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Beständeübersicht

Bestand

40038 Deponierte Risse zum Braunkohlenbergbau

Datierung1800 - 1994
Benutzung im Bergarchiv Freiberg
Umfang (nur lfm)2,20
Deponierte und Fiskalische Risse zum Bergbau

Die vorhandenen Gruben- und Übersichtsrisse dokumentieren seit dem 17. Jahrhundert Umfang und Betriebsfortschritt des sächsischen Bergbaus. Die systematische Überlieferung setzt mit dem 1667 von Kurfürst Johann Georg II. erlassenen Dekret ein, welches für jede Grube die Anfertigung eines Risses und dessen Hinterlegung beim zuständigen Bergamt vorschrieb. Wurde ein Berggebäude stillgelegt, so waren die bisherigen Bergwerksbesitzer gehalten, die Risse gemäß den berggesetzlichen Bestimmungen nachzutragen und bei der zuständigen Bergbehörde zu deponieren. Die Risse bieten Informationen über die untertägige Situation und ermöglichen dadurch Baugrunduntersuchungen und bergschadenkundliche Analysen. Daneben enthalten sie interessante Einzelheiten für die Flurnamenforschung, zur Technikgeschichte sowie zur Kunst- und Sozialgeschichte. Sie lassen Rückschlüsse auf die in den Gruben vorhandene Technik und die Rekonstruktion von Lage und Funktion der dazugehörigen Übertagegebäude zu.

Bearbeitungsbericht zu den Deponierten Rissen zum Braunkohlenbergbau (ehemaliger Teilbestand 1)
Die Deponierten Braunkohlenrisse waren bis Ende 1999 in einer zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebauten Holzregalanlage gelagert und wegen der beengten Raumverhältnisse sehr ungünstig untergebracht. Große und kleine Risse lagen aufeinander. Teilweise waren übergroße Risse auf den Regalen abgelegt. Baumaßnahmen im Bergarchiv machten die Lösung des schon lange bestehenden und erkannten Problems unaufschiebbar.
Zur Optimierung des Platzbedarfs wurden die unterschiedlichen Signatursysteme der verschiedenen Bestände durch ein einheitliches zweigliedriges ersetzt. Die Buchstaben A bis L geben einen Hinweis auf Größe und Form des Risses und damit auf seine Lagerung. Die sich anschließende fortlaufende Zahl ist die eigentliche Signatur.

Kluster - Beschreibung
A - Rollriss bis 60 cm Tiefe und 7 cm Durchmesser
B - Rollriss ab 60 cm bis 90 cm Tiefe und 7 cm Durchmesser
C - Rollriss ab 90 cm bis 120 cm Tiefe und 9 cm Durchmesser
D - Rollriss ab 120 cm bis 160 cm Tiefe und 11 cm Durchmesser
E - Rollriss ab 160 cm bis 200 cm Tiefe und 11 cm Durchmesser
F - Rollriss ab 200 cm Tiefe und 13 cm Durchmesser
G - Risse oder Anlagen im Folioformat
H - Planliegende Risse bis 59,4 cm x 42,1 cm (DIN A 2)
I - Planliegende Risse bis 84,1 cm x 59,4 cm (DIN A 1)
K - Planliegende Risse bis 118,9 cm x 84,1 cm (DIN A 0)
L/M - Sonderformate

Die neue Signatur "D 15804" dient also einerseits als Hinweis auf die ungefähre Größe des Risses (Rollriss zwischen 120 und 160 cm Tiefe), sie leitet den Magazindienst zum richtigen Lagerungsort und ermöglicht ein späteres eindeutiges Identifizieren des Risses.

Während des Umsignierens wurden auch etwaige Schäden erfasst. Risse, die wegen solcher Schäden nicht mehr benutzt werden können, werden in den Konkordanzen als "gesperrt" gekennzeichnet. Auch weist das Findbuch auf vorhandene Xerokopien oder Lichtpausen der Risse hin.

Vom Juli 2010 bis Oktober 2010 wurde von Beate Lohse die Findkartei des Bestandsbildners in das Archivsystem AUGIAS retrokonvertiert. Das Projekt umfasste lediglich die Retrokonversion der überlieferten Findkartei und entsprechend wurden auch Verzeichnungsmängel oder Fehler der überlieferten Findkartei übernommen. Es wurde aber eine Plausibilitätsprüfung der Eintragungen (Ortsbezeichnungen, Firmennamen) vorgenommen, jedoch ohne Einsicht in die Archivalien zu nehmen.

Bei Projektbeginn waren bereits rudimentäre Datensätze in AUGIAS eingegeben. Im Zuge der Arbeiten wurden die bestehenden AUGIAS-Datensätze erweitert um die Informationen aus der Findkartei:

a. Klassifikation. Hier wurden vorzugsweise durch Recherchen im Bestand 40038-2 Winkelbücher sowie im Internet die Revierzugehörigkeit des jeweiligen Braunkohlenwerkes bestimmt (1. Klassifikationspunkt) sowie der jeweilige Betrieb (2. Klassifikationspunkt).
b. Als Titel wurde die Information der Karteikarte übernommen ohne die Angabe zum Winkelbuch
c. Der Bestand ist teilweise verficht. Somit wurde in jeden Datensatz die entsprechende Makrofiche-Nummer eingetragen
d. Die Beschreibstoffangabe wurde eingetragen
e. Die Maßstabsangabe wurde eingetragen
f. Die Jahresdatierung wurde eingetragen
g. Im AUGIAS-Feld "angelegt von" wurde der Name des Markscheiders o.ä. eingetragen.
h. Viele Karteikarten trugen einen Verweis auf ein Winkelbuch. Diese Verweise waren bei Projektbeginn bereits in AUGIAS angelegt (Feld "Verweis") und wurden nicht verändert
i. Da auf den überlieferten Karten der Findkartei regelmäßig keine inhaltlichen Informationen eingetragen sind, wurde im AUGIAS-Feld "Enthält-Vermerk" kein Eintrag vorgenommen.

Nach der Beendigung des Retrokonversionsprojektes bleibt der Bestand bedingt erschlossen. Es sind jetzt in AUGIAS 758 (K 16401 - K 17158) Verzeichnungseinheiten recherchierbar, sechs dieser Datensätze mussten aber auf Grund der reinen Retrokonversion rudimentär bleiben (kein Titel o.ä.), da die zugrundeliegende Findkartei keine Angaben enthielt.
Die Risse mit den ehemaligen Signaturen Dep. Brk 372 bis 408 wurden dem Rissbestand Bergamt Görlitz zugeordnet.
Bei der Bearbeitung fiel ein starkes Ungleichgewichtung der überlieferten Betriebe auf. Von der Mehrzahl der Betriebe sind ein bis drei Blatt Risse überliefert, von reichlich einem Dutzend Betriebe sind mehr als fünf Blatt und von sechs Betrieben sind mehr als zehn Blatt überliefert. Vom Königlichen Braunkohlenwerk in Kaditzsch bei Grimma liegen 43 Blatt vor. Probleme bereitete bei der Retrokonversion oftmals die Schreibweise der Orts- sowie insbesondere der Betriebsnamen. Die Ortsbezeichnungen wurden nach heutigem Gebrauch übernommen, die Betriebsnamen wurden für Zwecke der Klassifikation vereinheitlicht, ohne die Schreibweise dem heutigen Gebrauch anzupassen.
Die alte Signatur der Risse ist im Feld "alte Archivsignatur" ausgewiesen.
Vermerke zu Sperrungen (die aus Gründen der Bestandserhaltung notwendig sind) und vorhandenen Kopien sind unbedingt zu beachten.

Korrespondierende Bestände

40024-03 Landesbergamt - Baugrunduntersuchungen
40024-07 Landesbergamt - Braunkohle
40038-1 Deponierte Braunkohlenrisse
40038-2 Deponierte Braunkohlenrisse, Winkelbücher
40051 Bergamt Leipzig
40067-1 Bergbehörde Borna
40085 Revierausschuss Freiberg
40093 VVB Braunkohle Leipzig, Sitz Borna
40128-04 Gewerkschaft Leipzig-Dölitzer Kohlenwerke
40128-05 Staatliche Sächsische Braunkohlenwerke Leipnitz
40128-09 Leipziger Braunkohlenwerke Kulkwitz AG, Kulkwitz
40128-13 Braunkohlenwerk "Grube Flora" Ragewitz
40175 VEB Braunkohlenwerk "Grube Flora" Ragewitz
40185 VEB Braunkohlenwerk Kulkwitz
40193 VEB Braunkohlenwerk Leipnitz


Literatur zum Bestand
Die Bestände des sächsischen Bergarchivs Freiberg, Halle 2003.


Freiberg, Oktober 2010
Clemens Heitmann / Beate Lohse



Winkelbücher (ehemaliger Teilbestand 2)

Winkelbücher (auch Observationen-, Zug-, Nivellement- und Verziehbücher genannt) sind tabellarisch eingerichtete Bücher, in die der Markscheider seine Messungen und Beobachtungen unter Tage einträgt. Um eine Wiederherstellung von verlorenen Rissen ohne erneute Befahrung der Gruben gewährleisten zu können, wurden sie von den Bergämtern seit dem 17. Jahrhundert gesammelt.
Bis etwa 1980 waren die Winkelbücher zu den Deponierten Braunkohlenrissen nur indirekt über die Risskartei zugänglich. In dieser Zeit erfolgte eine erstmalige Verzeichnung und Umsignierung der Winkelbücher, wobei die neue Signatur aus einer fortlaufenden Nummer und einer Bündelzählung bestand. Auf die zugehörigen Risse wurde verwiesen.
Im Oktober 1998 erfolgte durch eine Aushilfskraft eine Grobreinigung und Kartonierung. Im Zuge dieser Arbeiten sollte gleichzeitig eine Streichung der verwirrenden Bündelnummern sowohl auf dem Archivale als auch im Findhilfsmittel vorgenommen werden.
Bei der Umsignierung der Risse wurde 1999 festgestellt, dass sich im Bestand weitere Winkelbücher befanden. Diese wurden teilweise nachverzeichnet, jedoch mussten 0,4 lfd m wegen der Vorrangs der Beräumung des Archivgebäudes Kirchgasse unverzeichnet an das Ende des Bestandes gelegt werden.
Bei Auslagerungen wurde festgestellt, dass die technische Bearbeitung mangelhaft erfolgt und der Bestand dabei durcheinander geraten war.

Im Januar 2005 erfolgte eine Neuverzeichnung in AUGIAS 7.4., dabei wurden fehlerhafte Angaben korrigiert und die Grubennamen mit dem Bestand Landesbergamt-Braunkohlenangelegenheiten abgeglichen. Zusammengehörige Risse und Winkelbücher wurden durch gegenseitige Verweise mit den gültigen Signaturen ergänzt. Im Anschluss erfolgte durch Frau Reichelt eine Reinigung und Etikettierung des Bestandes. Unter den unverzeichneten Stücken wurden mehrere Winkelbücher aus der Sammlung Heinrich Klötzer erkannt und diesem Bestand zugeordnet.


Freiberg, März 2005
Zimmermann
Gruben- und Übersichtsrisse.- Schacht- und Flözprofile.- Flurkarten.- Markscheiderische Vermessungsunterlagen.- Winkelbücher.
  • 2005 | Findbuch/Datenbank (Winkelbücher)
  • 2012 | Findbuch/Datenbank (Risse)
  • 2020-09-16 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.1
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