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Beständeübersicht

Bestand

20615 Stadt Mutzschen

Datierung1673 - 1963
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)44,00
Geschichte der Stadt Mutzschen[01]

Die Stadt Mutzschen östlich von Grimma war amtssässig (Amt Mutzschen mit Sitz Wermsdorf) und unterstand der patrimonialen Gerichtsbarkeit des Ritterguts. 1856 kam sie zum Gerichtsamt Wermsdorf und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Grimma. Der Name der sächsischen Kleinstadt Mutzschen wird 1081 erstmals urkundlich erwähnt, als Kaiser Heinrich IV. seinen Gefolgsmann Chitele mit diesem Landstrich belehnte. Inmitten des ursprünglich von Slawen besiedelten Gebietes entstand auf der Anhöhe des Schlossberges eine erste Befestigungsanlage, der heutige Schlossbau aber erst 1703. Im 15. Jahrhundert begründete Heinrich von Starschedel hier sein Herrscherhaus, dessen Besitztum Ende des 16. Jahrhunderts vom sächsischen Kurfürsten gekauft wurde. Mutzschen erhielt 1544 das Stadtrecht und 1673 auch das Marktrecht, eine der wesentlichen Voraussetzungen für die städtische Entwicklung.[02]
Einen Bürgermeister hatte die Stadt nach Einführung der Städteordnung seit 1840, vordem wurde sie von einem Stadtrichter geführt, dem zwei Gerichtsschöffen zur Seite standen. 1891 nahm dann ein etatmäßiger Bürgermeister mit zwei Stadträten und neun Stadtverordneten die Geschicke der Stadt und ihrer Bewohner in die Hand. Zu dieser Zeit hatte Mutzschen um die 1.500 Einwohner, eine Größenordnung, die im Wesentlichen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts konstant geblieben ist. Eine Vergrößerung brachte die Eingemeindung des Ortes Böhlitz am 1. April 1938. Neben Ackerbau, Teichfischzucht und Kleinhandwerk entstanden nur wenige größere Fabriken, die beispielsweise Öfen oder Zigarren produzierten. Auch Bergbau wurde in geringem Maße betrieben, denn im Schlossberg fand man die sogenannten "Mutzschener Diamanten”, polierbare Quarzkristalle von verhältnismäßig geringer Härte.[03]
2012 wurde die Stadt nach Grimma eingegliedert.

Bestandsgeschichte und -bearbeitung
Der Bestand ist im Jahr 1967 depositarisch vom Rat der Stadt mit einer dreibändigen Abgabeliste an das Staatsarchiv Leipzig abgegeben worden. Im Staatsarchiv wurde der Bestand "Stadt Mutzschen” formiert, im Jahre 1983 revidiert und durchgehend signiert. Die Abgabeliste diente als vorläufiges Findhilfsmittel. Es wurden allerdings Lücken sowohl im Bestand als auch im Findhilfsmittel festgestellt. In den Jahren 1998/1999 wurde der Bestand ohne neuerliche Bewertung durchgesehen, mit dem Aktenverzeichnis verglichen und in der Archivdatenbank erfasst. Die Signaturen wurden um die Nummern bisher nicht verzeichneter Akten ergänzt. In vielen Fällen mussten neue Aktentitel gefunden werden.
Für die Gliederung des Bestandes sind zwei unterschiedliche Aktenpläne für Gemeinderegistraturen von 1893 und von 1929 zugrunde gelegt und sinngemäß zusammengefügt worden.[04] Die Klassifikation erfolgte danach im Wesentlichen nach dem Registraturprinzip, die Aktenzeichen dienten als Grundlage für die Zuordnung zu den Sachgruppen. Die Akten aus dem Ort Böhlitz bis zur Eingemeindung im April 1938 nach Mutzschen sind geschlossen unter einem eigenen Klassifikationspunkt aufgenommen.
Im Jahr 2016 erfolgten kleinere Überarbeitungen im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Findbuchs auf der Website des Staatsarchivs. Es wurden Schutzfristen geprüft und einige fehlende Angaben ergänzt. Verzeichnet wurden die bisher nicht im Findbuch enthaltenen Urkunden (Nr. U 1 – U 4).

Überlieferungsschwerpunkte
Der Bestand enthält mehr als 4350 Akten, Karten und Urkunden im Umfang von 44 lfm. Die älteste Urkunde datiert von 1673. Zeitlich liegt der Schwerpunkt auf dem ausgehenden 19. Jh. bis um 1945, auch wenn einzelne Akten abweichend datieren. Inhaltlich sind alle Bereiche der Kommunalverwaltung vertreten. Auffällig sind im Vergleich zu anderen Kommunalbeständen umfangreiche Meldeunterlagen, Steuerakten, Unterlagen der Gesundheitspolizei sowie Wohlfahrtsangelegenheiten.

Hinweise zur Benutzung
Die Erfassung erfolgte mit der Archivsoftware AUGIAS 8.3. Bei der Bestellung und Zitierung ist anzugeben: StA-L, 20615 Stadt Mutzschen, Nr. (fettgedruckte Zahl).
Der Bestand enthält einige Personal- und Fürsorgeakten, welche nach § 10 Abs. 1 Satz 3 des Sächsischen Archivgesetzes erst zehn Jahre nach dem Tod bzw. hundert Jahre nach der Geburt der betroffenen Person benutzt werden dürfen. Aus Datenschutzgründen werden Verzeichnungsangaben, die einer personenbezogenen Schutzfrist unterliegen, in der online-Fassung des Findbuchs nicht angezeigt. Wir empfehlen bei Bedarf eine Nachfrage beim Staatsarchiv Leipzig. Die Vorlage dieser Archivalien ist nur nach gesonderter Prüfung im Wege des Antragsverfahrens zur Schutzfristenverkürzung möglich.

Verweise auf korrespondierende Bestände im Staatsarchiv
20013
Amt Mutzschen
20027
Amtshauptmannschaft Grimma
20484
Rittergut Mutzschen
22304
Pfarrdotalgericht Mutzschen
20111
Gerichtsamt Wermsdorf




D. Gentsch
1999
B. Richter
Juli 2016


[01] Reich, Helga, 900 Jahre Mutzschen. 1081 – 1981, Mutzschen 1981.- Schmidt, Siegfried, 5 Jahre einer 450-jährigen Stadt. Entwicklung von Mutzschen 1989-94, Mutzschen 1994.
[02] Deutsches Städtebuch. Hrsg. Erich Keyser. Bd 2, Stuttgart, Berlin 1941, S. 156f.
[03] Ebenda.
[04] Vgl. 20615 Stadt Mutzschen, Nr. 517 und 2609.
Reichs- und Verfassungsangelegenheiten.- Statistik, Wahlen.- Gemeindeangelegenheiten.- Finanzen und Vermögen.- Militär- und Kriegsangelegenheiten.- Ordnungs- und Sicherheitspolizei.- Bildungs- und Kultureinrichtungen.- Gesundheits- und Sozialwesen.- Bauverwaltung.- Handel, Gewerbe und Industrie.- Landwirtschaft.- Brandschutz.- Gemeinde Böhlitz (bei Mutzschen).- Innungen.- Schützengesellschaft.
Die Stadt Mutzschen östlich von Grimma war amtsässig und zunächst auch Sitz des Amts Mutzschen, bis dieser 1681 nach Wermsdorf verlegt wurde. Die Ausprägung einer Ratsverfassung verzögerte sich bis ins 19. Jahrhundert. Die Stadt wurde zunächst von einem Stadtrichter geführt, dem zwei Gerichtsschöffen zur Seite standen. Ab 1840 hatte die Stadt einen Bürgermeister, der ab 1891 hauptamtlich mit zwei Stadträten und neun Stadtverordneten regierte. Am 1. April 1938 wurde Böhlitz eingemeindet.
Der Bestand ist im Jahr 1967 depositarisch an das Staatsarchiv Leipzig abgegeben worden.
  • 2016 | Findbuch / Datenbank
  • 2020-09-16 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.1
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