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Beständeübersicht

Bestand

20617 Stadt Nossen (Stadtgericht)

Datierung1718 - 1834
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)0,50
Geschichte der Stadt Nossen
Nossen an der Freiberger Mulde war eine kleine ländliche Stadt, die zusammen mit ihrer Burg nach Auflösung des Klosters Altzella 1540 in das Besitztum der sächsischen Kurfürsten gelangte. In Nossen kreuzten sich zwar wichtige Heerstraßen, die Stadt bekam kriegerische Ereignisse wie Plünderungen und Verwüstungen meist direkt zu spüren, aber sie besaß weder Mauern noch Rathaus. Sie regelte ihr kommunales Zusammenleben nach einer 1690 erlassenen Städteordnung, die seinerzeit für rund 500 Einwohner galt. 1834, bei Einführung der allgemeinen Städteordnung in Sachsen, hatte sich die Einwohnerzahl dann reichlich verdreifacht.

Nossen war amtssässig, und die obere wie die niedere Gerichtsbarkeit lag in der Hand des Amtes. Trotzdem gab es ein Stadtgericht: "Es ist von Alters her ein Richter und vier Schöppen von des Amts Nossen Schössern, und zwar diejenigen, so ermeldte Amtsdiener neben der ganzen Gemeinde für tüchtig darzu erkannt, bestätiget und vereydet worden".[01] Der Stadtrichter und seine Schöffen wurden also vom Amt bestätigt und leisteten eigentlich Zuarbeiten für das Amt. Nach 1834 wurde der Posten eines besoldeten Bürgermeisters geschaffen, dem drei unbesoldete Ratsmänner zur Seite standen, außerdem als kommunale Vertreter die Stadtverordneten. 1849 gehörte das Amt Nossen zur Älteren Amtshauptmannschaft Döbeln, und ab 1856 gab es in Nossen ein Gerichtsamt, das in der Dresdner Kreisdirektion der Älteren Amtshauptmannschaft Meißen unterstand.

Bestandsgeschichte und -bearbeitung
Von der städtischen Gerichtsbarkeit sind uns 12 Akteneinheiten überliefert. Es sind Protokolle über Kaufverträge, die beim Stadtgericht ergangen und von diesem aufgesetzt worden sind, zur gerichtlichen "Confirmation" jedoch an das Justizamt in Nossen weitergeleitet wurden. Der zeitliche Umfang umfasst gut hundert Jahre vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis 1834.

Die Akten kamen über Gerichtsamt und Amtsgericht Nossen an das Hauptstaatsarchiv in Dresden und ab 1960 an das Staatsarchiv in Leipzig, wo der Mischbestand nach Provenienzen getrennt und der Bestand "Stadtgericht Nossen" gebildet wurde. Bei der Bearbeitung der gesamten Bestandsgruppe ab 1997 wurde er mit einem Findbuch zugänglich gemacht. Korrespondierender Bestand im Staatsarchiv Leipzig ist das Amt Nossen.

Der Bestand wurde mit dem PC-Programm AUGIAS verzeichnet. Alte Signaturen wurden aufgenommen, hinzu kam eine ordnungsabhängige Signatur für den Bestand "Stadt Nossen".

Bei Bestellung und Zitierung ist anzugeben: SächsStAL, Stadt Nossen, Nr. (fettgedruckte Ziffer).

Dietlind Gentsch
Juni 1998


[01] Vgl. SächsStA-L, 20014 Amt Nossen, Nr. 3615, S.38. Das Zitat stammt aus der Städteordnung von 1690, deren Satzungspunkte den Bürgern anlässlich des Gerichtstages 1774 durch Verlesen wieder ins Gedächtnis gerufen wurden. - Vgl. auch Deutsches Städtebuch. Hrsg. Erich Keyser, Bd. 2, Stuttgart, Berlin 1841, S. 167.
Kaufprotokolle.
Die kleine ländliche Stadt Nossen war dem Amt Nossen unterstellt. Dieses hatte die niedere wie die höhere Gerichtsbarkeit in der Stadt inne. Zwar besaß Nossen ein Stadtgericht, doch führte es lediglich Zuarbeiten für das Amt aus. Nach Auflösung des Amts im Oktober 1856 wurden dessen sämtliche Befugnisse von dem neu gegründeten Gerichtsamt Nossen übernommen.
  • 1998 | Findbuch / Datenbank
  • 2020-09-16 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.1
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