArchivG (gesperrt bis 31.12.2044)

Literatur

Erb, Andreas; Aus der Tiefe ans Licht: Bildmaterialien zur Geschichte des sächsischen Steinkohlenbergbaues; Halle/Saale 2006
Vogel, Rolf; Das Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier; Oelsnitz 1991
VVB Steinkohle, Zwickau und Bezirksvorstand der Kammer der Technik Karl-Marx-Stadt (Hg.); Die sozialistische Rekonstruktion: Technische Information für den Steinkohlenbergbau der DDR; Zwickau 1959 – 1969
VEB Steinkohlenwerk Karl-Marx, Zwickau (Hg.); Von den Brückenbergschächten zum VEB Steinkohlenwerk Karl-Marx, Zwickau: 1859 – 1959; Zwickau 1961
Städtische Museen Zwickau; Silber, Kohle, Uran; Zwickau 2003
Beiträge zur Regionalgeschichte des Steinkohlenbergbaus in Sachsen, Bd. 1: "Oral History Projekt" – eine Zeitzeugenbefragung. Hrsg. vom Bergbaumuseum Oelsnitz / Erzgebirge, Oelsnitz 2004
Beiträge zur Regionalgeschichte des Steinkohlenbergbaus in Sachsen, Bd. 2: "Umprofilierung des Sächsischen Steinkohlenbergbaus". Hrsg. vom Bergbaumuseum Oelsnitz / Erzgebirge und dem Sächsischen Staatsarchiv Bergarchiv Freiberg, Oelsnitz 2006
Der Steinkohlenbergbau im Zwickauer Revier. Hrsg. vom Steinkohlenbergbauverein Zwickau e.V., Zwickau 2000


Freiberg, im August 2009
Clemens Heitmann / Stefan Gööck / Sebastian Müller




[01] Beschluß des Präsidiums des Ministerrates vom 21.12.1967 über die planmäßige und schrittweise Einstellung der Steinkohleförderung in der DDR. Siehe u.a. 40098-1, Nr. 218 und 399.
[02] Der VEB Steinkohlenwerk Plötz lag auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Durch die Zugehörigkeit des Betriebes zur Branchenvereinigung VVB Steinkohle mit Sitz in Zwickau gelangte die Überlieferung des Betriebes in den archivischen Gewahrsam des Sächsischen Staatsarchivs – Bergarchiv Freiberg (Bestand 40195 VEB Steinkohlenwerk Plötz).
[03] Anscheinend hatte es im Falle der 1963/64 geschlossenen untertägigen Braunkohlegrube des VEB Kombinat Gölzau (vormals Schwelwerke Minna Anna AG) Probleme bei der Umsetzung der Mitarbeiter gegeben, welche teils in Eigeninitiative in Plötz neue Arbeitsplätze gefunden hatten. Deren Situation interessierte die Gesprächsleiter besonders und wurde explizit erfragt.
[04] U.a. die Gesprächsprotokolle, welche im September 1967 in Zwickau angefertigt wurden sowie Vorbereitungen und Anleitungen zur Gesprächsführung; Bestand 40098-1 VVB Steinkohle Nr. 630.
[05] Sächsisches Staatsarchiv – Bergarchiv Freiberg, Zusammengefaßter Bestand 40201 Audiovisuelle Unterlagen zur sächsischen Montangeschichte, Nr. BBMOe-034/03 ("Glück auf!") und Nr. BBMOe-029/04 ("Kohle, Kumpel, Perspektiven").
Akten: Amts- und Arbeitsgerichtssachen.- Arbeiter.- Angestellte.- Bergschulen und Berufsausbildung.- Bergschäden.- Gruben- und Übertagebetrieb.- Markscheiderei.- Kokereien.- Betriebsstillegungen.- Maschinenfabrik Carlshütte.- Brikettfabrik Oskar Förster.- Gewerkschaft / Partei.- Statistik.- Rechtsabteilung.- Hauptmechanik.- Steuern.- Versicherung.- Reiseberichte.- Sekretariat Generaldirektor.- Finanzen.- Rechnungswesen.- Revision.- Lohn- und Gehaltsfonds.- Arbeitsschutz.- Grubenwehr.- Havarien und Havarieplan.- Brandschutz.- Luftschutz.- Rechenschaftslegung.- Investbauleitung.- Rationalisierung.- Qualifizierung.- Arbeitszeitregelungen -. Gesellschaftliche Arbeit.- Gesellschaftliche Organisationen.- Steinkohlebohrungen.- Abteilung Produktion.- Abteilung Technik.- Energetik.- Standardisierung.- Abteilung Projektierung.- Abteilung Planung.- Bereich Hauptbuchhalter.- Finanzen.- Preise.- Abteilung Materialwirtschaft.- Hauptdirektor.- Technischer Direktor.- Berufsgenossenschaft (Knappschaft).- Forschung und Entwicklung.- Betriebspläne verschiedener Steinkohlenwerke.- Kohlevorratserhebung Steinkohlenwerk Willi Agatz.
Risse: Generalia.- Flach- und Spezialrisse.- Tagegegenden, Lagepläne, Übersichtspläne und -risse, Flurkarten.- Maschinen, Anlagen, Werkzeug und Geräte.- Gebäude.- Straßen und Eisenbahn.- Grafische und bildliche Darstellungen, Diagramme.
AVM: Mitarbeiterbefragung zur Einstellung der Förderung im VEB Steinkohlenwerk Plötz, 1967.
Für den Fortbetrieb und die Verwaltung der sächsischen Steinkohlenwerke nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 5. Januar 1946 die Sächsische Steinkohlenwerke GmbH gegründet, deren Aufgaben aber bereits ab August selben Jahres die neu gebildete Industrieverwaltung 1 Steinkohle übernahm.
Im Zuge der Umstrukturierung der Verwaltung in der Kohlenindustrie auf Grund des SMAD-Befehles 323 (Festlegung technischer Maßnahmen zur Erhöhung der Kohlenförderung) wurde zu Beginn des Jahres 1947 die Direktion der Brennstoffindustrie des Landes Sachsen, Verwaltung Zwickau gegründet.
Mit Beschluss der Landesregierung Sachsen vom 25. März/18. April 1947 erfolgte abermals eine organisatorische Veränderung dergestalt, dass die Verwaltung der Kohlenindustrie Sachsen mit Sitz in Borna eingerichtet wurde, deren für die Steinkohle zuständige Abteilung sich in Zwickau befand (Anfang 1948 wurde die Bezeichnung Verwaltung in Direktorat geändert).
Mit Wirkung zum 1. Juli 1948 erfolgte die Bildung der VVB (Z) Steinkohle Zwickau als Anstalt des öffentlichen Rechts. Ihr gehörten folgende Unternehmen an: aus dem Zwickauer Revier: der VEB Steinkohlenwerk Karl Marx (ehemals Betriebsabteilung Brückenberg der Gewerkschaft Morgenstern), der VEB Steinkohlenwerk Martin Hoop (ehemals Betriebsabteilungen Morgenstern und Florentin Kästner der Gewerkschaft Morgenstern) und der VEB Steinkohlenwerk und -kokereien August Bebel (ehemals Kokereien des Erzgebirgischen Steinkohlen-Aktienvereins zusammen mit der aus dem VEB Steinkohlenwerk Karl Marx ausgegliederten Kokerei). Aus dem Lugau-Oelsnitzer Revier sind der VEB Steinkohlenwerk Karl Liebknecht (ehemals Gewerkschaft Gottes Segen) und der VEB Deutschland (ehemals Gewerkschaft Deutschland) zu nennen. Außerdem gehörten der VEB Steinkohlenwerk Plötz, der VEB Steinkohlenwerk Doberlug-Kirchhain und der VEB Steinkohlenwerk Willi Agatz (bis zu dessen Einordnung unter die SDAG Wismut) dazu.
Auf Grund der Verordnung über Maßnahmen zur Einführung des Prinzips der wirtschaftlichen Rechnungsführung in den Betrieben der volkseigenen Wirtschaft vom 20. März 1952 und der hierzu ergangenen Durchführungsbestimmungen wurde mit Wirkung vom 10. April 1952 die Vereinigung Volkseigener Betriebe aufgelöst und stattdessen die Verwaltung Volkseigener Betriebe (ebenfalls VVB) als nachgeordnete Verwaltung der Hauptverwaltung Kohle beim Staatssekratariat für Kohle und Energie in Berlin gegründet. 1958 wandelte man diese jedoch wieder in Vereinigung Volkseigener Betriebe um.
Die in anderen Branchen vollzogene Umstrukturierung der VVB in Kombinate erfolgte, da sich die Kohlenvorräte dem Ende zuneigten, für die VVB Steinkohle nicht. Stattdessen wurde nach der Einstellung der Kohlenförderung im Zwickauer und Lugau-Oelsnitzer Revier die VVB Steinkohle zum 31. Dezember 1977 aufgelöst. Deren Rechtsnachfolge übernahm der VEB Steinkohlenwerk, ab 1. Januar 1978 VEB Steinkohlenkokereien August Bebel, der Kokereien im heutigen Sachsen und Sachsen-Anhalt (Magdeburg) betrieb. Im Juni 1990 wurde dieser in die Erzgebirgische Steinkohlenenergie GmbH (EStEG) umgewandelt.
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