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Beständeübersicht

Bestand

20568 Rittergut Wachau bei Leipzig

Datierung1583 - 1868
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)5,00

Geschichte des Ritterguts Wachau

Das altschriftsässige Rittergut Wachau befand sich östlich von Markkleeberg und südlich von Leipzig im Amt Leipzig (1856 Amtshauptmannschaft Leipzig, 1939 Landkreis Leipzig, 1994 Landkreis Leipziger Land, 2008 Landkreis Leipzig). Die Jurisdiktion erstreckte sich nur über das Dorf Wachau und ging im Juli 1856 an das Gerichtsamt Leipzig II über.
Die Besitzer können bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgt werden. 1377 wurde Wachau von Nikolaus und Heinrich von Heinitz an das Nonnenkloster Ilegenthal zu Buch bei Leisnig verkauft. Bis zur Säkularisierung verblieb Wachau in geistlichem Besitz. Danach ist zunächst nur bekannt, dass es an die Familie von Penig fiel. Um 1551 gelangte es in den Besitz der von Ponickau. Tobias von Ponickau verkaufte das Rittergut 1583 an den Rat der Stadt Leipzig. Dieser veräußerte Wachau nur zwei Jahre später an das Ratsmitglied Kilian Kühlewein, der das Rittergut völlig neu aufbaute. Wachau ist damit sogleich ein Rittergut, welches sehr früh in bürgerlichen Besitz gelangte. Bathasar Blasebalgk konnte Wachau 1592 erwerben. Über dessen Erben kam das Rittergut durch Erbkauf an den Ratsbaumeister Walter Johann Vetzer. Obwohl bis 1730 mehrmals die Namen der Besitzer wechselten, wurde Wachau immer innerhalb der Familie vererbt. Allerdings übernahmen mehrmals die Schwiegersöhne der Vorbesitzer das Rittergut. Als Sohn von Justus Gottlieb Rabener wurde auf dem Rittergut Wachau Gottlieb Wilhelm Rabener geboren, ein Schriftsteller der Frühaufklärung der besonders als Satiriker Bekanntheit erlangte. Von Justus Gottlieb Rabener kaufte Balthasar Faber 1730 Wachau. In dessen Familie blieb das Rittergut bis 1778. Anschließend erwarb Quirin Gottlieb Schacher das Rittergut Wachau. Nach dessen Tod 1801 übernahm Johann Gottlob Quandt den Besitz. In dessen Zeit als Rittergutsbesitzer fiel auch die Völkerschlacht bei Leipzig, durch die das Dorf schwer zerstört wurde. Sein gleichnamiger Sohn veräußerte das Rittergut 1828. Danach folgte eine Reihe schnellerer Besitzwechsel, ehe es 1840 Johann Gottlob Schulze kaufte. Nach der Familie Schulze folgte die Familie Weinschenk, die bis zum Anfang des 20. Jahrhundert das Rittergut Wachau in ihrem Besitz hatte. Zuletzt gehörte Wachau der Stadt Leipzig und dann bis 1945 dem Johannis-Hospital in Leipzig.

Besitzverhältnisse:[01]
JahrBesitzer des Ritterguts Wachau
bis 1377
Nikolaus und Heinrich von Heinitz
ab 1377
Nonnenkloster Ilegenthal (Buch)
1536
Säkularisierung, Kauf durch von Penig (heute von Schönburg)
um 1551
Hans von Ponickau
bis 1583
Tobias von Ponickau
1583 – 1585
Rat zu Leipzig
1585 – 1589
Kilian Kühlewein
1589 – 1592
Kilian Kühleweins Erben
1592 – 1599
Balthasar Blasebalgk
1599 – 1619
Balthasar (Balzer), Hans und Paul Christoph Blasebalgk
1619 – 1633
Walter Johann Vetzer
1635 – 1636
Rosine Kühlewein, Anne Sophie Mossbach und Magdalena Elisabeth Hoff, alle geb. Vetzer
1637 – 1638
Friedrich Kühlewein
1639 – 1669
Georg Nitzschky
1669 – 1690
Regine Nitzschky, geb. Vetzer
1691 – 1708
Wilhelm Nitzschky
1709 – 1730
Justus Gottlieb Rabener
1730 – 1734
Balthasar Faber
1735 – 1755
Christiane Sophie Faber
1756 – 1777
Dr. Johann Balthasar Faber
1777 – 1778
Ernst Wilhelm Faber
1778 – 1801
Quirin Gottlieb Schacher
1801 – 1818
Johann Gottlob Quandt (sen.)
1818 – 1828
Johann Gottlob Quandt (jun.)
1828 – ca. 1830
Dr. Christian Gottfried Hillig
ca. 1830 – ca. 1832
Johann August Böhme
ca. 1833 – 1840
Carl Heinrich Ad. von Leipziger
1840 – 1850
Johann Gottlob Schulze
1850 – 1853
Johanne Friederike Schulze
1853 – 1856
Wilhelm und Hermann Schulze, Frau Fricke und Frau Meinert (beide geb. Schulze)
1856 – 1858
Friedrich Wilhelm Weinschenk
1858 – 1904
Ferdinand Wilhelm Weinschenk
1904 – 1914
Stadt Leipzig
1914 –1945
Johannis-Hospital Leipzig
Bestandsgeschichte und -bearbeitung

Ein erster Teil des Bestandes ist zusammen mit anderen Gutsarchiven 1958 aus dem damaligen Landeshauptarchiv Dresden nach Leipzig gelangt. Etwa zwei Jahre später kam ein weiterer Teil (Nr. 273 – 405) aus dem Archiv des Amtsgerichts Leipzig hinzu. Ergänzt durch Akten der Amtshauptmannschaft Leipzig wurde der Bestand 1964 mit 431 AE formiert und durch eine handschriftliche Findkartei mit einer groben Gliederung erschlossen. 2003 wurde 3 AE provenienzgerecht dem Gerichtsamt Leipzig II zugefügt, deshalb sind die Nr. 375, 377 und 379 Fehlsignaturen.
Bei der 2011 durchgeführten Retrokonversion wurden die Titel aus der Findkartei übernommen, sprachlich aber dem Datenbank-Standard angepasst. Fehlende Angaben wurden durch Aktenüberprüfung ergänzt; unklare bzw. falsche Titel in Einzelfällen auch ganz verändert. Zusätzlich wurde ein Personen- und Ortsregister erstellt sowie die vorhandenen Gerichtsbücher im Bestand 12613 virtuell verzeichnet.

Überlieferungsschwerpunkte

Der Bestand umfasst den Zeitraum von 1555 bis 1856, dem Jahr der Abgabe der Gerichtsbarkeit, und besteht aus 428 AE, die vor allem aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen. Schwerpunkte der Überlieferung bilden die Gerichtsprotokolle und die Zivilgerichtsbarkeit. Über die Völkerschlacht bei Leipzig findet man Hinweise bei der Lokalverwaltung in den Punkten Militärangelegenheiten sowie Brand- und Versicherungs-angelegenheiten. Im Familienarchiv befinden sich keine Privatunterlagen der Rittergutsbesitzer, sondern nur Akten zu Landtagsangelegenheiten.

Hinweise für die Benutzung

Die Erfassung erfolgte mit dem PC-Programm AUGIAS für Windows, mit dem auch Orts- und Personenregister erstellt wurden.
Bei der Bestellung und Zitierung ist anzugeben: StA-L, 20568, RG Wachau, Nr. (fettgedruckte Zahl).

Verweise auf korrespondierende BeständeHauptstaatsarchiv Dresden:
12613 Gerichtsbücher
Staatsarchiv Leipzig:
20097 Gerichtsamt Leipzig II
20557 Rittergut Stötteritz


Carsten Voigt

Oktober 2011




[01] StA-L, 20568 RG Wachau, Nr. 154; Sachsens Kirchengalerie. Neunter Band: Die Inspektionen Leipzig und Grimma, Dresden o. J. [1844], S. 44 f.; Pönicke, Gustav Adolf (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser Sachsens, Bd. 1: Leipziger Kreis, Bautzen 1860, S. 23 f.; Ferdinand Wilhelm Weinschenk, Chronik von Wachau, Leipzig o. J. [1902], S. 119-120; Im Pleisse- und Göselland. Zwischen Markkleeberg, Rötha und Kitscher, hrsg. von Pro Leipzig, Leipzig 1999, S. 76-79.
Grundlagen der Patrimonialherrschaft.- Gerichtsverwaltung.- Gerichtsbücher.- Gerichtsprotokolle.- Strafgerichtsbarkeit.- Zivilgerichtsbarkeit.- Freiwillige Gerichtsbarkeit.- Lokalverwaltung.- Patronat (1868).- Einziehung landesherrlicher Steuern.- Grundherrlich-bäuerliche Verhältnisse.- Landtagsangelegenheiten.
Östlich von Markkleeberg im Territorium des Amts Leipzig befand sich das altschriftsässige Rittergut Wachau. Als Besitzer des Guts sind bereits seit Ende des 16. Jahrhunderts bürgerliche Familien bekannt: Kühlewein, Nitzschky, Faber, Schacher, Quandt, Hillig, Schulze und Weinschenk. Im Zuge der Verstaatlichung der Justiz in Sachsen ging die Gerichtsbarkeit des Ritterguts im Juli 1856 auf das Gerichtsamt Leipzig II über.
  • 2011 | Findbuch / Datenbank
  • 2023-11-13 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.5
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