Hauptinhalt

Beständeübersicht

Bestand

20578 Rittergut Wolkenburg mit Kaufungen

Datierung1530 - 1945
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)17,80
Geschichte des Rittergutes

Wolkenburg, jetzt ein Ortsteil der Stadt Limbach-Oberfrohna, liegt im heutigen Kreis Chemnitzer Land (vorher Landkreis Glauchau und von 1875 bis 1945/52 Amtshauptmannschaft Rochlitz).
Wolkenburg wurde im Jahre 1241 erstmals als Herrensitz erwähnt. Die wohl zum großen Teil aus der Herrschaft Drachenfels gebildete Herrschaft Wolkenburg mit der auf steilem Felsen über dem rechten Muldenufer bereits Ende des 12. Jh. errichteten Burg besaßen die zu diesem Zeitpunkt erstmals erwähnten Reichsministerialen von Wolkenburg. Ihre Herkunft kann man wohl wegen einer Namensübertragung aus der Nähe von Drachenfels und Wolkenburg – Erhebungen im rheinischen Siebengebirge – vermuten. Seit 1274 sind für etwa 100 Jahre die vielleicht mit ihnen verwandten Reichsministerialen und Herren von Colditz als Besitzer von Wolkenburg nachweisbar, deren eine Linie sich auch nach Wolkenburg nannte und dort ständig residierte.
Spätestens Anfang des 15. Jahrhunderts wettinisch geworden, wurde das Geschlecht der von Kaufungen mit Wolkenburg belehnt, 1485 dann die Familie von Ende, von der als Förderer der Reformation Götz von Ende bekannt geworden ist.
Wegen starker Verschuldung musste einer der Nachfahren, Haubold von Ende, den Besitz zunächst 1627 auf Wiederkauf, dann 1635 endgültig an Heinrich Hildebrand von Einsiedel(1586-1651) auf Scharfenstein, Weißbach und Löbichau verkaufen. Nach der Erbteilung seiner Söhne Rudolf Haubold und Heinrich Hildebrand ist Wolkenburg zum Stammsitz eines Astes und der später gräflich Einsiedelschen Familie geworden.
Rudolf Haubold (1616-1654) gilt als Stammvater dieses zur Scharfensteiner Linie gehörigen Einsiedelschen Familienzweiges, obwohl er bereits 1654 früh verstarb und mehr auf Studien und Gelehrsamkeit als auf Mehrung des Besitzes bedacht war. Er legte den Grundstein für eine bedeutende Wolkenburger Bibliothek, die bis ins 19. Jh. nachweisbar ist.
Sein posthum geborener Sohn Hans Haubold (1654-1700), seit 1688 Hofmarschall, später Oberhofmeister der Kurfürstin Anna Sophia, war einer der einflussreichsten Männer Sachsens. Er konnte die Grundlagen für einen umfangreichen Besitz seiner Erben legen, wofür wohl in erster Linie die Heirat mit AnnaSophia von Rumohr (1671-1725), Tochter des dänischen Geheimen Rates und Gesandten am Dresdener Hof, später königlich polnischen und kursächsischen Hofmarschalls Cay von Rumohr, gesorgt hat.
Hans Haubold kaufte im Jahre 1694 die freie Standesherrschaft Seidenberg mit Reibersdorf in der Oberlausitz, 1696 das Rittergut Gersdorf und 1697 das Rittergut Ehrenberg. Dem Wolkenburger Besitz fügte er im Jahre 1698 das benachbarte Dorf Wolperndorf, gelegen im Altenburger Territorium, hinzu.
Seine Witwe Anna Sophia, Oberhofmeisterin der Kurfürstinwitwe, kaufte 1703 die Rittergüter Oppurg und Knau bei Neustadt/Orla sowie im Jahre 1703 die Berg- und Hüttenwerke Sangerhausen und Bottendorf; schließlich erbte sie nach dem Tod ihres Vaters umfangreiche Besitzungen in Holstein.

So war der Besitz für die beim Tod des Vaters noch unmündigen fünf Kinder – drei Söhne und zwei Töchter – wesentlich vermehrt worden und wurde nach dem Tod der Mutter im Jahre 1725 unter den drei Söhnen folgendermaßen geteilt:
- Johann Georg (1692-1760) seit 1720 auf Wolkenburg, Saathain und Ehrenberg,
seit 1726 Gersdorf mit Böhringen
- Cay Rudolf Haubold (1693-1730) Oppurg und Knau
- Detlev Heinrich (1698-1746) Standesherrschaft Seidenberg mit Reibersdorf.

Die Besitzungen in Holstein und die Berg- und Hüttenwerke Sangerhausen und Bottendorf sowie das Haus auf der Seegasse in Dresden wurden gemeinsamer Besitz.
Johann Georg Graf von Einsiedel konnte den Besitz nach dem Tod seiner Brüder ohne Erben schließlich wieder zusammenführen. Er hatte Bedeutung als königl. polnischer und kursächsischer Geheimer Rat und Erster Hofmarschall unter Friedrich August III. und wurde im Jahre 1745 in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben. Im Jahre 1720 hatte er Eva Charlotte Friedericke Gräfin von Flemming (1704-1758), Erbin von Harthau und Goldbach bei Bischofswerda, geheiratet.

Aus der Ehe gingen die Söhne Johann Georg Friedrich Graf von Einsiedel (1730-1811), Stammvater des Zweiges Seidenberg-Reibersdorf, und Detlev Carl Graf von Einsiedel (1737-1810), Stammvater des Zweiges Wolkenburg, hervor. Deren Erbteilung nach 1760 war entscheidend für die nachfolgenden Generationen.

Detlev Carl Graf von Einsiedel heiratete im Jahre 1764 Sidonie Albertine Gräfin und Herrin von Schönburg-Lichtenstein (1745-1787), mit der er neun Kinder hatte, davon 5 Söhne. Er besaß zunächst Wolkenburg mit Wolperndorf, Ehrenberg, Saathain und Knau und kaufte 1766 das Rittergut Kaufungen mit Bräunsdorf sowie im Jahre 1801 das Rittergut Niederfrohna. Einen besonderen Zuwachs für diese Familie bedeutete jedoch sein Erbe, ausgesetzt von einer Patentante von Löwendahl auf Mückenberg. Es handelte sich um die Rittergüter Mückenberg und Saathain mit dem Eisenwerk Lauchhammer. Das Werk war vom kurfürstlich-sächsischen Bergwerksdirektor und Oberhofmarschall Freiherr Woldemar von Löwendahl für seine Frau Benedikte Margarethe geb. von Rantzau gegründet worden. Detlev Carl Graf von Einsiedel verstand es, dieses Werk auszubauen und durch die Herstellung qualitätsvoller Kunstwerke aus Eisenguss, seit dem Jahre 1784, später auch Bronzeguss, zu großem Ansehen zu bringen. 1790 kaufte er das Eisenwerk Burghammer nördlich Hoyerswerda und gründete das Eisenwerk Gröditz. Er gilt als ein besonderer Förderer der mitteldeutschen Eisenindustrie.

Ein besonderes Denkmal setzte Detlev Carl Graf von Einsiedel sich und seiner Familie durch den Bau der neuen Kirche gegenüber dem Schlossberg, verbunden mit dem Schloss durch eine Brücke. Dieses Bauwerk, als eine der schönsten klassizistischen Dorfkirchen in Sachsen geltend, wurde in den Jahren 1794-1804 errichtet.
Das Altargemälde "Jesus segnet die Kinder" wird als Oesers letztes Meisterwerk bezeichnet, obwohl er es nicht vollenden konnte, was Hans Veit Schnorr von Carolsfeld besorgt hat. An den Porticus-Vorbauten befinden sich zwei gusseiserne Reliefs und in der Kirche zwei Engel aus dem Lauchhammerwerk; weitere Werke stehen im Schlosshof und im Schlosspark. Vor Kirche und Schloss wurde eine eindrucksvolle Büste von Detlev Carl Graf von Einsiedel aufgestellt. In sächsischen Staatsdiensten arbeitete er als Geheimer Rat und Konferenzminister, hatte u. a. im Jahre 1769 die landesherrlichen Huldigungen in Borna, Colditz und Delitzsch entgegengenommen, 1775 das Schuldenwesen der Stadt Leipzig zu regulieren und in zwei Fällen spätere Ehefrauen sächsischer Prinzen im Heimatland zu übernehmen: 1787 die kaiserliche Prinzessin Therese für den Prinzen Anton und 1792 die Prinzessin Caroline in Parma für den Prinzen Maximilian. In den Jahren 1764-1775 wurde er zum Kreishauptmann des Leipziger Kreises bestellt. Er war seit 1799 Landschaftsdirektor und Obersteuereinnehmer im Herzogtum Altenburg und von 1777-1810 Vorsitzender der Ökonomischen Sozietät zu Leipzig.

Im Jahre 1804 übergab Detlev Carl die Leitung der Werke und Besitzungen seinem Sohn Detlev, nahm aber bis zu seinem Tode im Jahre 1810 weiterhin regen Anteil an der Entwicklung des Lauchammerwerkes. Beim Tod des Vaters lebten nur noch vier Söhne: Carl (1770-1841), Detlev (1773-1861), Ferdinand (1775-1833) und Adolf (1776-1821).

Carl Graf von Einsiedel erhielt die Rittergüter Wolkenburg, Kaufungen, Niederfrohna und Wolperndorf; er wurde zum Stifter des Wolkenburger Zweiges 1. Haus Wolkenburg. Nur aus diesem Familienzweig stammen die männlichen Nachkommen des Detlev Carl. In den Händen seiner Erben befand sich der Besitz bis 1945. Er erlangte Bedeutung als kursächsischer, später königlicher Geheimer Rat und Gesandter am bayerischen und am württembergischen Hof. Verheiratet war er in 1. Ehe mit Sophia Augusta Gräfin von Loeben (1775-1797) und in 2. Ehe mit Wilhelmine Louise Adelaide Freiin von Edelsheim (1778-1830).
Detlev Graf von Einsiedel besaß die Rittergüter Ehrenberg, Mückenberg, Frauendorf und Saalgast, das Landhaus Briesnitz bei Dresden, die Lauchhammerwerke sowie das Stahl- und Walzwerk Riesa, er arbeitete in sächsischen Staatsdiensten u.a. als Geheimer Finanzrat (1801), Geheimer Rat, Kabinettsminister (1813-1830) und Gesandter beim Wiener Kongress (1815). Im Jahre 1830 wurde er gestürzt. Er blieb ohne männliche Erben.
Ferdinand war bis zu seinem Tode Mitherr auf Wolkenburg, arbeitete als königlich-preußischer Oberbergmeister von Oberschlesien seit 1811 und Berghauptmann von Schlesien seit 1819. Er blieb ohne Kinder.
Adolf war bis zu seinem Tode Mitherr auf Wolkenburg. Er schlug eine militärische Laufbahn ein, zuletzt war er preußischer Oberst. Sein Sohn Clemens (1817-1892) kaufte 1854 das Rittergut Radibor bei Bautzen, so dass Adolf als Stifter des Wolkenburger Zweiges
2. Hauses Radibor gilt. Dieser Familienzweig ist in männlicher Linie erloschen.
Nach dem Tode des Carl Graf von Einsiedel kam der Besitz Wolkenburg mit Kaufungen und benachbarten Rittergütern zunächst an den Sohn Karl (1801-1861) (Mitbesitzer war ein kranker Bruder Maximilian Friedrich); nach dessen Tod wurden die Söhne KarlFriedrich (1834-1893) und Franz Detlev (1845-1894) je zur Hälfte Besitzer.
1851 trat Karl Graf von Einsiedel die Gerichtsbarkeit des Ritterguts Wolkenburg mit Kaufungen an den Staat ab. In Bezug auf Wolkenburg, Kaufungen, Dürrengerbisdorf, Herrnsdorf, Jahnshorn, Mühlwiese, Schlagwitz und einen Anteil von Franken ging diese Jurisdiktion am 28. November 1851 an das Königliche Gericht Limbach, über den Niederfrohnaer Anteil von Niedersteinbach an das Königliche Gericht Kohren.

Im Jahre 1926 kaufte der Sohn des letzteren, Gert (1883-1940) nach dem Tod eines Vetters dessen Erben die Hälfte des bereits stark verschuldeten Besitzes ab. Er war verheiratet mit Katharina Berger (1884-1966), der Tochter eines Papierfabrikanten. Sie wurde zusammen mit ihrem Sohn Fery im Herbst 1945 enteignet und ausgewiesen.

Übersicht über die Besitzer der Herrschaft bzw. des Ritterguts Wolkenburg
Jahr
Besitzer
Bemerkungen



bis 1283
Dynasten von Colditz
Volrath, Otto und Bischof Ulrich



1284
Heinrich von Wolkenburg
nur kurz nannten sich Besitzer nach diesem Ort, wahrscheinlich gehörten sie zu den Herren von Colditz



1287
Hugo von Wolkenburg




1308
Volrath von Colditz
gemeinsam mit Bischof Ulrich zu Naumburg dann unbekannt



1404
Markgrafen von Meißen (Friedrich, genannt der Streitbare und Wilhelm II
seit 1423 Kurfürsten



1428
Friedrich, genannt der Sanftmütige
Kurfürst, Sohn des Friedrich



1450-1460
Hans von Kaufungen




1464
Kurfürst Friedrich




1485
Kurfürst Ernst belehnt Götz (Gottfried) von Ende




1527
Ehrenfried von Ende
ohne Erben



1542
Nied von Ende
Günstling des Kurfürsten Moritz, Reichsrat, Sächs. Geheimer Rat, Kammergerichtsassessor, Ober-Steuereinnehmer



1584
Job von Ende
Abraham Thumbshirn kauft den Oberdörfer-Teil der Herrschaft Wolkenburg



1592
Utz von Ende




1596
Quirinus von Ende
heiratet Maria von Einsiedel



1607
Haubold von Ende




1627
Heinrich Hildebrand von Einsiedel auf Scharfenstein, Weißbach und Löbichau
Wiederkaufvertrag, 1635 Kauf



1651-1654
Rudolf Haubold von Einsiedel




(1654-) 1700
Hanns Haubold von Einsiedel, zunächst verwaltet von Mutter Agnes, geb. von Schönberg
Posthumus-Sohn, Geheimer Rat, Hofmarschall



(1700-) 1720-1760
Johann Georg von Einsiedel, seit 1745 Graf von Einsiedel, zunächst verwaltet von Mutter Anna Sophia, geb. von Rumohr
Hofmarschall 1719, 1. Hofmarschall 1746



1760-1810
Detlev Carl Graf von Einsiedel
jüngerer Sohn des Johann Georg, Konferenzminister 1782



1811-1841
Carl Graf von Einsiedel




(1841-) 1848-1861
Karl Graf von Einsiedel
Oberstleutnant a.D.



1861-1893/94
Karl Friedrich u. Franz Detlev Grafen von Einsiedel
Besitzer je zur Hälfte




anschließend ihre Erben Curt und Gert




1926-1940
Gert Graf von Einsiedel
Sohn des Franz, kauft nach Tod seines Vetters die andere Hälfte und wird Alleinbesitzer, Regierungsrat a.D.



1940-1945
Ferry Graf von Einsiedel und Mutter Katharina, geb. Berger




Übersicht über die Besitzer der Herrschaft bzw. des Ritterguts Kaufungen
Jahr
Besitzer
Bemerkungen



1383
Heinrich von Caufungen




1420
Kunz (Conrad) von Kauffungen, Dittrich von Kauffungen
Prinzenraub 1455, Anna von Einsiedel



1455
Haubold von Kauffungen




1485
Hanz von Kauffungen




1538
Heinrich von Maltitz




1566
Wolfgang Pflugk




1584
Abraham von Thumbshirn
Erbkauf



1594
Loth von Thumbshirn
durch das Los an einen der 12 Söhne



1697
Wolf Dittrich von Thumbshirn




1684
Heinrich-Hildebrand von der Planitz




1690
Heinrich Haubold von der Planitz
Kurfürstl. Sächsischer Leutnant



1696
Reinhardt von der Planitz




1716
Heinrich August von der Planitz
Sohn des Reinhardt



1739
Anna von der Planitz
Schwester des Heinrich August, konnte das Gut nicht mehr unterhalten



1766
Detlev Carl von Einsiedel




In der Folgezeit Besitzer wie bei Wolkenburg.

Übersicht über die wichtigsten Besitzungen der gräflich-Einsiedelschen Linie
Rittergüter:

Löbichau
1619-1703
Wolkenburg mit Wolperndorf
(1627-) 1635-1945
Seidenberg – Reibersdorf
1694-1945
Gersdorf mit Böhrigen
1696 (bzw. 1702-) nach 1836
Ehrenberg
1697-1871
Oppurg und Knau
1703- nach 1763
Saathain
1720 – Mitte 19. Jh.
Harthau mit Goldbach
1720-1763
Kaufungen
1766-1945
Bräunsdorf
1766-1897
Milkel
1769-1908
Niederfrohna
1801-1847
Salgast
19. Jh.
Frauendorf
19. Jh.
Rodewitz
1818-1837
Radibor
1854- nach 1928


Haus in Dresden 18.-19. Jh.
Landhaus Briesnitz bei Dresden 19. Jh.

Berg- und Hüttenwerke:
* Bergwerk in Gersdorf, 1. H. 18. Jh.
* Berg- u. Hüttenwerke Sangerhausen u. Bottendorf, 1703 - Mitte 18. Jh. bzw. 1870 (Bottendorf)
* Lauchhammerwerk (Hochofen mit 5 Hammerwerken), 1777 - nach 1862
* Eisenwerk Gröditz, 1780 - nach 1862
* Eisenwerk Burghammer, 1790 - nach 1862
* Eisenwerk Berggießhübel, 1835 - 1871
* Einsiedelsche Hufeisenfabrik Pieschen, 1873 - 1883

Andere Betriebe:
* Tuchmanufaktur in Mückenberg
* Schafwollspinnerei in Wolkenburg
* Salpetersiederei in Wolkenburg
* Ziegelei in Kaufungen
* Parkrestaurant und Bahnhofsrestaurant in Wolkenburg


Bestandsgeschichte

Der Bestand Rittergut Wolkenburg mit Kaufungen beinhaltet zum größten Teil Akten, die in der Zeit des Besitzes durch die Familie von Einsiedel gebildet worden sind. Die Akten aus den Vorbesitzerfamilien beider Rittergüter sind bis auf wenige Ausnahmen verlorengegangen, wenn man von Gerichtsprotokollen und Gerichtsbüchern absieht.

Wolkenburg galt seit dem 18. Jahrhundert als Stammsitz eines bedeutenden Familienzweiges der Einsiedels, zumal dessen Besitzer Johann Georg im Jahre 1745 in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben worden war; v. a. dadurch unterschied man sich von den Verwandten der Scharfensteiner Linie.

Im Familienarchiv Wolkenburg, über das gute Verzeichnisse des 18. und 19. Jahrhunderts vorhanden sind, wurden neben dem eigentlichen Gutsarchiv auch die Nachlässe zahlreicher Familienmitglieder aufbewahrt. Hierbei befinden sich auch die Nachlässe von drei Persönlichkeiten, die in Diensten der sächsischen Kurfürsten bzw. Könige gestanden haben und daraus zu erklärende politische Dokumente hinterließen.
Das Familienarchiv Wolkenburg wurde nach 1760 aber auch für die Aufbewahrung der Dokumente, die zum unteilbaren Familienbesitz bzw. Familienerbe gehörten, festgelegt. Hierzu gehören Akten der Vorfahren auch aus anderen Familien und durch den Besitz der Bergwerke Sangerhausen und Bottendorf, alles v. a. bis etwa 1780.
Aus der Zeit der letzten Besitzer des 19. Jahrhunderts, die entweder in militärischen oder mittleren Verwaltungsfunktionen tätig waren, auch nur zeitweise in Wolkenburg gewohnt haben, sind über die persönlichen Verhältnisse hinausgehende Quellen nicht überliefert.

Die Akten wurden bis zum Jahre 1945 in Wolkenburg aufbewahrt, sie sind bei den Ereignissen der Bodenreform wohl zum Teil verloren gegangen. Die erhaltenen Teile sind vom Sächsischen Landeshauptarchiv Dresden und von der Außenstelle Glauchau zunächst übernommen und in den Jahren 1962, 1964, 2002 und 2003 an das Staatsarchiv Leipzig abgegeben worden. Ein kleiner Teil kam im Jahre 1967 über das Kreisarchiv Altenburg hinzu. Schließlich wurden im Zuge der Wiederherstellung der Provenienzen ehemaliger Patrimonialgerichte aus den Beständen Amtshauptmannschaft Rochlitz und Amtsgericht Penig die meisten Akten des Teiles Patrimonialgerichtsbarkeit dem Bestand wieder zugeordnet. Die Gerichtsbücher befinden sich im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden weiterhin unter Amtsgericht Penig.
Im Jahre 1851 war die Gerichtsbarkeit verstaatlicht worden und großenteils an das Königliche Gericht Limbach übergegangen, für einige Dorfanteile auch an das Königliche Gericht Kohren.

Im Thüringischen Staatsarchiv Altenburg befinden sich die Gerichtsbücher und Akten des ehem. Wolkenburger Gerichts unter den Beständen des Amtsgerichts Altenburg für jene Dorfanteile, die immer im Altenburger Territorium gelegen haben.Bestandsbearbeitung

Der Bestand war in einem ersten Teil bereits im Jahre 1972 unter Leitung der jetzigen Bearbeiterin im Rahmen einer Abschlussarbeit zum Archivassistenten verzeichnet und findbuchfertig geordnet worden. Die damalige Ordnung für die Gruppen Patrimonialgerichtsbarkeit und Gutswirtschaft ist auch nach Zuordnung von etwa 60 weiteren Akteneinheiten beibehalten worden, zumal die Gliederung im wesentlichen dem für alle Rittergutsbestände üblichen Ordnungsschema entspricht. Eine nochmalige Kontrolle der einzelnen Aktentitel und der Datierungen konnte aus Zeitgründen nicht erfolgen.
Für die Gruppe Familienarchiv ab Nr. 389 erfolgte eine Überprüfung der Titel und der Datierung und in mehreren Fällen machte sich eine Neuverzeichnung notwendig, zumal jetzt die Familienzusammenhänge durch das Vorliegen eines dreimal so großen Teiles an Akten des Familienarchivs klarer erkennbar geworden sind.

Der zweite Teil des Bestandes – Aktennummern 598-1003 – ist in den Monaten September bis Dezember 2003 erstmals erschlossen worden. Vor der Verzeichnung mussten die völlig ungeordneten Akten vorsortiert werden, wobei die Akten über einzelne Besitzungen, einzelne Personen und Familienzusammenhänge bereits vor der Erschließung wieder zusammengeführt werden konnten. Anders verhielt es sich mit losem Schriftgut, das zunächst in Kästen gesammelt worden ist und am Schluss entweder zu Akten geordnet werden konnte oder als Einzelsachen verzeichnet worden ist. Das betrifft vor allem Akteneinheiten über 900.

Anschließend ist das umfangreiche Familienarchiv findbuchfertig neu geordnet worden. Für die Ordnung des Schriftgutes waren meist die Provenienzen der einzelnen Personen maßgebend. Die Überlieferung verwandter Familien wurde zum jeweiligen Ehemann, Bruder oder auch Schwiegersohn geordnet. Allgemeine, die gesamte Familie berührende Quellen, v. a. auch über gemeinsame Besitzungen, sind am Beginn des Familienarchivs in Gruppe 10 zusammengefasst worden. Weitere Akten konnten 2012 nach der Bearbeitung des Bestands 20370 Rittergut Döben provenienzgerecht eingefügt werden.
Zum Bestand gehören 8 Urkunden, von denen 7 gesondert gelagert werden, aber mit Kopfregesten in die erste Gruppe des Findbuchs "Umfang und Wert des Rittergutes" eingearbeitet worden sind. Eine weitere Urkunde ist wegen früherer Zitierungen im Findbuch unter Nr. 976 aufgeführt. Der zeitliche Umfang erstreckt sich von 1530-1945 (1961). Der Bestand ist aus Erhaltungsgründen verfilmt worden.

Bestandsanalyse
Vgl. dazu ausführliche Einleitung im gedruckten Findbuch im Staatsarchiv Leipzig

Verzeichnis der verwendeten Literatur

Handbücher und Nachschlagewerke
- Burgen, Schlösser, Gutshäuser in Sachsen, hrsg. Von B.Sobottka, Stuttgart 1996
- Neue Deutsche Biographie, 4, Frankfurt/M. 1959, Personen der Familie von Einsiedel
- Genealogisches Handbuch des Adels Bd. 66, Adelige Häuser A, Bd. XIV, 1977 und Bd. 72, Gräfliche Häuser IX, 1979
- Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands, 8. Band, Sachsen, Stuttgart 1965
Stichworte: Drachenfels, Reibersdorf, Wolkenburg.
- Hofman, A.L.: Die Rittergüter im Königreich Sachsen, Dresden 1900.
- Sächsische Kirchengalerie, Bd. 10: Penig, Rochlitz, Colditz und Waldheim, Dresden 1837 ff.
- Schumann, August: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon, Zwickau 1815 ff., Stichworte: Kaufungen, Reibersdorf-Seidenberg, Wolkenburg.

Einzeldarstellungen
- Benedict, Ernst: Tal der Burgen zwischen Rochlitz und Glauchau, Leipzig 1960.
- Kranichfeld, Friedr. Wilhelm Karl: Andenken an Wolkenburg. Wolkenburg in seiner Vorzeit und Gegenwart, Dresden 1843.
- Schlechte, Horst: Die Staatsreform in Kursachsen 1762-1763, Berlin 1958
- Schmidt, O.E.: Lauchhammerwerke in Wolkenburg und Waldenburg, ein Gedenkblatt zur Zweihundertjahrfeier des Lauchhammers, in: Mitt. Des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Bd. XIV S. 161-172.
- Weber, Karl v.: Detlev Graf von Einsiedel, königl.-sächs. Cabinettsminister, Archiv für die sächsische Geschichte 1. Bd. 1863.
- Welck, Alfred v.: Dem Gedächtnis des Conferenzministers Detlev Carl Grafen von Einsiedel und seiner Kinder, Dresden 1940.

Verweise auf korrespondierende Bestände
Staatsarchiv Leipzig:
Rittergüter
- RG Ehrenberg
- RG Gersdorf
- RG Gnandstein
hier v.a. Akten des OHG über Prozesse der Besitzer von Wolkenburg u. a. Güter

Kreisstände des Leipziger Kreises
Ältere Kreishauptmannschaft Leipzig
Kreishauptmannschaft Leipzig
Amt Borna
Amt Rochlitz
Kgl. Gericht Limbach
Gerichtsamt Penig
Amtsgericht Penig
Amtshauptmannschaft Rochlitz
Kreistag/Kreisrat Rochlitz

Hauptstaatsarchiv Dresden:
-
RG Reibersdorf
- Nachlass (Familienarchiv) von Einsiedel 1607-1874, hier v.a. Einzelakten aus der Provenienz folgender Personen:
• Heinrich Hildebrand von Einsiedel (1586-1651)
• Rudolf Haubold (1616-11654) und Ehefrau
• Agnes von Einsiedel, geb. von Schönberg (1621-1674)
• Detlev Carl Graf von Einsiedel (1737-1819)
• Detlev Graf von Einsiedel (1773-1861)
- Gerichtsbücher (AG Penig)

Staatsfilialarchiv Bautzen:
-
RG Milkel
- RG Radibor

Staatsarchiv Chemnitz:
-
RG Limbach
- RG Scharfenstein.

Helga Reich
Januar 2004
Kirchner, Rolf: Chronik der Grundherrschaft Wolkenburg (=Chronik von Wolkenburg-Kaufungen, Teil 5/1), Langenweißbach 2005.
Grundlagen der Patrimonialherrschaft.- Gerichtsverwaltung.- Gerichtsprotokolle.- Strafgerichtsbarkeit.- Zivilgerichtsbarkeit.- Freiwillige Gerichtsbarkeit.- Lokalverwaltung.- Patronat.- Grundherrlich-bäuerliche Verhältnisse.- Gutswirtschaft.- Familienarchive von Ende, von Thumbshirn und von Einsiedel.
Südwestlich von Penig auf dem Gebiet des Amts Borna befand sich das altschriftsässige Rittergut Wolkenburg. Bis ins 17. Jahrhundert gehörte das Gut rund 150 Jahre der Familie von Ende; 1635 gelangte es durch Kauf an die Familie von Einsiedel, in deren Besitz es verblieb. Eng verbunden mit dem Rittergut Wolkenburg war das seit 1681 schriftsässige Rittergut Kaufungen. Dieses Gut, dessen Besitzer zunächst die Familie von Thumbshirn und nachfolgend die Edlen von der Planitz waren, erwarb Detlev Carl von Einsiedel im Jahr 1766. Seit dieser Zeit bestand eine gemeinsame Gerichtsverwaltung. 1851 trat Karl Graf von Einsiedel die Gerichtsbarkeit des Ritterguts Wolkenburg mit Kaufungen an den Staat ab. In Bezug auf Wolkenburg, Kaufungen, Dürrengerbisdorf, Herrnsdorf, Jahnshorn, Mühlwiese, Schlagwitz und einen Anteil von Franken ging diese Jurisdiktion am 28. November 1851 an das Königliche Gericht Limbach, über den Niederfrohnaer Anteil von Niedersteinbach an das Königliche Gericht Kohren. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts verfügte die Familie von Einsiedel auch außerhalb der Rittergüter Wolkenburg und Kaufungen über umfangreiche Besitzungen. Dazu zählten u. a. Eisenhüttenwerke in Lauchhammer, Gröditz und Sangerhausen, Bergwerke in Bottendorf, Gersdorf und Uhlsdorf sowie das Alaunwerk in Schwemsal.
  • 2004 | Findbuch / Datenbank
  • 2009 | Datenbank für Nachtrag
  • 2021-09-15 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.1
Sitemap-XML zurück zum Seitenanfang