Beständeübersicht
Bestand
14033 Kloster St. Marienthal
Datierung | 1234 - 1864 |
---|---|
Benutzung im | Hauptstaatsarchiv Dresden |
Umfang (nur lfm) | 0,00 |
Vorbemerkung: Es handelt sich bei diesem Bestand um ein Depositum der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Laut § 4 Abs. 4 des Depositalvertrags sind Staatsarchiv und Nutzende verpflichtet, "bei allen Nutzungsarten die SLUB als verantwortliche Stelle des Freistaats Sachsen zu benennen". Der Bestand ist zurzeit wegen noch ausstehender magazintechnischer Bearbeitung noch nicht im Original benutzbar. Die Bestellung digitaler Kopien ist jedoch bereits möglich.
Das südlich von Ostritz an der Lausitzer Neiße gelegene Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal wurde 1234 von Kunigunde von Schwaben, der Ehefrau König Wenzels I. von Böhmen gestiftet. Es gehört zu den wenigen Klöstern in Deutschland, die seit ihrer Gründung im Mittelalter ohne Unterbrechung bestehen.
Der Urkundenbestand des Klosters St. Marienthal wurde wie die wertvolle mittelalterliche Handschriften enthaltende Bibliothek bis 2023 vom Kloster selbst verwaltet. Nach schweren Hochwasserschäden im Jahr 2010 war das Kloster jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Es gab seitens des Klosters Planungen zum Verkauf von Handschriften, Büchern und Urkunden im Kunsthandel. Um dieses wichtige Kulturerbe für Sachsen zu erhalten kaufte der Freistaat Sachsen durch die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) im Dezember 2023 die Bibliothek und den Urkundenbestand an. Finanzielle Unterstützung leistete die Ernst von Siemens Kunststiftung. Die Urkunden wurden von der SLUB mit einem Depositalvertrag vom Februar 2024 an das Sächsische Staatsarchiv übergeben. Dort werden sie seitdem in der Abteilung Hauptstaatsarchiv Dresden verwahrt. Wenige Urkunden, darunter das Privileg Kaiser Karls IV. mit Goldbulle vom August 1357 (Döhler, S. 47-49, Nr. 53) befinden sich noch im Kloster St. Marienthal.
Der zuvor 183 Stücke umfassende Urkundenbestand hat im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg große Verluste und Beschädigungen erlitten. Er wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Holzkisten vergraben und erst wesentlich später wieder ausgegraben, so dass es durch Feuchtigkeit zu gravierenden Schäden kam. Die Stücke, die teilweise noch zu retten waren, wurden Anfang der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts in der Zentralstelle für Archivalienrestaurierung in Dresden restauriert. Zu den Kriegsschäden und zur Restaurierung ist im Detail folgende Publikation heranzuziehen: Manfred Kobuch, Die Überlieferung der Klosters St. Marienthal, in: Meißnisch-sächsische Mittelalterstudien. Ausgewählte Schriften von Manfred Kobuch, Beucha 2021, S. 381-391 (Erstveröffentlichung 1964 in tschechischer Sprache).
Die 2024 übernommenen Urkunden sind von Pfarrer Richard Doehler (1865-1935), einen auch in der historischen Forschung tätigen Ehrenmitglied in der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, in folgender Publikation regestiert worden: Richard Doehler, Urkunden des Klosters St. Marienthal, in: Neues Lausitzisches Magazin, Bd. 78, 1902, S. 1-138. Die Texte dieser Regesten wurde für das Findmittel etwas überarbeitet, insbesondere bezüglich der Orts- und Personennamen, übernommen. Originalzitate wurden von Doehler ohne normalisierende Eingriffe bezüglich der Groß- und Kleinschreibung übernommen. Es ist damit zu rechnen, dass Doehler in lateinischen Zitaten normalisierende Eingriffe vorgenommen hat, insbesondere bei den Endungen -ae im Genitiv und Dativ Singular sowie Nominativ Plural der a-Deklination, die hier auch in mittelalterlichen Stücken in der klassischen Schreibung erscheint, obwohl stattdessen das mittellateinische -e zu erwarten wäre. Für Forschungen zum Kloster sollte Doehlers Arbeit zusätzlich zum Findmittel stets mit herangezogen werden. Es enthält auch die im Bestand nicht mehr überlieferten Stücke und weiterführende historischer Erläuterungen zu einer Reihe von Stücken, die nicht in die Erschließungsangaben übernommen wurden.
Wenn man den bei Nr. 17 dem Original als Beilage beigefügten Druck als eigenes Stück wertet, enthält der Bestand insgesamt 40 Einheiten, darunter 37 Originale auf Pergament bzw. Papier und drei Drucke von Urkunden. Im Feld "Form/Umfang" des Verzeichnungsformulars wurde eine Einschätzung vorgenommen, wieviel jeweils noch von der Substanz der Stücke vorhanden ist. Vollständig erhalten ist nur eine Urkunde (2,5%). Diese Urkunde König Wenzels I. von Böhmen von 1242 wurde 1945 nicht mit vergraben. Vier Stück (10%), darunter zwei Drucke, sind weitgehend erhalten. Der mit 25 Stück (62,5%) mit Abstand größte Teil der Urkunden weist erhebliche Fehlstellen auf. Sieben Urkunden (17,5%) sind nur fragmentarisch erhalten. Von drei Urkunden (7,5%) haben sich nur kleine Fragmente mit geringem Informationsgehalt erhalten. Der Erhaltungszustand der Siegel ist deutlich besser, jedoch ist auch hier gegenüber den in die Verzeichnungsangaben übernommenen Angaben Döhlers mit Verschlechterungen zu rechnen.
Die vorhandenen Stücke, unter denen sich auch einige Kaiser-, Königs- und Papsturkunden befinden, betreffen vor allen die Besitzungen des Klosters. Einige der Urkunden sind nicht für das Kloster St. Marienthal selbst ausgestellt, sondern durch spätere Besitzwechsel dorthin gelangt.
Das südlich von Ostritz an der Lausitzer Neiße gelegene Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal wurde 1234 von Kunigunde von Schwaben, der Ehefrau König Wenzels I. von Böhmen gestiftet. Es gehört zu den wenigen Klöstern in Deutschland, die seit ihrer Gründung im Mittelalter ohne Unterbrechung bestehen.
Der Urkundenbestand des Klosters St. Marienthal wurde wie die wertvolle mittelalterliche Handschriften enthaltende Bibliothek bis 2023 vom Kloster selbst verwaltet. Nach schweren Hochwasserschäden im Jahr 2010 war das Kloster jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Es gab seitens des Klosters Planungen zum Verkauf von Handschriften, Büchern und Urkunden im Kunsthandel. Um dieses wichtige Kulturerbe für Sachsen zu erhalten kaufte der Freistaat Sachsen durch die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) im Dezember 2023 die Bibliothek und den Urkundenbestand an. Finanzielle Unterstützung leistete die Ernst von Siemens Kunststiftung. Die Urkunden wurden von der SLUB mit einem Depositalvertrag vom Februar 2024 an das Sächsische Staatsarchiv übergeben. Dort werden sie seitdem in der Abteilung Hauptstaatsarchiv Dresden verwahrt. Wenige Urkunden, darunter das Privileg Kaiser Karls IV. mit Goldbulle vom August 1357 (Döhler, S. 47-49, Nr. 53) befinden sich noch im Kloster St. Marienthal.
Der zuvor 183 Stücke umfassende Urkundenbestand hat im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg große Verluste und Beschädigungen erlitten. Er wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Holzkisten vergraben und erst wesentlich später wieder ausgegraben, so dass es durch Feuchtigkeit zu gravierenden Schäden kam. Die Stücke, die teilweise noch zu retten waren, wurden Anfang der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts in der Zentralstelle für Archivalienrestaurierung in Dresden restauriert. Zu den Kriegsschäden und zur Restaurierung ist im Detail folgende Publikation heranzuziehen: Manfred Kobuch, Die Überlieferung der Klosters St. Marienthal, in: Meißnisch-sächsische Mittelalterstudien. Ausgewählte Schriften von Manfred Kobuch, Beucha 2021, S. 381-391 (Erstveröffentlichung 1964 in tschechischer Sprache).
Die 2024 übernommenen Urkunden sind von Pfarrer Richard Doehler (1865-1935), einen auch in der historischen Forschung tätigen Ehrenmitglied in der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften, in folgender Publikation regestiert worden: Richard Doehler, Urkunden des Klosters St. Marienthal, in: Neues Lausitzisches Magazin, Bd. 78, 1902, S. 1-138. Die Texte dieser Regesten wurde für das Findmittel etwas überarbeitet, insbesondere bezüglich der Orts- und Personennamen, übernommen. Originalzitate wurden von Doehler ohne normalisierende Eingriffe bezüglich der Groß- und Kleinschreibung übernommen. Es ist damit zu rechnen, dass Doehler in lateinischen Zitaten normalisierende Eingriffe vorgenommen hat, insbesondere bei den Endungen -ae im Genitiv und Dativ Singular sowie Nominativ Plural der a-Deklination, die hier auch in mittelalterlichen Stücken in der klassischen Schreibung erscheint, obwohl stattdessen das mittellateinische -e zu erwarten wäre. Für Forschungen zum Kloster sollte Doehlers Arbeit zusätzlich zum Findmittel stets mit herangezogen werden. Es enthält auch die im Bestand nicht mehr überlieferten Stücke und weiterführende historischer Erläuterungen zu einer Reihe von Stücken, die nicht in die Erschließungsangaben übernommen wurden.
Wenn man den bei Nr. 17 dem Original als Beilage beigefügten Druck als eigenes Stück wertet, enthält der Bestand insgesamt 40 Einheiten, darunter 37 Originale auf Pergament bzw. Papier und drei Drucke von Urkunden. Im Feld "Form/Umfang" des Verzeichnungsformulars wurde eine Einschätzung vorgenommen, wieviel jeweils noch von der Substanz der Stücke vorhanden ist. Vollständig erhalten ist nur eine Urkunde (2,5%). Diese Urkunde König Wenzels I. von Böhmen von 1242 wurde 1945 nicht mit vergraben. Vier Stück (10%), darunter zwei Drucke, sind weitgehend erhalten. Der mit 25 Stück (62,5%) mit Abstand größte Teil der Urkunden weist erhebliche Fehlstellen auf. Sieben Urkunden (17,5%) sind nur fragmentarisch erhalten. Von drei Urkunden (7,5%) haben sich nur kleine Fragmente mit geringem Informationsgehalt erhalten. Der Erhaltungszustand der Siegel ist deutlich besser, jedoch ist auch hier gegenüber den in die Verzeichnungsangaben übernommenen Angaben Döhlers mit Verschlechterungen zu rechnen.
Die vorhandenen Stücke, unter denen sich auch einige Kaiser-, Königs- und Papsturkunden befinden, betreffen vor allen die Besitzungen des Klosters. Einige der Urkunden sind nicht für das Kloster St. Marienthal selbst ausgestellt, sondern durch spätere Besitzwechsel dorthin gelangt.
Richard Doehler, Urkunden des Klosters St. Marienthal, in: Neues Lausitzisches Magazin, Bd. 78, 1902, S. 1-138.
Manfred Kobuch, Die Überlieferung der Klosters St. Marienthal, in: Meißnisch-sächsische Mittelalterstudien. Ausgewählte Schriften von Manfred Kobuch, Beucha 2021, S. 381-391 (Erstveröffentlichung 1964 in tschechischer Sprache).
Veröffentlichungen vom 06.12.2023 zum Ankauf der Handschriften und Bücher des Klosters St. Marienthal durch den Freistaat Sachsen:
Pressemitteilung der SLUB: Freistaat Sachsen sichert wertvolles Wissenschafts- und Kulturgut aus dem Kloster St. Marienthal in öffentlicher Hand (https://www.slub-dresden.de/ueber-uns/presse/pressemitteilung/2023/12/6/freistaat-sachsen-sichert-wertvolles-wissenschafts-und-kulturgut-aus-dem-kloster-st-marienthal-in-oeffentlicher-hand, benutzt am 12.04.2024).
Birgit Grimm, Sachsen erwirbt einzigartigen Kunstschatz: Marienthaler Psalter ist gerettet (https://www.saechsische.de/zittau/kultur/sachsen-ostritz-kloster-marienthaler-psalter-zisterzienser-bibliothek-kauf-5939927.html, benutzt am 12.04.2024).
Grit Krause, Wertvolle Marienthaler Handschriften bleiben in Sachsen (https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/bautzen/bautzen-hoyerswerda-kamenz/kloster-marienthal-ostritz-ankauf-bibliothek-kultur-news-100.html, benutzt am 12.04.2024).
Manfred Kobuch, Die Überlieferung der Klosters St. Marienthal, in: Meißnisch-sächsische Mittelalterstudien. Ausgewählte Schriften von Manfred Kobuch, Beucha 2021, S. 381-391 (Erstveröffentlichung 1964 in tschechischer Sprache).
Veröffentlichungen vom 06.12.2023 zum Ankauf der Handschriften und Bücher des Klosters St. Marienthal durch den Freistaat Sachsen:
Pressemitteilung der SLUB: Freistaat Sachsen sichert wertvolles Wissenschafts- und Kulturgut aus dem Kloster St. Marienthal in öffentlicher Hand (https://www.slub-dresden.de/ueber-uns/presse/pressemitteilung/2023/12/6/freistaat-sachsen-sichert-wertvolles-wissenschafts-und-kulturgut-aus-dem-kloster-st-marienthal-in-oeffentlicher-hand, benutzt am 12.04.2024).
Birgit Grimm, Sachsen erwirbt einzigartigen Kunstschatz: Marienthaler Psalter ist gerettet (https://www.saechsische.de/zittau/kultur/sachsen-ostritz-kloster-marienthaler-psalter-zisterzienser-bibliothek-kauf-5939927.html, benutzt am 12.04.2024).
Grit Krause, Wertvolle Marienthaler Handschriften bleiben in Sachsen (https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/bautzen/bautzen-hoyerswerda-kamenz/kloster-marienthal-ostritz-ankauf-bibliothek-kultur-news-100.html, benutzt am 12.04.2024).
- 1902, 2024 | elektronisches Findmittel
- 2025-02-25 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.5