Beständeübersicht
Bestand
50617 Pfarramt Rauscha
Datierung | 1592 - 1722, 1788 - 1799 |
---|---|
Benutzung im | Staatsfilialarchiv Bautzen |
Umfang (nur lfm) | 0,28 |
Einleitung
Als Siedlung existierte Rauscha vermutlich bereits seit der slawischen Zeit. Den Ortsnamen leitet Arnošt Muka Ende des 19. Jahrhunderts, vom altslawischen Personennamen Ruš (Ruchoslaw) ab. Die erste urkundliche Erwähnung des Walddorfes stammt aus dem Jahr 1438. In dieser Zeit gehörte der Ort zur Herrschaft Penzig. 1491 kaufte der Rat von Görlitz den Hammer mit allem Zubehör und den Zinspflichtigen zu Rauscha. Nachdem die Stadt Görlitz im Pönfall 1547 das Dorf verloren hatte, erhielt sie es 1553 zurück. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort 1641 durch einen Brand stark geschädigt und wiederaufgebaut. Das Eisenhütten- und Schmiedegewerkbe blühte bis in die Wendezeit 17./18. Jahrhundert. 1706 wurde die Glashütte gegründet. Sie entwickelte sich schnell zum Zentrum der Glasmacherei in der Oberlausitz. Im 18. Jahrhundert siedelte sich zudem eine Töpferei an. 1812 errichtete der Görlitzer Rat eine Brauerei und eine Brennerei, die Bier und Branntwein für die Bevölkerung der "Unteren Walddörfer" herstellten. Nach der Teilung der Oberlausitz im Jahr 1815 wurde Rauscha in den neuerrichten Landkreis Görlitz eingegliedert. Dieser war dem Regierungsbezirk Liegnitz in der Provinz Schlesien im Königreich Preußen unterstellt. 1846 erhielt Rauscha einen Eisenbahnanschluss, der den Ort mit Halbau (poln. Ilowa) und Kohlfurt (poln. Wegliniec) verband. Zur Verwaltung und Bewirtschaftung des reichen Waldbestandes wurde 1854 das Forstrevier Rauscha eingerichtet. Die holzverarbeitende Industrie entwickelte sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit Ende des 2. Weltkrieges 1945 fiel Rauscha unter polnische Verwaltung. Die deutsche Bevölkerung musste den Ort verlassen. Der polnische Ortsname lautet seitdem Ruszów. Der Ort gehört heute zur Stadt Wegliniec (dt. Kohlfurt).
Es wird vermutet, dass es im Ort bereits seit dem 14. Jahrhundert eine Kirche gab, die ein Filial von Langenau war und vor der Reformation zum Bautzener Dekanat und dessen Görlitzer Sprengel gehörte. Erwähnung fand sie 1520 als Nachtrag in der Meißner Bistumsmatrikel von 1495. Die spätere evangelische Kirche der Pfarrei Rauscha wurde wahrscheinlich Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet und im 18. Jahrhundert neu ausgestattet und erweitert. Während der Kriegshandlungen 1945 erlitt sie schwere Schäden. Nach dem 2. Weltkrieg verfiel sie zunehmend. Im letzten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts erfolgten Sicherungs-, Wiederaufbau- und Restaurierungsarbeiten. Dabei erhielt die Kirche u. a. ein neues Dach. Sie wird als Fried-hofskapelle bezeichnet und dient heute als Totenhalle.
Die polnische katholische Kirchgemeinde nutzt die 1908 im neoklassizistischen Stil errichtete Auferstehungskirche des Herrn als Gottesdienststätte.
Zur Pfarrei Rauscha waren Anfang des 19. Jahrhunderts nach August Schumanns Post- und Zeitungslexikon eingepfarrt: Stenker, Neuhammer, Neuhaus, Kremsdorf, Thiemsdorf, Schönberg, Kirchstadt, Schnellförtel, der westliche Teil von Tiefenfurt, Mühlbock, Heiligensee.
Die Bücher (Nr. 1 - 3) entstanden in den Dienstzeiten der Pfarrer:
Bartholomäus Benedictus (1591 - 1604)
Franciscus Lange (bis 1609)
Nicolaus Thomas (1609 - 1611)
Elias Schön (1611 - 1635)
Gottfried Göbel (1635 - 1644)
Daniel Majus (1644 - 1666)
George Filitius (1667 - 1697)
Mag. Gottfried Michael Fetter (1697 - 1732)
Das vierte zum Bestand gehörende Buch wurde in der Dienstzeit des Pfarrers Benjamin Gotthold Ruffer (1786 - 1811) geschrieben.
Bestandsgeschichte
Drei Kirchenbücher von Rauscha wurden am 17.10.1959 vom Ratsarchiv Görlitz in das damalige Landesarchiv Bautzen übernommen. Möglicherweise waren sie kriegsbedingt in das Görlitzer Archiv gelangt. Anzunehmen ist, dass die Bücher auf der Flucht aus dem seit Mai 1945 unter polnischer Verwaltung stehenden Ort Rauscha (poln. Ruszów) mitgenommen und dann abgegeben wurden. Die Bücher wurden in den Jahren 1592 - 1629 und 1635 - 1722 angelegt. Sie enthalten Tauf-, Heirats- und Sterbeeinträge.
Sie wurden zunächst dem Bestand "Amtsgericht Görlitz", Bestandsteil "Gemeindeschöppenbücher" zugeordnet und waren unter den Signaturen AG Görlitz SB 138 - 140 bedingt erschlossen. Anfang der 2000er Jahre erhielt der Bestand das Bestandskürzel 50051 und die Bücher die Signaturen 50051-138 bis 50051-140.
Der Erhaltungszustand aller Schöppenbücher des Bestandes 50051 war kritisch. Auch waren die Bücher bei der Verfilmung der sächsischen Gerichtsbücher in den 1990er Jahren unberücksichtigt geblieben.
2016 standen finanzielle Mittel zur Verfilmung der Görlitzer Schöppenbücher zur Verfügung. Vor dieser war jedoch die restauratorische Behandlung der Archivalien notwendig. Angelegentlich der Maßnahme wurde eine Bestandstrennung vorgenommen. Alle Gemeindeschöppenbücher wurden dem neu gebildeten Bestand 50616 Gerichtsbücher der preußischen Oberlausitz und die drei Kirchenbücher dem neuen Bestand 50617 Pfarramt Rauscha zugeordnet.
Am 24.08.2015 wurde das älteste Kirchenbuch (50617-1) dem Archivzentrum des Sächsischen Staatsarchivs in Wermsdorf zur Restaurierung, Neuverpackung und Verfilmung übergeben. Die beiden anderen Bücher folgten am 24.07.2017. Nach Abschluss der Arbeiten erfolgte die Rücklagerung am 26.04.2019. Für die Benutzung stehen seitdem zwei Mikrolesefilme zur Verfügung. Ausstehend ist noch die Digitalisierung dieser Filme für eine effizientere Benutzbarkeit.
Am 22.06.2022 übernahm das Staatsfilialarchiv einen weiteren Band des Rauschaer Kirchenbuches. Es handelt sich dabei um das Verzeichnis der Geburten/Taufen, Ehen und Sterbefälle der Jahre 1788 bis 1799. Die Archivale war im Januar 2022 auf dem Antikmarkt in Alsfeld/Hessen von einem polnischen Händler angeboten worden. Der private Erwerber, der die Bedeutung und den Erhaltungszustand des Buches fachlich gut einschätzen konnte, ermittelte über die Online-Rechere den im Staatsfilialarchiv bereits vorhandenen Bestand und bot es zum Kauf an. Das Sächsische Staatsarchiv genehmigte den Ankauf und erwarb es.
Das Buch ist, trotz leichter Verformung des Buchkörpers, weniger Risse und der fehlenden ersten Seiten, insgesamt in einem guten, alterungsgemäß erwartbaren Erhaltungszustand.
Am 08./09.10.2024 erfolgte die Verzeichnung in die Datenbank AUGIAS und sowie die technische Bearbeitung und Magazinierung der Archivale. Die Verfilmung und/oder Digitalisierung steht noch aus bzw. sollte geplant werden.
Das Findbuch wurde erstellt. Somit ist der Bestand nunmehr voll erschlossen.
Quellenverzeichnis
1. Archivalische Quellen:
- Akten- und Bibliothekszugangsbuch des Landesarchivs Bautzen, Archivverbund Bau-tzen, Staatsfilialarchiv, Geschäftsakten Staatsfilialarchiv Nr. 169
2. Gedruckte Quellen:
- Beitrag zur Rauschaer Pfarrgeschichte, In: Lausitzisches Magazin, 31. Dezember 1786, S. 386 - 389
- Haupt, Walter: Die Meißener Bistumsmatrikel von 1495, Dresden 1968
- Menzel, Steffen: Die Ratsdörfer der Stadt Görlitz, Krobnitzer Hefte 2, Rothenburg, 2010
- Neß, Dietmar: Schlesisches Pfarrerbuch, Bd. 9 Schlesische Oberlausitz, Leipzig 2016
- Schumann, August: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen, Bd. 8, Zwickau 1821
3. Online Quellen:
- Internetseite der Stadt Wegliniec: wegliniec24.pl (abgerufen am 09.10.2024)
Als Siedlung existierte Rauscha vermutlich bereits seit der slawischen Zeit. Den Ortsnamen leitet Arnošt Muka Ende des 19. Jahrhunderts, vom altslawischen Personennamen Ruš (Ruchoslaw) ab. Die erste urkundliche Erwähnung des Walddorfes stammt aus dem Jahr 1438. In dieser Zeit gehörte der Ort zur Herrschaft Penzig. 1491 kaufte der Rat von Görlitz den Hammer mit allem Zubehör und den Zinspflichtigen zu Rauscha. Nachdem die Stadt Görlitz im Pönfall 1547 das Dorf verloren hatte, erhielt sie es 1553 zurück. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort 1641 durch einen Brand stark geschädigt und wiederaufgebaut. Das Eisenhütten- und Schmiedegewerkbe blühte bis in die Wendezeit 17./18. Jahrhundert. 1706 wurde die Glashütte gegründet. Sie entwickelte sich schnell zum Zentrum der Glasmacherei in der Oberlausitz. Im 18. Jahrhundert siedelte sich zudem eine Töpferei an. 1812 errichtete der Görlitzer Rat eine Brauerei und eine Brennerei, die Bier und Branntwein für die Bevölkerung der "Unteren Walddörfer" herstellten. Nach der Teilung der Oberlausitz im Jahr 1815 wurde Rauscha in den neuerrichten Landkreis Görlitz eingegliedert. Dieser war dem Regierungsbezirk Liegnitz in der Provinz Schlesien im Königreich Preußen unterstellt. 1846 erhielt Rauscha einen Eisenbahnanschluss, der den Ort mit Halbau (poln. Ilowa) und Kohlfurt (poln. Wegliniec) verband. Zur Verwaltung und Bewirtschaftung des reichen Waldbestandes wurde 1854 das Forstrevier Rauscha eingerichtet. Die holzverarbeitende Industrie entwickelte sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit Ende des 2. Weltkrieges 1945 fiel Rauscha unter polnische Verwaltung. Die deutsche Bevölkerung musste den Ort verlassen. Der polnische Ortsname lautet seitdem Ruszów. Der Ort gehört heute zur Stadt Wegliniec (dt. Kohlfurt).
Es wird vermutet, dass es im Ort bereits seit dem 14. Jahrhundert eine Kirche gab, die ein Filial von Langenau war und vor der Reformation zum Bautzener Dekanat und dessen Görlitzer Sprengel gehörte. Erwähnung fand sie 1520 als Nachtrag in der Meißner Bistumsmatrikel von 1495. Die spätere evangelische Kirche der Pfarrei Rauscha wurde wahrscheinlich Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet und im 18. Jahrhundert neu ausgestattet und erweitert. Während der Kriegshandlungen 1945 erlitt sie schwere Schäden. Nach dem 2. Weltkrieg verfiel sie zunehmend. Im letzten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts erfolgten Sicherungs-, Wiederaufbau- und Restaurierungsarbeiten. Dabei erhielt die Kirche u. a. ein neues Dach. Sie wird als Fried-hofskapelle bezeichnet und dient heute als Totenhalle.
Die polnische katholische Kirchgemeinde nutzt die 1908 im neoklassizistischen Stil errichtete Auferstehungskirche des Herrn als Gottesdienststätte.
Zur Pfarrei Rauscha waren Anfang des 19. Jahrhunderts nach August Schumanns Post- und Zeitungslexikon eingepfarrt: Stenker, Neuhammer, Neuhaus, Kremsdorf, Thiemsdorf, Schönberg, Kirchstadt, Schnellförtel, der westliche Teil von Tiefenfurt, Mühlbock, Heiligensee.
Die Bücher (Nr. 1 - 3) entstanden in den Dienstzeiten der Pfarrer:
Bartholomäus Benedictus (1591 - 1604)
Franciscus Lange (bis 1609)
Nicolaus Thomas (1609 - 1611)
Elias Schön (1611 - 1635)
Gottfried Göbel (1635 - 1644)
Daniel Majus (1644 - 1666)
George Filitius (1667 - 1697)
Mag. Gottfried Michael Fetter (1697 - 1732)
Das vierte zum Bestand gehörende Buch wurde in der Dienstzeit des Pfarrers Benjamin Gotthold Ruffer (1786 - 1811) geschrieben.
Bestandsgeschichte
Drei Kirchenbücher von Rauscha wurden am 17.10.1959 vom Ratsarchiv Görlitz in das damalige Landesarchiv Bautzen übernommen. Möglicherweise waren sie kriegsbedingt in das Görlitzer Archiv gelangt. Anzunehmen ist, dass die Bücher auf der Flucht aus dem seit Mai 1945 unter polnischer Verwaltung stehenden Ort Rauscha (poln. Ruszów) mitgenommen und dann abgegeben wurden. Die Bücher wurden in den Jahren 1592 - 1629 und 1635 - 1722 angelegt. Sie enthalten Tauf-, Heirats- und Sterbeeinträge.
Sie wurden zunächst dem Bestand "Amtsgericht Görlitz", Bestandsteil "Gemeindeschöppenbücher" zugeordnet und waren unter den Signaturen AG Görlitz SB 138 - 140 bedingt erschlossen. Anfang der 2000er Jahre erhielt der Bestand das Bestandskürzel 50051 und die Bücher die Signaturen 50051-138 bis 50051-140.
Der Erhaltungszustand aller Schöppenbücher des Bestandes 50051 war kritisch. Auch waren die Bücher bei der Verfilmung der sächsischen Gerichtsbücher in den 1990er Jahren unberücksichtigt geblieben.
2016 standen finanzielle Mittel zur Verfilmung der Görlitzer Schöppenbücher zur Verfügung. Vor dieser war jedoch die restauratorische Behandlung der Archivalien notwendig. Angelegentlich der Maßnahme wurde eine Bestandstrennung vorgenommen. Alle Gemeindeschöppenbücher wurden dem neu gebildeten Bestand 50616 Gerichtsbücher der preußischen Oberlausitz und die drei Kirchenbücher dem neuen Bestand 50617 Pfarramt Rauscha zugeordnet.
Am 24.08.2015 wurde das älteste Kirchenbuch (50617-1) dem Archivzentrum des Sächsischen Staatsarchivs in Wermsdorf zur Restaurierung, Neuverpackung und Verfilmung übergeben. Die beiden anderen Bücher folgten am 24.07.2017. Nach Abschluss der Arbeiten erfolgte die Rücklagerung am 26.04.2019. Für die Benutzung stehen seitdem zwei Mikrolesefilme zur Verfügung. Ausstehend ist noch die Digitalisierung dieser Filme für eine effizientere Benutzbarkeit.
Am 22.06.2022 übernahm das Staatsfilialarchiv einen weiteren Band des Rauschaer Kirchenbuches. Es handelt sich dabei um das Verzeichnis der Geburten/Taufen, Ehen und Sterbefälle der Jahre 1788 bis 1799. Die Archivale war im Januar 2022 auf dem Antikmarkt in Alsfeld/Hessen von einem polnischen Händler angeboten worden. Der private Erwerber, der die Bedeutung und den Erhaltungszustand des Buches fachlich gut einschätzen konnte, ermittelte über die Online-Rechere den im Staatsfilialarchiv bereits vorhandenen Bestand und bot es zum Kauf an. Das Sächsische Staatsarchiv genehmigte den Ankauf und erwarb es.
Das Buch ist, trotz leichter Verformung des Buchkörpers, weniger Risse und der fehlenden ersten Seiten, insgesamt in einem guten, alterungsgemäß erwartbaren Erhaltungszustand.
Am 08./09.10.2024 erfolgte die Verzeichnung in die Datenbank AUGIAS und sowie die technische Bearbeitung und Magazinierung der Archivale. Die Verfilmung und/oder Digitalisierung steht noch aus bzw. sollte geplant werden.
Das Findbuch wurde erstellt. Somit ist der Bestand nunmehr voll erschlossen.
Quellenverzeichnis
1. Archivalische Quellen:
- Akten- und Bibliothekszugangsbuch des Landesarchivs Bautzen, Archivverbund Bau-tzen, Staatsfilialarchiv, Geschäftsakten Staatsfilialarchiv Nr. 169
2. Gedruckte Quellen:
- Beitrag zur Rauschaer Pfarrgeschichte, In: Lausitzisches Magazin, 31. Dezember 1786, S. 386 - 389
- Haupt, Walter: Die Meißener Bistumsmatrikel von 1495, Dresden 1968
- Menzel, Steffen: Die Ratsdörfer der Stadt Görlitz, Krobnitzer Hefte 2, Rothenburg, 2010
- Neß, Dietmar: Schlesisches Pfarrerbuch, Bd. 9 Schlesische Oberlausitz, Leipzig 2016
- Schumann, August: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen, Bd. 8, Zwickau 1821
3. Online Quellen:
- Internetseite der Stadt Wegliniec: wegliniec24.pl (abgerufen am 09.10.2024)
Kirchenbücher.
- 2016 | Elektronisches Findmittel
- 2025-03-12 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.5