Hauptinhalt

Beständeübersicht

Bestand

21070 C. F. Peters, Leipzig

Datierung1800 - 1951
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)103,32
Geschichte des Musikverlages C. F. Peters, Leipzig

Zwar liegt keine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Geschichte des Verlags C. F. Peters über die mehr als zweihundert Jahre seines Bestehens vor, die vorhandene Literatur bietet aber ausreichend Möglichkeiten, sich einen ersten Überblick zu verschaffen. [01] Die folgende Darstellung beschränkt sich daher auf einige wichtige Eckdaten, die für das Verständnis der archivischen Überlieferung und ihrer Strukturierung von Bedeutung sind.
Im Jahr 1800 gründeten Franz Anton Hoffmeister und Ambrosius Kühnel das Verlagsunternehmen "Hoffmeister & Kühnel, Leipzig, Bureau de Musique". Hoffmeister schied bereits 1805 aus dem Verlag aus. Nach dem Tod von Kühnel 1814 kaufte Carl Friedrich Peters den Verlag, dessen Bezeichnung nun "Bureau de Musique C. F. Peters", Leipzig lautet. Der namensprägende Verlagsinhaber starb bereits 1827; nach kurzer interimistischer Führung durch den Kommissionär C. F. Leede erwarb 1828 der Tabakfabrikant Carl Gotthelf Siegmund Böhme das Unternehmen. 1852 trat August Theodor Whistling als Geschäftsführer in die Firma ein und führte sie nach dem Tod Böhmes 1855 weiter. Ab 1860 erlebte die Firma "C. F. Peters Leipzig und Berlin, Bureau de Musique", unter der Leitung des Berliner Buch- und Musikalienhändlers Julius Friedländer einen Aufschwung. Durch Nutzung von Notenschnelldruckpressen konnten die Druckauflagen gesteigert und gleichzeitig Kosten gesenkt werden. 1863 wurde der Danziger Jurist Max Abraham Teilhaber der Firma und entwickelte mit dem Leipziger Drucker Carl Gottlieb Röder das Projekt einer "musikalischen Universalbibliothek", der EDITION PETERS. Die Herausgabe begann 1867, EDITION PETERS entwickelt sich weltweit zu einem Begriff für Qualität und Kontinuität bei der Bereitstellung eines internationalen musikalischen Repertoires aus Geschichte und Gegenwart. Friedländers und Abrahams Verdienst ist auch der Bau des Verlagshauses Talstr. 10, das 1874 eröffnet wurde und in dem der Verlag (mit einer kurzzeitigen Unterbrechung) auch heute noch seinen Sitz in Leipzig hat.
1880 schied Julius Friedländer aus dem Verlag aus, Max Abraham wurde Alleineigentümer. Der Firmenname lautete nun "C. F. Peters, Leipzig, Bureau de Musique". Abraham eröffnete 1894 die Musikbibliothek Peters als musikwissenschaftliche Präsenzbibliothek. Nach seinem Tod im Jahr 1900 erbte Abrahams Neffe Henri Hinrichsen, seit 1894 Teilhaber, den Verlag. Das seit 1915 als "C. F. Peters, Leipzig", firmierende Unternehmen übernahm 1917 den ursprünglich Schweizer Verlag J. Rieter-Biedermann (v. a. Werke von Johannes Brahms). [02]
1931 traten die beiden älteren Söhne Henri Hinrichsens, Max und Walter Hinrichsen, in die Firmenleitung ein. 1936/37 flohen beide vor der nationalsozialistischen Judenverfolgung ins Ausland. Max Hinrichsen gründete 1938 die Hinrichsen Edition, Ltd., London, Walter Hinrichsen 1948 die C. F. Peters Corporation in New York. Henri Hinrichsen wurde 1942 im Konzentrationslager Ausschwitz ermordet. Der Verlag in Leipzig wurde 1939 "arisiert" und an Kurt Hermann und Johannes Petschull verkauft. 1940 wurde der Henry Litolff's Verlag in Braunschweig erworben und dessen Sitz nach Leipzig verlegt. Wegen der sich häufenden Luftangriffe wurden die wichtigsten Verlagsunterlagen und Teile der Musikbibliothek im Jahr 1943 ausgelagert. Das Verlagshaus in der Talstraße blieb aber unversehrt.
Nach Kriegsende 1945 wurde das Eigentum an dem Verlag zunächst auf Walter Hinrichsen rückübertragen, der Johannes Petschull als Generalbevollmächtigten bestimmte. Die nächsten Jahre waren von schwierigen Verhältnissen geprägt; 1948 wurde der Verlag unter Treuhandschaft gestellt, 1950 enteignet. Das Leipziger Stammhaus wurde Eigentum der SED Sachsen, Walter Hinrichsen verlegte den Sitz nach Frankfurt am Main. Zwischen 1950 und 1990 bestanden damit zwei Parallelverlage in Leipzig und Frankfurt am Main.

Bestandsgeschichte und -bearbeitung

Die drei Bestände des Verlages C. F. Peters im Sächsischen Staatsarchiv gehören zu den vollständigsten Dokumentationen eines Leipziger Verlages, die erhalten geblieben sind. [03] Ein Glücksumstand kam dem entgegen. Im Verlagshaus wurden die Geschäftsunterlagen sorgfältig aufbewahrt. Anfang der 1930er Jahre begannen die Hinrichsen-Söhne Max und Walter mit der systematischen Durchsicht der Materialien, legten Verzeichnisse an und schufen die erste Grundlage des späteren Archivbestandes. Das Verlagshaus in der Talstraße hatte keine nennenswerten Kriegsbeschädigungen, so dass hierdurch - im Gegensatz zu anderen Leipziger Verlagsarchiven - nichts verloren ging. In Verbindung mit Untersuchungen zur Geschichte der Leipziger Musikverlage stieß Hans-Martin Pleßke 1964/65 auf das wertvolle Archivgut in der Talstraße und regte eine baldige Sichtung, vor allem aber eine qualifizierte Lagerung an. Ein Verlag mit seinen zahlreichen Tagesaufgaben war hiermit überfordert. Daraufhin führten der Direktor des Staatsarchivs Leipzig, Karl Höhnel, und Verlagsleiter Georg Hillner Verhandlungen über den Aufbau eines historischen Peters-Bestandes im Staatsarchiv. Im Sommer 1966 kamen die ersten 170 Pakete aus den Jahren 1800 bis 1926 in das Georgi-Dimitroff-Museum, dem damaligen Sitz des Staatsarchivs Leipzig (heute Sitz des Bundesverwaltungsgerichts). Auf Bitte Höhnels übernahm das Ehepaar Pleßke die systematische Sichtung und Katalogisierung. [04] Die größte Herausforderung waren die ausgesprochen umfangreich überlieferten Briefe an den Verlag, die sich noch in der zeitgenössischen gefalteten und gebündelten Form der Lagerung befanden. Hierzu Plesske (für den Zeitraum bis 1926): "Es waren rund 175.000 Schriftstücke zu sichten. Nach 1880 wurden etwa 20 % ausgesondert, weil es sich dabei um kurze Mitteilungen, Bestellungen, Rechnungen u. ä. Materialien ohne inhaltlichen Wert handelte. Die Sichtung und Erschließung erfolgte in zwei Arbeitsetappen. Zunächst musste jeder Brief auseinandergefaltet werden. Da sich die Schriftstücke aus den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zum Teil in schlechtem Zustand befinden, waren sie sehr vorsichtig zu öffnen und zu glätten. Obwohl vom Verlag jahrgangsweise nach Buchstaben und innerhalb dieser nach Daten geordnet verpackt, zeigten sich hier zahllose Fehler, so dass laufend Umsortierungen notwendig wurden. Besonders zeitraubend ließen sich diese Arbeiten an, wenn Schriftstücke einem falschen Jahr zugeordnet waren, was nicht selten vorgekommen ist. Die Aufbewahrung der gesichteten Briefe erfolgt in Kästen im Format A 4. In der Regel wurden für einen Brief-Jahrgang zwei bis vier Kästen benötigt. Insgesamt waren 322 Kästen erforderlich. Als Signatur wurde eine fortlaufende Nummerierung der Kästen neben der Angabe des Jahres und der Buchstaben gewählt. Die von einem Adressanten stammenden Schriftstücke sind - sobald es sich um einen bekannten Namen handelte - mit einem Deckblatt versehen worden, so dass das Heraussuchen aus dem Kasten erleichtert wird." Im Ergebnis dieser Verzeichnungsphase wurde 1981 eine Findkartei abgeschlossen.
Im März 1981 erfolgte eine weitere Materialabgabe, seit 1988 wurden laufend auf der Grundlage der DDR-Archivverordnung sowohl historische als auch Dokumente des VEB Edition Peters abgegeben. Vor allem die Betreuerin des Verlagsarchivgutes im Staatsarchiv, Gertraude Gebauer, hatte bedeutenden Anteil an der ständigen Komplettierung. Nach 1989, der Beendigung der Tätigkeit des VEB und der wegen Verkaufs der Verlagsobjekte notwendig gewordenen Räumungen, aber auch bei Abrissarbeiten der Lager-Regale fanden sich weitere historische Dokumente. Außerdem war ein größerer Umfang im Verlag verbliebener Akten-Ablagen zu sichten, zu sortieren, aufzulisten und in das Staatsarchiv zu überführen. Unter Leitung von Norbert Molkenbur wurde diese umfangreiche Arbeit mit Hilfskräften erledigt und die Gesamtabgabe im Jahr 2000 abgeschlossen. Die bis dato in das Staatsarchiv Leipzig überführten Archivalien wurden von Gertraude Gebauer und Marion Bähr in den Bestand eingearbeitet, vor allem Archivalien der Jahre ab 1927 bis 1949. Unter großem persönlichen Einsatz übertrug Molkenbur die alte Findkartei in ein elektronisches Wortverarbeitungsprogramm, verfasste eine Einleitung und erstellte 2003 ein Findbuch.
Anlässlich eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Retrokonversionsprojektes konnte dieses nur maschinenschriftlich vorliegende Findbuch im Jahr 2012 in die Erschließungsdatenbank übertragen werden. [05] Im selben Jahr finanzierte das Staatsarchiv Leipzig eine genauere Verzeichnung der zuvor nur grob erfassten Musikalien. 2013 wurden zahlreiche weitere Erschließungsverbesserungen vorgenommen, darunter Präzisierungen von Aktentiteln, Enthält-Vermerken und Datierungen. Erheblich genauer wurden die zuvor nur grob erfassten Platten- und Verlagsverzeichnisse sowie Absatzbücher erfasst. Parallel wurde die innere Ordnung des Bestands überarbeitet, um die Überlieferungsschwerpunkte des Bestandes genauer herauszustellen und Benutzern einen besseren Zugang zu ermöglichen. Hierzu zählt auch die Ordnung der Sammelkartons mit eingegangenen Briefen in Orientierung an die Zeiträume der Geschäftstätigkeit der verschiedenen Verleger. Probeweise wurden zwei Jahrgänge der Sammelkartons genauer verzeichnet (Jahr 1860 und Jahrgang 1860).
Trotz der bisher geleisteten Erschließungsarbeit ist die Verzeichnung des über 110 laufende Meter umfassenden Bestandes nicht abgeschlossen, da sie bisher nur für Teile des Bestandes den fachlichen Anforderungen entspricht. Dennoch hat sich das Staatsarchiv Leipzig zur online-Stellung des Findmittels erschlossen, um einen leichteren Zugang zu den Verzeichnungsinformationen zu ermöglichen und die Benutzung des Bestandes zu fördern. Laufende Aktualisierungen ergeben sich derzeit (Stand: 2015) durch Revisionsarbeiten am Bestand 21109 VEB Edition Peters, Leipzig, die auch zu provenienzgerechten Umsortierungen von Musikalien aus dem Bestand 21109 zum Bestand 21070 führen.
[Nachtrag 2019: Die Zuordnung der Musikalien von 21109 zu 21070 ist erfolgt, die Verzeichnung der Musikalien aber noch nicht. Mehrere Geschäftsbücher der Verlage C. F. Peters und Rieter-Biedermann konnten im Jahr 2018 digitalisiert und im Jahr 2019 die Digitalisate online gestellt werden, siehe unten].

Überlieferungsschwerpunkte

Zur Bestandsgeschichte und Überlieferungsschwerpunkten hat Hans-Martin Pleßke im Jahrbuch der Deutschen Bücherei 6 (1970) eine ausführliche Darstellung gegeben, die hier in Auszügen wiedergegeben wird:
"Das Bureau de Musique hat seit seiner Gründung mit Komponisten, Wissenschaftlern, Musikern aller Gattungen, Rechtsanwälten, Buchhandlungen, Verlagen, Druckereien, Notenstechereien, Instrumentenmachern und -händlern, Papierhändlern und zahlreichen sonstigen Kunden (u. a. Musikliebhabern aus den Kreisen des Adels und des Bürgertums, Offizieren, Schriftstellern, Lehrern, Pfarrern) in regem Briefwechsel gestanden. Alphabetisch nach dem Namen der Adressanten geordnet wurde die Korrespondenz vom Verlag C. F. Peters jahrgangsweise in Paketen aufbewahrt. Antwortschreiben der Firma lagen nicht bei, weil man die Kopien in der Regel in sogenannten Kopierbüchern festhielt. ... Erst nach 1920 sind maschinenschriftliche Durchschläge der Antwortschreiben des Verlages den Briefen der Adressanten beigefügt worden. Die ab 1904 aufbewahrten Durchschläge der Antwortschreiben befinden sich ebenfalls im Staatsarchiv.
Das Prinzip der Aufbewahrung ihrer Korrespondenz hat die Firma bis zum Jahre 1926 durchgängig beibehalten. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war jeder an C. F. Peters gerichtete Brief mehrfach gefaltet, so dass sich ein Format von etwa 21 x 8,5 cm ergab. Auf Grund dieses Umstandes wurde u. a. der Name des Adressanten von einem Verlagsangestellten jeweils noch einmal am oberen Rand des gefalteten Briefes notiert. Da der Mitarbeiter den Namen des Schreibers nicht immer genau entziffern konnte, stimmt diese Angabe mitunter nicht mit dem tatsächlichen Absender überein! Die Korrespondenz der letzten Jahrzehnte hat sich zunächst in Stehordnern befunden, bevor sie verpackt wurde.

Schriftstücke von Komponisten
In den Paketen befanden sich Schriftstücke (Briefe, Postkarten, Telegramme, Honorarquittungen, Visitenkarten mit handschriftlichem Text) von über 300 namhaften Musikerpersönlichkeiten, deren Schaffen als Komponist bzw. Wirken als Wissenschaftler oder Interpret in die Musikgeschichte eingegangen ist. Manche Angabe trägt zur Bereicherung der bisher bekannten Biographie eines Meisters oder der Klärung von Fragen bei, die mit der Entstehung und Verbreitung eines Werkes zusammenhängen. Wir stoßen auf die unterschiedlichsten Arten und Formen schriftlicher Mitteilungen. Meistenteils handelt es sich um kurze, knappe Schriftstücke - mehrseitige Briefe bilden eine Ausnahme. In der Regel sind geschäftliche Auseinandersetzungen eine trockene Materie, bei der das Gefühl des Schreibers zurückzutreten hat. Deshalb gibt oft schon die Anrede Auskunft über das Verhältnis des Adressanten zu seinem Verleger, und freundschaftliche Wendungen bzw. die persönliche Note, in der ein Schriftstück gehalten ist, runden das Bild ab.
Es wird von politischen Tagesereignissen berichtet, und manchmal berührt der Schreiber auch familiäre Nöte und Sorgen, sofern er engere Beziehungen zum jeweiligen Inhaber des Verlages hat. Überwiegend geht es aber um die Bedingungen, unter denen die Firma eine Komposition anzukaufen gewillt ist.

Schriftstücke von Musikverlagen und Musikalienhandlungen
Ein Musikverlag wie C. F. Peters hat mit unzähligen Musikalienhandlungen in zahlreichen Ländern in Verbindung gestanden. Bei dem mit Musikverlagen geführten Briefwechsel standen Fragen im Vordergrund, die zur Regelung einer gewissen Zusammenarbeit führten bzw. kommt versteckt bis deutlich zum Ausdruck, dass aus Konkurrenzgründen von einem engeren Kontakt abgesehen wird. Eine solche Haltung schloss die gegenseitige Klärung von Urheberrechtsangelegenheiten nicht aus. Entsprechende Briefe lassen bei aller Höflichkeit im Ton oft nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig! Zensurschwierigkeiten und der Kampf gegen das Nachdruckunwesen waren neben der Klage über unzulängliche Post- und Frachtverhältnisse weitere Themen, die die Buchhändler und Verleger in ihrer Korrespondenz berührten. Es wurde über Rabattsätze verhandelt und alles versucht, eine möglichst günstige Gewinnspanne zu erzielen.
Das Ende 1800 gegründete Bureau des Musique hat sich sehr um die Herstellung guter Geschäftsbeziehungen zu bereits existierenden Musikverlagen bemüht. Aus dem ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts liegen entsprechende Briefe vor, die für die Geschichte des Musikverlagswesens instruktiv sind.

Sonstige Schriftstücke
Unser bisheriger Überblick hat gezeigt, wo die Schwerpunkte dieses Archivgutes liegen. Die mit Notenstechern und Druckereien, Buchbindereien und Papierfabriken geführte Korrespondenz rundet das Gesamtbild ab. Die Firma C. F. Peters hat u. a. mit C. G. Röder und F. M. Geidel, mit E. A. Enders und F. Flinsch Jahrzehnte zusammengearbeitet, was ein ausführlicher Briefwechsel widerspiegelt." Soweit Plesske.

Auch die Gegenüberlieferung, d. h. die vom Verlag versendeten Briefe, sind durch die Briefkopierbücher gut dokumentiert. Allerdings wurden diese Bücher im 19. Jahrhundert nur lückenhaft geführt; erst ab etwa 1892 wird die Überlieferung dichter. In diesem Jahr beginnt eine zweite Kopierbuchserie, die vermutlich überwiegend für Angelegenheiten des Vertriebs genutzt wurde. Eine genauere wissenschaftliche Untersuchung steht noch aus.
Von großem Nutzen für die Erforschung des Verlagsprogramms und seiner zeitgenössischen Rezeption sind die vorhandenen Platten-/Verlagsverzeichnisse. So enthält z. B. das "Druckbuch Lra A gehalten von Carl Gotthelf Siegm. Böhme unter der Fa. C. F. Peters in Leipzig" Angaben über Auflagen- und Nachauflagenhöhen und über die Zeitpunkte des Einschmelzens der Platten in alphabetischer Reihenfolge der Komponisten (Zeitraum 1831-1867 mit retrospektiver Erfassung der Gesamtproduktion seit 1801). Daran schließt sich ein weiteres Plattenverzeichnis mit Angaben über Auflagen- und Nachauflagenhöhen und über die Zeitpunkte des Einschmelzens der Platten in der Reihenfolge der Verlagsnummern an (Nr. 1-14552, Zeitraum um 1867-1944). [06] Für den Zeitraum 1877 bis 1926 liegen darüber hinaus Geschäftsbücher vor, die detaillierte Angaben über den Absatz der einzelnen Verlagsnummern enthalten. So enthalten z. B. die zeitlich einschlägigen Bände exakte Aufstellungen über Lagerbestand, Verkaufszahlen und Höhe der Nachauflagen der Lieder von Hugo Wolf. [07] Diese Verlagsverzeichnisse sind über die Erforschung der Publikationsgeschichte einzelner Autoren hinaus ein Fundus rezeptionsgeschichtlich interessanter Informationen. Dies vor allem, weil sie das ganze Verlagsprogramm erfassen, bekannte neben unbekannten Autoren, "Verkaufsschlager" neben bedeutenden, aber wenig nachgefragten Meisterwerken. Wegen dieser großen Bedeutung wurden mehrere der Geschäftsbücher 2018 digitalisiert, um einen Online-Zugang zu den Informationen möglich zu machen (siehe unten).
Das Archivgut des Verlages C. F. Peters ist nicht nur eine wichtige Quelle für die Verlagsgeschichte und Geschichte des Musiklebens allgemein. Die Beziehungen zum Gewandhaus, zum Konservatorium (heute Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy), zum Musikinstrumenten-Museum und zur von Henri Hinrichsen gestifteten Goldschmidtschule bilden zugleich eine Fundgrube für die Erforschung der Kultur- und Musikgeschichte der Stadt Leipzig des 19. und 20. Jahrhunderts. In Anbetracht der Tatsache, dass die meisten Leipziger Musik- und andere Verlage in der Endphase Zweiten Weltkrieges durch Bombenangriffe vernichtet wurden, ist dieser Bestand eine wichtige Quelle für die Geschichte des deutschen Musikverlagswesens und des Buchhandels. Für weitere Perspektiven sei auf den Beitrag von Thekla Kluttig in "Die Musikforschung" (2013) verwiesen. [08]

Hinweise zur Benutzung

Nach 1990 wurde das Archivgut des Verlages C. F. Peters vollständig an die Alteigentümer restituiert. Von Anfang an stand jedoch fest, diese wertvolle Dokumentation komplett zu erhalten, sodass Hinrichsen-Erbin Evelyn Hinrichsen, C. F. Peters Frankfurt, Edition Peters Leipzig und das Sächsische Staatsarchiv am 26. August 1997 einen Archivvertrag (Depositalvertrag) abschlossen, worin - für zunächst 25 Jahre - die Verwahrung durch das Staatsarchiv vereinbart wurde. Mit dem modernen Neubau des Sächsischen Staatsarchivs in Leipzig-Paunsdorf wurden gute Rahmenbedingungen für eine sachgerechte Verwahrung geschaffen. Umfangreiche Teile des Bestandes sind sicherungsverfilmt, um die Originale zu schützen.
2016/2017 erfolgte eine technische Bearbeitung der sog. Sammelkartons. Dabei wurde die nicht sachgerechte Lagerung in zu großen Einheiten aufgelöst und es wurden Strichnummern für die einzelnen Teile vergeben (z. B. Auflösung der Nr. 2589 in die Nr. 2589/1 bis Nr. 2589/4). Mit dieser technischen Bearbeitung ging eine geringfügige Präzisierung der Verzeichnungsangaben einher, z. B. bisher Nr. 2589 = Briefe A - G, jetzt Nr. 2589/1 = Briefe A - B bis Nr. 2589/4 = Briefe G). Dabei blieb die ursprüngliche Lagerungsreihenfolge, wie sie auch auf dem Schutzfilm enthalten ist, erhalten. Die Aktualisierung der Verzeichnungsangaben im Online-Findbuch erfolgt sukzessive.

Seit August 2019 sind Digitalisate folgende Geschäftsbücher online zugänglich:
Vom Verlag C. F. Peters angelegt: Nr. 5157: Druckbuch Lra A gehalten von Carl Gotthelf Siegm. Böhme, 1831 - 1867; Nr. 5156: Lagerbuch, um 1830 - um 1860; Nr. 4775: Platten-Verzeichnis, um 1867 - 1944 sowie Nr. 5222: Auflage-Buch, 1879 - 1944
Vom Verlag Rieter-Biedermann angelegt: Nr. 3970, Kalkulationsbuch I, 1856 - 1918; Nr. 3971, Kalkulationsbuch [II], 1875 - 1919 sowie Nr. 3972, Kalkulationsbuch [III], 1898 - 1919

Weitere Digitalisierungsmaßnahmen sind aktuell (2019) nicht vorgesehen.

Quellen und Literatur

Für den Zeitraum nach 1945 ist ergänzend der Bestand 21109 VEB Edition Peters, Leipzig, hinzuziehen. Auch in anderen Beständen des Staatsarchivs Leipzig befinden sich Quellen zum Verlag C. F. Peters, z. B. Handelsregisterunterlagen im Bestand 20124 Amtsgericht Leipzig.

Die Bestände der Musikbibliothek Peters und der Nachlass von Wilhelm Weismann befinden sich im Bereich Musikbibliothek und Sondersammlungen der Stadtbibliothek Leipzig. Zahlreiche Quellen zum Verlag C. F. Peters und der Verlegerfamilie Hinrichsen finden sich auch im Stadtarchiv Leipzig.

Zahlreiche Musikdrucke des Verlags Rieter-Biedermann befinden sich im Verlagsarchiv Rieter-Biedermann (Signatur: Mus RB) in der Zentralbibliothek Zürich. Weitere Informationen stehen online unter http://www.zb.uzh.ch/spezialsammlungen/musikabteilung/archivbestaende/einzelseite/003684/index.html.de.

Neben der bereits in den Anmerkungen genannten Literatur sind folgende Monographien von besonderem Interesse für die Geschichte des Verlags und seiner Eigentümer:

- Bucholtz, Erika: Henri Hinrichsen und der Musikverlag C. F. Peters: deutsch-jüdisches Bürgertum in Leipzig von 1891 bis 1938, Tübingen 2001

- Fetthauer, Sophie: Musikverlage im "Dritten Reich" und im Exil, Hamburg 2004

- Lawford-Hinrichsen, Irene: Music publishing and patronage. C. F. Peters: 1800 to the Holocaust, Kenton 2000

Dr. Thekla Kluttig

April 2014, aktualisiert Januar 2016 und November 2019




[01] Zu nennen sind der Lexikonartikel zu C. F. Peters von Klaus Burmeister und Bernd Wiechert in der MGG 2, Personenteil, S. 379-386 sowie Norbert Molkenbur: C. F. Peters 1800 - 2000. Ausgewählte Stationen einer Verlagsgeschichte, Leipzig 2001. Für die Frühphase des Verlags siehe Axel Beer: Musik zwischen Komponist, Verlag und Publikum: Die Rahmenbedingungen des Musikschaffens in Deutschland im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, Tutzing 2000, künftig ders.: Das Leipziger Bureau de Musique (Hoffmeister & Kühnel, A. Kühnel). Geschichte und Verlagsproduktion (1800-1814), Tutzing 2014 (Druck in Vorbereitung).
[02] Der Verlag war 1848 vom Winterthurer Jakob Melchior Rieter-Biedermann gegründet worden. 1862 eröffnete er eine Zweigstelle in Leipzig. Nach dem Tode von Rieter-Biedermanns Sohn Karl erlosch die Firma in Winterthur, neuer Hauptsitz des Verlags wurde die Leipziger Filiale. 1917 ging der Verlag in den Besitz von C.F. Peters über.
[03] Die folgende Darstellung für die Bearbeitung bis zum Jahr 2000 stammt aus der Einleitung zum 2003 erstellten Findbuch. Sie wurde von Norbert Molkenbur verfasst und in nur wenigen Punkten gekürzt und um die jüngst erfolgten Bearbeitungsschritte ergänzt.
[04] An der Erschließung waren beteiligt: Roswitha Franke, Christel Fritzsche und Heinz Welsch.
[05] Die vorhandenen Dateien des Wortverarbeitungsprogramms von Norbert Molkenbur hatten sich als ungeeignet für einen Import der Daten in das Erschließungsprogramm erwiesen.
[06] Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 21070 C. F. Peters, Leipzig, Nr. 5157 und Nr. 4775.
[07] Ebd., Nr. 5216 bis Nr. 5219.
[08] Thekla Kluttig: Nur Briefe berühmter Komponisten? Archivgut von Leipziger Musikverlagen als Quelle für die Musikwissenschaften, in: Die Musikforschung 66 (2013), Heft 4, S. 391-407.
Beer, Axel: Gedankenaustausch über Webers Popularität zwischen C.F. Peters und Louis Spohr. Weber-Studien Bd. 1/1993 SD Benutzerakte
Klemm, Eberhardt: Der Briefwechsel zwischen Arnold Schönberg und dem Verlag C. F. Peters. Leipzig 1971. In: Deutsches Jahrbuch der Musikwissenschaft für 1970, 15.
Lehmann, Karen: Bach-Dokumente aus dem Kopierbuch
1804/06 des Verlages Hoffmeister und Kühnel in Leipzig. Sonderdruck, Benutzerakte 245 alt
Pleßke, Hans-Martin: Das Leipziger Musikverlagswesen und
seine Beziehung zu einigen namhaften Komponisten. Ein Beitrag zur Geschichte des Musikalienhandels im 19. u. zu Beginn des 20.Jh. Diss. 1974.
Fritzsche, Christa, Gebauer, Gertraude: Musikverlag C.F. Peters, Leipzig. Eine Bestandsanalyse. In: AM 34/1984, S. 52-55.
E.Buchholtz: Henri Hinrichsen und der Musikverlag C.F.Peters, Mohr Siebeck 2001.
Leitung.- Rechte.- Autorenkorrespondenz.- Briefkopierbücher.- Geschäftskorrespondenz.- Musikalien (Manuskripte, Stichvorlagen, Korrekturabzüge).- Musikalienhandel.- Vertrieb.- Werbung.- Familienangelegenheiten.- Unterlagen aus dem Nachlass Johannes Petschull.
Im Jahr 1800 gründeten Franz Anton Hoffmeister und Ambrosius Kühnel in Leipzig das "Bureau de Musique". 1814 ging der Verlag in den Besitz von Carl Friedrich Peters über. Das Verlagsprogramm wurde u. a. durch die Herausgabe von Werken von Mozart, Haydn, J. S. Bach, Spohr und von Weber bestimmt. 1828 erwarb Carl Gotthelf Siegmund Böhme die Firma. 1852 trat August Theodor Whistling als Geschäftsführer ein und führte den Verlag nach dem Tod Böhmes 1855 weiter. Ab 1860 erlebte die Firma "C. F. Peters Leipzig und Berlin, Bureau de Musique" unter der Leitung des Berliner Buch- und Musikalienhändlers Julius Friedländer einen Aufschwung. Durch Nutzung von Notenschnelldruckpressen konnten die Druckauflagen gesteigert und gleichzeitig Kosten gesenkt werden. 1863 wurde der Danziger Jurist Dr. Max Abraham Teilhaber der Firma, 1880 übernahm er sie von Friedländer. 1867 begann die Herausgabe der musikalischen Universalbibliothek "Edition Peters". 1893 wurde die Musikbibliothek Peters gegründet. Seit 1900 stand der Verlag unter der Leitung von Henri Hinrichsen, der 1938 durch die sogenannten "Arisierung" enteignet und 1942 im KZ Auschwitz ermordet wurde.
Nach 1945 wurde der Leipziger Verlag zunächst treuhänderisch verwaltet, bevor er 1950 verstaatlicht wurde.
Der Bestand enthält auch Archivgut des Musikverlags J. Rieter-Biedermann Leipzig, der Universal-Edition AG Wien und des Henry Litolff's Verlags Braunschweig. Er wurde nach 1990 an den Alt-Eigentümer rückerstattet und wird seitdem als Depositum verwahrt.
  • | Ohne Findmittel 0,2 lfm
  • 1981 | Findkartei
  • 2014 | Findbuch / Datenbank
  • 2020-09-16 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.1
Sitemap-XML zurück zum Seitenanfang