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Beständeübersicht

Bestand

21072 Friedrich Hofmeister, Leipzig

Datierung1800 - 1957
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)2,99
Verlagsgeschichte

"Unterzeichneter gibt sich die Ehre, dem Publico die Eröffnung seiner Handlung auf hiesigem Platz anzuzeigen. Indem er sein vollständiges Lager der neuesten Musicalien des In- und Auslandes empfiehlt, verspricht er prompte und gute Bedienung der an ihn ergehenden Aufträge. Sein Gewölbe ist in der Grimmaischen Gasse unter Nr. 755 dem Fürstenhause gegenüber.

Leipzig, den 20. April 1807

Friedrich Hofmeister" [01]

Mit dieser Ankündigung in der "Beylage zu den Leipziger Zeitungen, Montags, den 27. April 1807 81 Stück" [02] eröffnete der damals fünfundzwanzigjährige Friedrich Hofmeister, trotz der bereits existierenden Firmen von Breitkopf und Bureau de Musique, in Leipzig eine Musikalienhandlung.
Hofmeister verstand es, dem Musikalien-Sortimentsgeschäft einen schnellen Aufschwung zu geben, so daß er sich auch bald dem Musikalienverlag widmen konnte. Im Gründungsjahr erschienen hauptsächlich Lieder mit Klavier-, Gitarren- oder Harfenbegleitung. Er wandte sich damit der Pflege zeitgenössischer Musik zu. Er scheute nicht davor zurück, mit einem Lied von Chr. G. A. Bergt den Start als Verleger zu riskieren, um dann mit Frühwerken R. Schumanns (op. 3 - 7 und 10), C. Schumanns (op. 1 - 7), F. Mendelssohn Bartholdys (op. 3,
4, 6, 7, und 12), F. Chopins (op. 1 und 5) und H. Berlioz (op. 1), aber auch mit Werken von
F. Liszt, Gesängen von C. Loewe und einem großen Teil des kompositorischen Schaffens
H. Marschners diese Linie fortzusetzen. Im gleichen Jahr 1807 gründete Hofmeister auch ein erstes Musikalien-Leihinstitut, womit er außerordentlichen Anklang fand. Er gliederte außerdem seinem Unternehmen eine Kommissionsabteilung an, indem er geschickt den Wunsch auswärtiger Buch- und Musikalienhandlungen, in Leipzig einen Vertreter zu bekommen, aufgriff. Im Laufe der folgenden Jahre konnte er bedeutende Firmen des In- und Auslandes als Kommittenten gewinnen (Cranz, Aibl, Ricordi & Co., Hug & Co.).
Das Verlagsverzeichnis des Jahres 1808 weist bereits Kompositionen von A. G. Methfessel, F. Dotzauer, F. A. Hofmeister, F. Paer und J. R. Zumsteeg auf. Auch W. A. Mozart war mit seinem Klarinettenquintett vertreten, das jedoch nur eine Auflage von 150 Stück erlebte. Die erste theoretische Schrift des Verlages erschien im Jahre 1811. Es war ein Auszug aus der "Gesangsbildungslehre nach Pestalozzischen Grundsätzen" von den Schweizern G. M. Pfeiffer und H. G. Nägeli. Mit dieser Veröffentlichung machte Hofmeister den deutschen Schulmusikern eine der wichtigsten Unterrichtsanweisungen zugänglich.
Bei der Auswahl der Verlagswerke war Hofmeister sehr kritisch. Er ließ sich von allen Seiten Kompositionen zuschicken, um gute Auswahlmöglichkeiten zu haben, nahm aber nur das in seinen Verlag auf, was ihm wirklich wertvoll erschien. Ihm kommt das Verdienst zu, viele Werke junger Komponisten in ihrem Wert erkannt zu haben und sie durch Druck der Öffentlichkeit bekanntgemacht zu haben. In seinem Verlag erschienen erstmals in Deutschland die Frühwerke R. Schumanns, C. Schumanns, F. Mendelssohn Bartholdys und F. Chopins. Er druckte zahlreiche Werke von F. Liszt, viele Lieder und Balladen von Loewe und fast das gesamte kompositorische Schaffen H. Marschners.
Hofmeister war sehr an der Herausgabe von Schulen und Studienwerken für alle führenden Instrumente interessiert. Mit der Gitarrenschule von J. T. Lehmann hatte er 1811 den Anfang gemacht. Das bedeutendste methodische Werk war wohl die 1841 gedruckte Violinschule von dem Berliner Konzertmeister H. Ries. Auch Kammermusikwerke aller Art waren im Verlag vertreten, und die Vokalmusik kam ebenfalls zu ihrem Recht
Friedrich Hofmeister hat es während seiner langen Verlagstätigkeit verstanden, Werke der besten Komponisten seiner Zeit zu seinem Verlagseigentum zu machen. Gern nahm er dabei persönliche Beziehungen zu den Autoren auf, wie es besonders bei H. Marschner und R. Schumann der Fall war. H. Marschner hatte bereits 1816 op. 7 bei Hofmeister veröffentlicht. 1821 übersandte er eine weitere Komposition und schrieb: "Sollten Sie geneigt sein, ferner mit mir in Geschäft treten zu wollen, so sollen Sie mich stets als sehr billig und promt erproben." [03] Das Verhältnis zwischen Marschner und Hofmeister gestaltete sich sehr eng und herzlich. Als Marschner 1861 starb, endete eine Freundschaft, die nicht immer ungetrübt war. Hofmeister hat 129 Werke Marschners trotz großer finanzieller Einbuße gedruckt und viel zu seiner Anerkennung beigetragen. H. Marschner wurde auch der Mittler zwischen C. M. von Weber und Hofmeister. Hofmeister war besonders an Webers neuer Oper "Oberon" interessiert. 1830 begann die Zusammenarbeit des Hofmeister-Verlages mit F. Mendelssohn Bartholdy. Fast zur gleichen Zeit lernte er durch F. Wieck auch R. Schumann kennen. Diese Beziehung erstreckte sich auf über zwei Jahrzehnte. In nähere Verbindung trat Hofmeister auch zu F. Liszt, und in fünfzehn Jahren veröffentlichte Hofmeister zahlreiche Kompositionen von ihm.
Auch nachdem Hofmeisters Söhne die Leitung des Verlages übernommen hatten, blieb die Verbindung zwischen ihnen und Liszt aufrechterhalten, obgleich die Anzahl der veröffentlichten Werke von Liszt im Hofmeister-Verlag immer mehr zurückging. Durch die sehr engen Beziehungen zu L. Reichenbach in Dresden wurde Hofmeister das Gebiet der Naturwissenschaften erschlossen. In dem buchhändlerischen Nebenzweig seines Geschäftes, dem naturwissenschaftlichen Verlag, erschienen viele botanische Werke. Diesen Verlag übergab Hofmeister am 15. Juni 1852 seinem Schwiegersohn Ambrosius Abel. Die Sortimentsbuchhandlung führte er, nachdem er im Januar 1847 das Unternehmen seinen Söhnen Adolph und Wilhelm übergeben hatte, unter der Firma Friedrich Hofmeister senior fort.
Wie vielseitig Hofmeister interessiert war, geht daraus hervor, daß er zahlreichen Gesellschaften angehörte und sich aktiv betätigte. Mit besonderem Engagement setzte er sich für die Zusammenarbeit aller Musikalienhändler und für das Nachdruckverbot ein. Die Buchhändler hatten sich bereits 1825 zum "Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig" zusammengeschlossen, ohne jedoch den Musikalienhandel mit einzubeziehen. So mußte also ein selbständiger Zusammenschluß aller Musikalienhändler erwirkt werden, der dem vor allem im Musikalienhandel so weit verbreiteten Nachdruck entgegentreten sollte. F. Hofmeister gelang es, am 23. Mai 1829 die bedeutendsten Musikverleger aus den verschiedensten deutschen Gebieten zur Unterzeichnung eines Abkommens zu bewegen. Damit wurde der "Verein der Musikverleger gegen musikalischen Nachdruck" begründet, aus dem später der "Verein der deutschen Musikalienhändler" wurde. Ab dem 15. Juli 1830 führte der "Verein der Musikverleger gegen musikalischen Nachdruck" für alle neuerworbenen Werke eine Eintragungsliste, die Eigentumsrechte eines Verlegers nachwies. Die Eintragungen wurden monatlich zweimal im Börsenblatt veröffentlicht. 1834 endlich kam es dann auch zu einer näheren Zusammenarbeit mit dem Börsenverein. Den Musikalienhändlern wurde Eintritt gestattet und damit die Voraussetzungen für ihren raschen Aufstieg geschaffen.
Der Hofmeister-Verlag wurde vor allem durch die Herausgabe der "Deutschen Musikbibliographie" weltbekannt. Sie ist die erste lückenlos fortgeführte Musikbibliographie überhaupt. Es ist eines der größten Verdienste F. Hofmeisters, das von C. F. Whistling begonnene Werk übernommen, ergänzt und fortgeführt zu haben. Hofmeister hatte 1829 den ganzen Verlag
C. F. Whistling übernommen. Die Redaktion der Musikbibliographie wurde seinem Sohn Adolph Moritz übertragen. Er erweiterte das Gesamtwerk, indem er ab 1852 jeweils die zwölf Monatsberichte eines Jahres als Jahresbericht herausgab. Die nächste Verbesserung der Bibliographie trat mit der Übernahme des Verlages durch Carl Wilhelm Günther ein, der das von den Benutzern des Werkes schon langersehnte Titel- und Textregister (Schlagwortregister) einführte. Hofmeisters "Handbuch der Musikliteratur" erschien bis 1943, die Deutsche Musikbibliographie bis 1942. Ab 1943 übernahm diese Aufgabe die Deutsche Bücherei Leipzig.
Friedrich Hofmeister starb 1864. Nur wenige Jahre darauf folgten ihm seine Söhne Adolph (1870) und Wilhelm (1877). 1877 ging der Friedrich Hofmeister Verlag in den Besitz von Wilhelm Hofmeisters Erben. Als langjähriger Mitarbeiter und Prokurist wurde A. Röthing als Teilhaber aufgenommen und blieb bis 1905 in der Firma. Dann trat Carl W. Günther, ein Urenkel Friedrich Hofmeisters, in den Verlag ein. Er brachte zahlreiche Erfahrungen aus langjähriger Tätigkeit in großen Städten Amerikas und Italiens mit. Sein gesamtes Verlegerschaffen galt der weiteren Herausgabe und ständigen Verbesserung der bibliographischen Nachschlagewerke für den Musikalienhandel. Zu der bereits bestehenden "Deutschen Musikbibliographie" wurde 1915 "Challier's Lexikon des Liedes" erworben. Daneben vernachlässigte Günther keineswegs andere verlegerische Aufgaben. Es erschienen Lieder- und Volksliedersammlungen, Musikschulen verschiedener Instrumente. Während seiner Tätigkeit kamen etwa 200 Neuerscheinungen auf den Markt, unter denen besonders der für verschiedene Instrumente bearbeitete "Zupfgeigenhansl" zu erwähnen ist. Daneben verdienen die "Bunten Tänze" von A. Helms und J. Blasche sowie die weit verbreiteten Schulen für Mandoline und Gitarre von Th. Ritter besondere Erwähnung.
Wegen ständiger Vergrößerung mußte der Verlag mehrfach das Gebäude wechseln, bis das Unternehmen schließlich 1916 in der Karlstraße 10 seinen endgültigen Platz fand. Das "Hofmeisterhaus", das auch noch anderen Verlagen Unterkunft bot, gehört zu den wenigen Verlagsbauten, die im Zweiten Weltkrieg von den Bombenangriffen auf Leipzig verschont geblieben sind.
1952 wurde der Verlag enteignet, in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt und später mit dem VEB Breitkopf & Härtel Verlag unter dem Dach des VEB Deutscher Verlag für Musik Leipzig weitergeführt.

Bestandsgeschichte und -bearbeitung

Der kleine Bestand wurde ab 1956 vom Staatsarchiv Leipzig übernommen bzw. bei Übernahmen aus dem VEB Deutscher Verlag für Musik rekonstruiert. Die erhalten gebliebene Überlieferung entspricht in keinem Falle der Bedeutung dieses Verlages. Da das Verlagshaus erhalten blieb, ist die Überlieferung dieser Fragmente um so fragwürdiger. Es fehlen zum Beispiel fast die gesamte Geschäfts- und Autorenkorrespondenz sowie die Kopierbücher. Auch die Zeit des Verlegers C. W. Günther wird nicht dokumentiert.
Die überlieferten Reste wurden nach archivwissenschaftlichen Gesichtspunkten erschlossen und damit der Auswertung zur Verfügung gestellt. Sie befinden sich seit der Rückübertragung 1992 in Privateigentum.
Nachtrag 2018: Die Nummern 156 bis 160 wurden 2013 bei Ordnungsarbeiten im Bestand 20306 Staatliche Zentralverwaltung für Statistik beim Ministerrat der DDR, Bezirksstelle Leipzig, ermittelt und im Juni 2018 in den Hofmeister-Bestand eingearbeitet.
Nachtrag Februar 2019: Die Nummern 161 bis 249 befanden sich zuvor weitgehend unverzeichnet beim Bestand 21106 VEB Deutscher Verlag für Musik und wurden im Rahmen einer Beständebereinigung dem korrekten Bestand zugeordnet. Sie sind bisher nur provisorisch erfasst. Es handelt sich um Notendrucke von Musikverlagen, die von Hofmeister übernommen wurden, konkret: Notendrucke des Verlags F. W. Betzhold, der zwischen 1832 und 1842 in Elberfeld tätig war und vor 1844 an Friedrich Hofmeister überging; der Verlage Steyl & Thomas, Frankfurt, der um 1902 an Martin Cohen, Regensburg, ging, der wiederum ca. 1906 an Ernst Germann überging, der 1913 von Hofmeister übernommen wurde sowie von B. Scheithauer, Berlin, der 1938 in Fr. Hofmeister aufging.
Nachtrag 2020: Druck- und Kalkulationsbücher wurden Ende 2018 digitalisiert; die Digitalisate stehen seit August 2019 online zur Recherche zur Verfügung.

Hinweise für die Benutzung

Die einzelnen Verzeichnungsangaben sind im Findbuch nach folgendem Sortierschlüssel angeordnet: Name – Datierung von. Bei der Bestellung von Archivgut muss neben der Bestandsbezeichnung die Aktenbestellnummer angegeben werden.

Gertraude Gebauer
Februar 1999

Literaturverzeichnis

Claus, Gottfried: 150 Jahre Friedrich Hofmeister Musikverlag. In: Börsenbl. f. d. Dt. Buchh., Frankf. Ausg., 13 (1957), S. 530 f.

Die Firma Friedrich Hofmeister in Leipzig. Zur Hundertjahrfeier ... 1957. In: Börsenbl. f. d. Dt. Buchh., 74 (1907), S. 2961 - 2965.

150 Jahre Musikverlag Friedrich Hofmeister. In: Musika 11 (1957), S. 286 f.

Pleßke, Hans-Martin: Leipzigs Musikverlage einst und jetzt. In: Jb. d. DB, Jg. 1 (1965).

Pleßke, Hans-Martin: Das Leipziger Musikwesen und seine Beziehungen zu einigen namhaften Komponisten. Diss., Leipzig 1974.

Steffens, Helmut: 150 Jahre Friedrich Hofmeister Musikverlag (VEB). In: Volkskunst 6 (1957), H. 4.

Tradition und Gegenwart. Festschrift zum 150jährigen Bestehen des Musikverlags Friedrich Hofmeister. Leipzig 1957.

Vom Werden eines Verlages. Zum 150jährigen Bestehen des Hofmeister-Verlages. In: Börsenbl. f. d. Dt. Buchh. 124 (1957), Beil. Der Musikalienhandel.


[01] Tradition und Gegenwart. Festschrift zum 150jährigen Bestehen des Musikverlags Friedrich Hofmeister, Leipzig 1957
[02] Ebenda
[03] Ebenda
Autorenkorrespondenz.- Verlagsverträge.- Plattenbücher.- Druckverzeichnisse und Kataloge.
Friedrich Hofmeister eröffnete 1807 in Leipzig eine Musikalienhandlung, der auch ein Verlag angeschlossen war. Zu seinen Autoren gehörten F. Liszt, R. Schumann und H. Marschner. Weltbekannt wurde der Hofmeister-Verlag v. a. durch die Herausgabe der Deutschen Musikbibliographie. 1829 übernahm Hofmeister den Verlag C. F. Whistling. 1852 übergab Friedrich Hofmeister seinen Verlag an die Söhne Adolph Moritz und Friedrich Benedict. 1875 wurde die Musikalienhandlung Bauer in Dresden erworben. Nach dem Tod der Söhne F. Hofmeisters ging der Verlag 1877 in den Besitz von Wilhelm Hofmeisters Erben, die in den Folgejahren weitere Unternehmen übernahmen: 1921 Maurer & Graß, Berlin, 1925 die Schreitersche Buchhandlung in Berlin und 1936 der Musikverlag Hercules Hinz in Hamburg-Altona. 1951 wurde das Firmenvermögen unter treuhänderische Verwaltung gestellt. 1952 wurde der Verlagsinhaber Carl Wilhelm Günther in Abwesenheit unter dem Vorwurf der Steuerhinterziehung verurteilt und sein gesamter Besitz beschlagnahmt. Seit August 1952 firmierte der Verlag als volkseigener Betrieb. Im Jahr 1958 erfolgte der Zusammenschluss mit dem Deutschen Verlag für Musik zu einer wirtschaftlichen Einheit. Günther führte in der BRD einen Verlag gleichen Namens weiter. 1992 wurde seinen Erben der Leipziger Verlag rückübereignet.
  • 1999 | Findbuch / Datenbank
  • 2018 | Elektronisches Findmittel
  • 2020-09-16 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.1
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