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Beständeübersicht

Bestand

22340 Genealogischer Nachlass Joachim G. Boeckh

Datierung1932 - 1942
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)0,33
Zur Biografie von Joachim Georg Boeckh

Joachim G. Boeckh wurde am 3. September 1899 in Dinglingen bei Lahr im Schwarzwald geboren und war ein deutscher Literaturwissenschaftler, Übersetzer und Genealoge.[01] Nach dem Studium der Theologie war Joachim G. Boeckh zunächst von 1923 bis 1924 als Vikar tätig. Zeitgleich engagierte er sich im Bund der Köngener und war eines seiner Gründungsmitglieder.[02] Der Nachlasser leitete auch die Jungmannschaft Königsbühl, welche sich unter seiner Führung den völkisch ausgerichteten Neupfadfindern anschloss.[03] Von 1926 bis 1931 arbeitete J. G. Boeckh als Lehrer an der Freien Schulgemeinde Wickersdorf.[04]
Nach seiner Entlassung aus der Freien Schule nahm er Dozentenstellen für Deutsche Sprache und Literatur in der Wolgadeutschen Republik sowie in Moskau an. Letztere Anstellung endete 1933.[05] Ab 1936 finden sich erste Aufzeichnungen zu seinen Nachforschungen über württembergische Siedler in den heute zu Serbien gehörenden Regionen Batschka und Vojvodina. Nach eigenen Angaben erhielt Joachim Georg Boeckh vom Fabrikanten Kinkel aus Heilbronn 1936 den Auftrag, anlässlich des 150. Ansiedlungsjubiläums württembergischer Siedler in der Stadt Sakic, Nachforschungen über diese anzustellen. Dieses Projekt weitete sich schnell zu einer allgemeinen genealogischen Forschung, vornehmlich, aber nicht ausschließlich, über protestantisch-württembergische Siedler in der Batschka und Vojvodina aus.[06] Hierbei konzentrierte Herr Boeckh sich vor allem auf den Zeitraum zwischen 1780 und 1830.
Nachdem er 1939 zunächst in die Wehrmacht eingezogen wurde, arbeitete Joachim Boeckh von 1941 bis 1944 als Lehrkraft an der Odenwaldschule.[07] Hier war er bereits 1934 kurzzeitig angestellt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er Direktor des Collegium Academicum an der Universität Heidelberg, bevor der Literaturwissenschaftler 1949 eine Professur für Neue Deutsche Literaturgeschichte an der Brandenburgischen Landeshochschule antrat. Darauf folgte eine Professur an der Berliner Humboldt-Universität von 1951 bis 1952. 1954 nahm Boeckh eine Stelle als Mitarbeiter an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin an. Hier leitete er von 1956 bis 1961 die Arbeitsstelle für Literaturgeschichte. Ab 1962 arbeitete der ehemalige Professor nur noch auf Honorarbasis für die Akademie der Wissenschaften.[08] Am 17. Juni verstarb Joachim Georg Boeckh in Potsdam.
Neben seiner Tätigkeit als Dozent und Genealoge übersetzte der Literaturwissenschaftler mehrere Theaterstücke aus dem Russischen ins Deutsche, darunter die Stücke "Abgrund", "Mädchen ohne Mitgift" und "Der schöne Mann" von Alexander N. Ostrowski. Boeckh wirkte außerdem an mehreren Publikationen zur Bündischen Jugend mit, ebenso ist er Autor zahlreicher Publikationen zum Thema Literaturgeschichte. So verfasste der Nachlasser unter anderem eine fünfbändige Anthologie zur Geschichte der deutschen Literatur sowie mehrere Literaturfibeln.[09]

Bestandsgeschichte und Bearbeitung

Der Bestand 22340 Genealogischer Nachlass Joachim G. Boeckh hat einen Umfang von 0,33 lfm. Der Überlieferungszeitraum erstreckt sich von 1932 bis 1942. Die Ablieferung erfolgte am 10.03.1961 an das Deutsche Zentralarchiv in Potsdam durch Joachim G. Boeck. Dazu liegt eine Abgabeliste vor. Das Deutsche Zentralarchiv gab den Bestand wiederum 1965 an die Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte in Leipzig ab. Der Bestand wurde hier mit den Familiengeschichtlichen Sammlungen des Reichsippenamtes, konkret den genealogischen Sammlungen (heute Bestand 21964 im Staatsarchiv Leipzig), vereinigt. Die Forschungsunterlagen Boeckhs wurden 2013 provenienzgerecht aus den Sammlungen herausgelöst und bilden seitdem einen eigenen Bestand 22340 Genealogischer Nachlass Joachim G. Boeckh. Bei der abschließenden Bearbeitung des genealogischen Nachlasses 2024 wurden die alten Signaturen aus den Sammlungen mit aufgenommen.

Überlieferungsschwerpunkte

Im vorliegenden Bestand sind die genealogischen Forschungsergebnisse von Joachim G. Boeckh zu württembergischen Siedlern in der Batschka und Vojvodina zwischen 1780 und 1830 zusammengefasst. Im Ergebnis dieser Forschung entstanden neben dem Manuskript "Die Auswanderung von sieben Alfdorfer Familien in die Batschka im Jahre 1786", ein alphabetisches Ortsverzeichnis der Ursprungsorte in Württemberg, eine Gesamtliste protestantisch-württembergischer Siedler in der Batschka-Region, eine große Anzahl von Stammtafeln der Siedlerfamilien und Ansiedlerlisten aus der Batschka-Region nach Orten geordnet.

Hinweise zur Benutzung

Für die Einsichtnahme sind die Regelungen zum Datenschutz zu beachten. Es gelten die in § 10 Ab. 1 Satz 3 des Sächsischen Archivgesetzes festgelegten Schutzfristen. Bei der Bestellung und Zitierung ist anzugeben: StA-L 22340 Genealogischer Nachlass Joachim G. Boeckh, Nr. (Fettgedruckte Zahl).

Hinweise auf korrespondierende Bestände in anderen Archiven

Teilnachlass im Bundesarchiv: BArch N 2031
Teilnachlass im Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften: BBAW NL J. Boeckh

Franz von Egidy
April 2024


[01] https://archiv.bbaw.de/nachlaesse/nachlaesse/boeckh-joachim-georg
[02] https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Georg_Boeckh
[03] https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_der_K%C3%B6ngener
[04] https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Schulgemeinde_Wickersdorf
[05] https://www.bundesarchiv.de/nachlassdatenbank/viewresult.php?sid=727b9c4465a7fc06d3a6b
[06] Sächsisches Staatsarchiv, 22340, 04.
[07] https://de.wikipedia.org/wiki/Odenwaldschule
[08] https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Georg_Boeckh
[09] https://kvk.bibliothek.kit.edu/view-title/index.php?katalog=KOBV_SOLR&url=https%3A%2F%2Fportal.kobv.de%2Fuid.do%3Fplv%3D2%26query%3Dgbv_408147997&signature=CZuqkVKMYjoswx01z3irLCsZLeSss_qIVmTVxGiUQS8&showCoverImg=1
Manuskript "Die Auswanderung von sieben Alfdorfer Familien in die Batschka im Jahre 1786".- Forschungsunterlagen zu den Regionen Btaschka und Vojvodina.
Der Literaturwissenschaftler und Genealoge Joachim Georg Boeckh wurde am 3. September 1899 in Dinglingen in Baden geboren. Nach dem Studium der evangelischen Theologie und Philosophie in Tübingen arbeitete er für einige Zeit als Vikar. In der Folgezeit war er als Lehrkraft tätig. Zwischen 1931 und 1933 arbeitete er als Dozent für Deutsche Sprache und Literatur in der Wolgadeutschen Republik und in Moskau. Nach eigenen Angaben erhielt Joachim Georg Boeckh vom Fabrikanten Kinkel aus Heilbronn 1936 den Auftrag, anlässlich des 150. Ansiedlungsjubiläums württembergischer Siedler in der Stadt Sakic Nachforschungen über diese anzustellen. Das Projekt weitete sich schnell zu einer allgemeinen genealogischen Forschung vornehmlich, aber nicht ausschließlich, über protestantisch-württembergische Siedler in der Batschka und Vojvodina aus. Hierbei konzentrierte Herr Boeckh sich vor allem auf den Zeitraum zwischen 1780 und 1830. Nach Entlassung aus der Wehrmacht arbeitete Georg Boeckh von 1941 bis 1944 als Lehrkraft an der Odenwaldschule. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er Direktor des Collegium Academicum an der Universität Heidelberg bevor der Literaturwissenschaftler 1949 eine Professur für Neue Deutsche Literaturgeschichte an der Brandenburgischen Landeshochschule antrat. Darauf folgte eine Professur an der Berliner Humboldt-Universität von 1951 bis 1952. 1954 nahm G. J. Boeckh eine Stelle als Mitarbeiter an der Akademie der Wissenschaften an. Am 17. Juni 1968 verstarb Joachim Georg Boeckh in Potsdam.
  • 2024 | Findbuch / Datenbank
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