Hauptinhalt

Beständeübersicht

Bestand

40112 Sächsisches Steinkohlensyndikat mbH Zwickau und Nachfolger

Datierung1900 - 1951
Benutzung im Bergarchiv Freiberg
Umfang (nur lfm)8,90
Vorwort
Behördengeschichte

Am 23. März 1919 wurde das Gesetz über die Regelung der Kohlenwirtschaft verabschiedet, in welchem es heißt: "Das Reich regelt die gemeinwirtschaftliche Organisation der Kohlenwirtschaft". [01] Die diesbezüglichen Ausführungsbestimmungen vom 21. August 1919 legten fest, dass das Deutsche Reich in 11 Bergbaubezirke einzuteilen ist. Alle Besitzer von Kohlenbergwerken hatten sich bis zum 20. September 1919 in den zuständigen Bezirken zu Kohlensyndikaten zusammenzuschließen. [02]
Für den sächsischen Bergbaubezirk erfolgte der Zusammenschluss am 15. September 1919 unter der Firmenbezeichnung Sächsisches Steinkohlensyndikat mbH mit Sitz in Zwickau, nachdem bereits zuvor ein Förder- und Verkaufsverband der Zwickauer und der Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenwerke bestanden hatte. [03]
Als Gesellschaftsform wurde die Doppelgesellschaft - Gesellschaft mit beschränkter Haftung und bürgerlich-rechtliche Gesellschaft - gewählt. Diese wurde am 26. August 1920 handelsgerichtlich eingetragen.

Zu den Gründungsmitgliedern des Syndikates gehörten folgende Kohlenbergwerke:
1. Steinkohlenwerke von Arnim
2. Erzgebirgischer Steinkohlen-Aktienverein
3. Steinkohlenwerk Florentin Kästner & Co.
4. Gewerkschaft Morgenstern
5. Zwickauer Brückenberg-Steinkohlenbau-Verein
6. Zwickau-Oberhohndorfer Steinkohlenbau-Verein
7. Aktienverein der Zwickauer Bürgergewerkschaft
8. Zwickauer Steinkohlenbau-Verein
9. Steinkohlenwerk C. G. Kästner
10. Steinkohlen-Aktiengesellschaft Vereinigt Feld
11. Gewerkschaft Deutschland
12. Gersdorfer Steinkohlenbauverein
13. Steinkohlenbau-Verein Hohndorf
14. Steinkohlenbau-Verein Gottes Segen
15. Gewerkschaft Kaisergrube
16. Lugauer Steinkohlenbauverein
17. Oelsnitzer Bergbaugewerkschaft
18. Steinkohlenwerk Zauckerode
19. Freiherrlich von Burgker Steinkohlenwerke

Die Anzahl der Mitgliedschaften im Syndikat änderte sich jedoch laufend durch Neuaufnahmen, Austritt und Umgruppierung.
Zu den Organen der GmbH gehörten der Vorstand (mehrere Mitglieder, deren Zahl durch den Aufsichtsrat bestimmt wurde), der Aufsichtsrat (zehn Mitglieder) und die Hauptversammlung (drei Mitglieder jeder Gesellschaft), zur bürgerlich-rechtlichen Gesellschaft die Versammlung der Werkbesitzer (jeder Werkbesitzer bis zu drei Vertretern), der Ausschuss (acht Mitglieder, von der Werkbesitzerversammlung gewählt) sowie der Vorstand und der Aufsichtsrat des Syndikates. [04]
Das Aufgabengebiet der Kohlensyndikate umfasste insbesondere die Überwachung und Durchführung der von den übergeordneten Dienststellen erlassenen Richtlinien, Anordnungen und Entscheidungen sowie die Regelung der Förderung, des Selbstverbrauches und des Brennstoffabsatzes ihrer Mitglieder. [05]
Vorgesetzte Dienststellen der Syndikate waren der Reichskohlenrat mit den Sachverständigenausschüssen und der Reichskohlenverband, wobei letzterer hauptsächlich für den Absatz der Brennstoffe, Lieferungsbedingungen und Preise verantwortlich zeichnete. [06] In diesen übergeordneten Dienststellen traten laufend Änderungen und Verschiebungen auf, insbesondere auf Grund der Vorbereitung und des Beginns des 2. Weltkrieges. So wurde im März 1941 als neue vorgesetzte Dienststelle die Reichsvereinigung Kohle mit dem Reichsbeauftragten ins Leben gerufen. Ihm waren sämtliche Kohlenerzeuger und Kohlenhändler unterstellt. Dadurch erfolgte die Auflösung des Reichskohlenverbandes im Mai 1942. [07]

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Sächsische Steinkohlensyndikat aufgelöst, und durch Präsidialbeschluss der Landesverwaltung Sachsen vom 22. Oktober 1945 erfolgte die Gründung der landeseigenen Sächsischen Steinkohlenkontor GmbH in Dresden. Diese übernahm ab 1. Januar 1946 den Vertrieb der sächsischen Steinkohle und damit die Aufgaben des Steinkohlensyndikates.

Bestandsgeschichte und -bearbeitung

Der vorliegende Bestand wurde 1958 vom Landeshauptarchiv Magdeburg an das Bergarchiv der Bergakademie Freiberg abgegeben. [09] Die Übergabe erfolgte ohne jedes Abgabeverzeichnis.
Vermutlich im Jahre 1964 erfolgte durch Herrn Heinz Kreher im Rahmen eines Archivpraktikums die Erschließung des 13 lfm umfassenden Bestandes. [10] Auf Grund des Fehlens von Hintergrundinformationen (so konnten weder ein Aktenplan und/oder Registraturordnung noch ein Aktenverzeichnis ermittelt werden) sowie aus Platzmangel wurde der Bestand mittels einer Verzeichnungskartei nach dem "Bär'schen Prinzip" aufgenommen. Während der Verzeichnung wurden fehlerhaft eingelegte Unterlagen und lose Schriftstücke zu Sachakten zusammengefügt und chronologisch geordnet. Überschneidungen hinsichtlich der Laufzeit der Unterlagen konnten aus Mangel an Zeit nicht korrigiert werden. Sofern entsprechende Zusammenhänge erkennbar waren, wurde mit Verweisen gearbeitet. Vorhandene alte Archivsignaturen bzw. Registratursignaturen wurden ebenfalls übernommen.
Nach Abschluss der Verzeichnung erfolgte die Ordnung der Kartei und des Bestandes nach Sachgebieten, wobei die Unterlagen der Syndikats- und der Geschäftsvertretung unter dem Klassifikationspunkt Syndikatsleitung zusammengefasst wurden. [11] In diesem Zusammenhang wurden die Unterlagen mit der neuen bzw. endgültigen Archivsignatur versehen.
Im Rahmen der Erschließung erfolgte die Kassation von zehn Akteneinheiten mit den Altsignaturen 10, 14 (Bd. 1), 67, 71 b, 106 b, 116, 168 a (Bd. 2), 193 (Bd. 2), 220 (Bd. 1) und 262. Ebenso wurden 1,5 lfm Doppelstücke kassiert. Danach umfasste der Bestand 341 Akteneinheiten mit einer Laufzeit von 1919 bis 1947, wobei einzelne Unterlagen bis 1900 zurückgehen (Geschäftsberichte verschiedener Steinkohlenwerke).
Eine technische Bearbeitung erfolgte dahingehend, dass schlecht abgeheftete Unterlagen neu geheftet sowie verrostete Metallteile, soweit möglich, entfernt wurden.

Im Zeitraum vom 1. bis 25. Oktober 2002 erfolgte durch Frau Barbara Schumann im Rahmen einer AB-Maßnahme die Revision des Bestandes unter gleichzeitiger technischer Bearbeitung der Unterlagen. Diese wurden umfassend entmetallisiert, gereinigt, in säurefreies Papier eingeschlagen und kartoniert. Im Anschluss daran erfolgte die Übernahme der Verzeichnungsdaten aus dem von Herrn Kreher angelegten Findbuch in die Datenbank AUGIAS-Archiv unter Beibehaltung der Signaturen. Dabei wurden lose Druckschriften (Nr. 64, Syndikats- und Gesellschaftsverträge sowie Satzungen) herausgelöst, die nach Prüfung in den Bibliotheksbestand aufgenommen werden. Die Akte Nr. 342 wurde nachträglich in den Bestand eingearbeitet; sie ist aus dem Bestand Ergebirgische Steinkohlen-Energiegesellschaft mbH im Rahmen diesbzgl. Erschließungsarbeiten ausgesondert worden.
Im Mai 2003 erfolgte im Zuge von Bestandsbereinigungsarbeiten die Herauslösung von Unterlagen der Provenienz Sächsisches Steinkohlensyndikat aus dem Bestand VVB (Z) Steinkohle, Zwickau. Diese wurden im Zeitraum 26.-27. Mai 2003 gleichfalls von Frau Schumann unter den lfd. Nrn. 343-386 in die AUGIAS - Datenbank aufgenommen. Deren technische Bearbeitung erfolgte im Juli 2003 durch die Schülerpraktikantin Frau Wenzel sowie die ABM-Kraft Frau Uhlemann.
Die vorliegende Fassung der Findbucheinleitung basiert ebenfalls auf der von Herrn Kreher erarbeiteten, wurde jedoch z.T. korrigiert und erweitert.

2003/2004 wurde der Bestand schutzverfilmt. Die Benutzung ist seitdem nunmehr über die entsprechenden Mikrofilme möglich.

Im Bestand befinden sich personenbezogene Unterlagen. Diese unterliegen gemäß Sächsischem Archivgesetz einer besonderen Schutzwürdigkeit und sind daher für die Benutzung bis zum Ablauf der jeweils angegebenen Frist gesperrt. [12]

Korrespondierende Bestände

Für weitergehende Forschungen empfiehlt es sich, in folgende Bestände Einsicht zu nehmen:

Sächsisches Bergarchiv Freiberg
40024 - (Landes-)Bergamt Freiberg
40027 - Oberbergamt Freiberg (neu)
40053 - Bergamt Stollberg
40054 - Bergamt Zwickau
40190 - Erzgebirgischer Steinkohlen - Aktienverein
40191 - Steinkohlenbauvereine des Zwickauer Reviers
40111 - Gewerkschaft Morgenstern, Zwickau
40109 - Gewerkschaft Gottes Segen, Lugau
40109 - Gewerkschaft Deutschland, Oelsnitz
40113 - Steinkohlenwerk Zauckerode

Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden
10168 - Grundherrschaft Burgk (enthält die Überlieferung der Freiherrlich von Burgker Steinkohlenwerke)

Literaturhinweise

Festschrift des Erzgebirgischen Steinkohlen-Aktienvereins aus Anlass des 25. Dienstjubiläums von Direktor Jobst, Zwickau 1924
Waldemar May, Otto Stutzer, August Eckhard, 75 Jahre Gemeinschaftsarbeit der Sächsischen Steinkohlenwerke, Zwickau 1936
Der Steinkohlenbergbau im Zwickauer Revier, hrsg. vom Steinkohlenbergbauverein Zwickau, Zwickau 2000
Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen, versch. Jge.

Freiberg, 11.11.2002 / 28.07.2003 / 19.01.2005

M. Harring [13]


[01] Vgl. Reichsgesetzblatt 1919, Nr. 68, S. 342.
[02] Vgl. ebd., Nr. 159, S. 1449 f. Ebenso mussten sich selbständige Kokereien, Brikettfabriken und andere Werke, die bei der Brennstoffverarbeitung Brennstoffe gewinnen und absetzen, einem bestimmten Syndikat anschließen.
[03] Vgl. Sächsisches Steinkohlensyndikat, Nr. 68 und 301.
[04] Vgl. ebd., Nr. 66 und 68.
[05] Vgl. Reichsgesetzblatt 1919, Nr. 159, S. 1461 f.
[06] Vgl. ebd., S. 1453 ff.
[07] Vgl. Sächsisches Steinkohlensyndikat, Nr. 189.
[09] Das Landeshauptarchiv Magdeburg wiederum hatte die Unterlagen vom Ministerium für Kohle und Energie übernommen.
[10] Das diesbezügliche Findbuch wurde von Herrn Kreher als Abschlussarbeit im Rahmen seines Fernstudiums an der Fachschule für Archivwesen Potsdam in der Zeit vom 19. August - 23. September 1964 erarbeitet.
[11] Bei Benutzung dieser Klassifikationsgruppe empfiehlt sich die Einsichtnahme in Nr. 14, "Gegenüberstellung von Auszügen aus den Syndikatssatzungen".
[12] Vgl. § 10 Abs. 1 SächsArchivG vom 17. Mai 1993 (SächsGVBl. S. 449), zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 25. Juni 1999 (SächsGVBl. S. 398).
Syndikatsleitung: Niederschriften.- Geschäftsakten des Vorstandes.- Geschäftsakten der Bergdirektoren Steinmayer und Halm.- Syndikats- und Gesellschaftsverträge und Satzungen.- Jahres- und Geschäftsberichte.- Prüfungsberichte zum Jahresabschluss.- Bilanzen.- Verträge und Geschäftsberichte.
Verwaltung: Verwaltungsangelegenheiten und Versicherung.- Rechtsangelegenheiten.- Arbeitsrecht.- Lohn- und Sozialwesen.- Arbeitszeit.- Lehrlingsausbildung.- Werbung und Ausstellungen.
Kohlenindustrie: Entwicklung der Kohlenindustrie.- Neuregelung der Kohlenwirtschaft.- Versuche mit verschiedenen Kohlensorten.
Kohlenabsatz und Kohlenpreise: Absatz und Verteilung der Kohle.- Produktionsübersichten.- Preisregelung.- Frachttarife.- Anteilsziffern und Erlöse.- Kohlengroß- und Kleinhandel.- Kohlelieferung an das Elektrizitätswerk Chemnitz.- Gemeinschaftsaktion zu Gunsten des Erzgebirgischen Steinkohlen-Aktienvereins.- Absatzhilfe für das Sudetenland.- Vereinheitlichung der Kohlensorten.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Deutsche Reich in elf Bergbaubezirke eingeteilt. Alle Besitzer von Kohlenbergwerken hatten sich bis September 1919 in den jeweiligen Bezirken zu Kohlensyndikaten zusammenzuschließen. In Sachsen hatte bereits zuvor ein Förder- und Verkaufsverband der Zwickauer und Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenwerke bestanden. Aus diesem entwickelte sich die Sächsische Steinkohlensyndikat GmbH mit Sitz in Zwickau. Als Gesellschaftsform wurde die Doppelgesellschaft - GmbH und bürgerliche Gesellschaft - gewählt und im August 1920 handelsrechtlich eingetragen. Die Mitgliedschaft im Syndikat änderte sich laufend durch Neuaufnahmen, Austritte und Umgruppierungen.
Zum Aufgabengebiet des Syndikats gehörte die Überwachung und Durchführung der von übergeordneten Dienststellen erlassenen Richtlinien sowie die Regelung der Förderung, des Selbstverbrauchs und des Absatzes von Brennstoffen. Vorgesetzte Dienststelle der Syndikate waren der Reichskohlenrat mit den Sachverständigenausschüssen und der Reichskohlenverband. Letzterer war hauptsächlich für den Absatz der Brennstoffe, Lieferbedingungen und Preise verantwortlich.
Während das Sächsische Steinkohlensyndikat von 1919 bis 1945 bestand, traten in den übergeordneten Dienststellen laufend Änderungen auf, besonders durch die Vorbereitung und den Beginn des Zweiten Weltkriegs. 1941 wurde als neue vorgesetzte Dienststelle die Reichsvereinigung Kohle mit einem Reichsbeauftragten ins Leben gerufen. Ihm waren sämtliche Kohlenerzeuger und Kohlenhändler unterstellt.
Durch Präsidialbeschluss der Landesverwaltung Sachsen erfolgte 1945 die Gründung der landeseigenen Sächsischen Steinkohlenkontor GmbH in Dresden, die ab 1. Januar 1946 den Vertrieb der sächsischen Steinkohle übernahm.
  • 1964/2003 | Findbuch/Datenbank
  • 2020-09-16 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.1
Sitemap-XML zurück zum Seitenanfang