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Beständeübersicht

Bestand

12557 Nachlass Friedrich August II., König von Sachsen

Datierung1789 - 1854 und o. D.
Benutzung im Hauptstaatsarchiv Dresden
Umfang (nur lfm)4,60
1. Biografische Angaben
Der Sohn von Prinz Maximilian von Sachsen und Prinzessin Karoline von Parma wurde am 18. Mai 1797 in Dresden geboren. Er vermählte sich 1819 mit Karolina Ferdinanda, Tochter von Kaiser Franz I. von Österreich, und nach deren Tod in zweiter Ehe 1833 mit Maria Anna, Tochter von König Maximilian I. von Bayern. Beide Ehen blieben kinderlos. Als künftiger Thronerbe hatte er eine sorgfältige Ausbildung erhalten und betrieb später wissenschaftlichen Studien auf dem Gebiet der Botanik. Auch war er ein guter Zeichner, baute eine umfangreiche Kupferstichsammlung auf und verkehrte zwanglos mit Künstlern und Wissenschaftlern. Während der politischen Unruhen im September 1830 übernahm Friedrich August auf Grund seiner Beliebtheit in der Bevölkerung die Funktion eines Mitregenten an der Seite seines greisen Onkels König Anton. Er unterstützte tatkräftig die Umwandlung Sachsens in eine konstitutionelle Monarchie, die Durchsetzung einer Staatsreform und übernahm nach dem Tod König Antons 1836 die Regierung. Unter dem Eindruck der Märzrevolution von 1848 berief er ein liberales Ministerium, lehnte aber im Frühjahr 1849 die Annahme der Frankfurter Paulskirchenverfassung ab und löste den Landtag auf. Zur Niederschlagung des Maiaufstandes rief er preußisches Militär nach Dresden. In zunehmendem Maße überließ Friedrich August die politischen Entscheidungen den Ministern seiner Regierung. Auf einer seiner vielen Reisen durch Europa starb er am 9. August 1854 durch einen Unfall in Brennbichl bei Imst in Tirol.

2. Geschichte des Bestands
Die Unterlagen aus dem Nachlass von Friedrich August II. gelangten in mehreren Lieferungen in das Hauptstaatsarchiv (vgl. 10707 Sächsisches Hauptstaatsarchiv, Nr. 970, 971 und 3092). Erste Unterlagen gab das Ministerium des königlichen Hauses bereits 1855/56 ab. 1869 folgten Nachlassteile vor allem mit Bezug zur Revolution von 1848/49. Weitere Übernahmen gab es 1875 (nach dem Tod von König Johann), 1889 (aus der sogenannten Sekundogeniturbibliothek) und 1902 (aus dem Nachlass König Alberts). Aus dem Großteil der seit 1855 übernommenen Nachlassunterlagen wurde im Hauptstaatsarchiv ein Nachlassbestand Friedrich Augusts II. gebildet, der wie andere neuere Fürstennachlässe als Depositum des Herrscherhauses galt und einem sogenannten Hausarchiv zugewiesen werden sollte. Andere Teile des Nachlasses gelangten hingegen in bereits vorhandene Archivbestände, besonders in den des Geheimen Kabinetts (10026). Ergänzt wurde der Nachlassbestand durch einige Ankäufe, vor allem bei Leipziger Antiquariaten.
Eine erste Bestandsbearbeitung nahm 1905 Hans Beschorner vor. Der Bestand wurde dabei, zusammen mit weiteren Fürstennachlässen, in der Registrande 10i der IV./V. Archivabteilung (Geheimes Kabinett) verzeichnet. Dabei wurden auch jene Nachlassteile aufgenommen, die sich damals im sogenannten Privatarchiv der Wettiner befanden und die später verloren gegangen sind. 2024 erfolgte eine Neubearbeitung des Bestands, wobei es vor allem zu einer vertieften inhaltlichen Verzeichnung durch Enthält-Vermerke kam. Außerdem wurden dem Nachlass zwei Akten aus den Beständen 10711 Ministerium des königlichen Hauses und 12975 Gesetzgebungssachen beigefügt. Die provenienzmäßig ebenfalls zum Nachlass gehörigen Akten Loc. 00404/02-24, Loc. 00405/05-08, Loc. 00409/02, Loc. 00409/06, Loc. 00409/07, Loc. 00495/11, Loc. 00516/14, Loc. 00642/05-06 aus dem Bestand 10026 Geheimes Archiv wurden vorerst bei diesem Bestand belassen (da sie über die Internet-Beständeübersicht des Sächsischen Staatsarchivs online zugänglich sind), sollen im Zuge der geplanten Digitalisierung des Nachlasses von König Friedrich August II. aber dann diesem Bestand zugeordnet werden.

3. Inhalt des Bestands
Schwerpunkt des Bestandsinhalts sind Aufsätze, Denkschriften und Gutachten Friedrich Augusts zu juristischen, administrativen und politischen Fragen. Außerdem enthält der Bestand sehenswerte Diplome über die Aufnahme in Akademien, Vereine und Orden (darunter den Orden vom Goldenen Vlies und den Hosenbandorden). Hervorzuheben ist ferner Friedrich Augusts Korrespondenz, die mit etwa 450 Briefen freilich nur einen kleinen Rest des einst Vorhandenen darstellen dürfte. Zu den fürstlichen Korrespondenzpartnern gehören die verwandtschaftlich verbundenen Kaiser und Kaiserinnen von Österreich sowie die Könige und Königinnen von Bayern, außerdem die Prinzen bzw. Könige von Preußen sowie die ernestinischen Herzöge. Zu den nichtfürstlichen Korrespondenzpartnern zählen besonders die sächsischen Minister der 1830er-, 1840er- und 1850er Jahre, darunter Julius Traugott Jakob von Könneritz und Friedrich Ferdinand von Beust.

Jörg Ludwig
November 2024
Sachsen, Albert, Prinz von, Herzog zu: Die Albertinischen Wettiner : Geschichte des Sächsischen Könighauses 1763 - 1932. 2. Aufl. Gräfelfing : Albrecht, 1991, S. 69 - 140 (Schriftenreihe des König Friedrich August-Instituts zur Sächsischen Geschichts- und Kulturforschung e. V. Bd. 1)

Matzerath, Joseph (Hrsg.): Der sächsische König und der Dresdner Maiaufstand. Köln, Weimar : Böhlau, 1999 (Martin, Guntram (Hrsg.) ; Matzerath, Josef (Hrsg.); Rogge, Jörg (Hrsg.): Quellen und Materialien zur Geschichte der Wettiner. Bd. 1)

Fellmann, Walter: Sachsens Könige 1806 bis 1918. München, Berlin: Koehler & Amelang, 2000, S. 99 - 126

Kroll, Frank-Lothar (Hrsg.): Die Herrscher Sachsens : Markgrafen, Kurfürsten, Könige 1089 - 1918. München : Beck, 2004, S. 237 - 262

Groß, Reiner: König Friedrich August II. von Sachsen. Betrachtungen anlässlich seines 150. Todestages, in Beck, Friedrich (Hrsg.): Archive und Gedächtnis : Festschrift für Botho Brachmann. Potsdam : Verlag für Berlin und Brandenburg, 2005 (Potsdamer Studien. 18), S. 511 - 524
Familienpapiere und Reisetagebücher.- Kunstangelegenheiten.- Aufsätze, Denkschriften und Abhandlungen zu juristischen und politischen Fragen.- Diplome, Patente und Ehrenmitgliedschaften.- Briefwechsel mit fürstlichen und nichtfürstlichen Personen.
  • 1905 | Findbuch
  • 2025-02-25 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.5
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