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Beständeübersicht

Bestand

21766 Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig (II)

Datierung(1868) 1945 - 1990
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)65,11
Geschichte des Börsenvereins der deutschen Buchhändler zu Leipzig nach 1945

Mit der Lizenz Nr. 65 vom 21. Juni 1946 erhielt der Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig von der Sowjetischen Militäradministration seine erneute Legitimation. Angesichts der erkennbaren Gegensätze der westlichen Alliierten zur sowjetischen Besatzungsmacht hatten die Amerikaner vor ihrem Abzug aus Leipzig die bedeutendsten Verlage in ihre Zone transferiert. Damit verbunden war auch der Aufbau eines Börsenvereins in der amerikanischen Besatzungszone mit Sitz in Wiesbaden, aus dem zusammen mit anderen Landesverbänden 1955 der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main entstand.
Neben umfangreichen Reparationen bildeten eine umfassende Denazifizierung, der Aufbau leistungsfähiger Parteiverlage und parteieigener Polygrafiebetriebe Schwerpunkte sowjetischer Besatzungspolitik im Buch- und Verlagswesen. Bereits in der SBZ begann mit dem Kulturellen Beirat der Aufbau eines Zensurapparates, der in der DDR weiter ausgebaut wurde. Der Börsenverein war zunächst der Zentralverwaltung Volksbildung bei der SMAD unterstellt, ihr folgte die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung (DZVV) mit Paul Wandel (KPD) an der Spitze. Aus ihr entstand die Deutsche Verwaltung für Volksbildung (DVV) und mit der Gründung der DDR 1949 das Ministerium für Volksbildung. Diese Zuordnung entsprach noch dem sowjetischen Modell, das spätestens mit der Bildung des Amtes für Literatur- und Verlagswesen, geführt von Fritz Apelt, aufgegeben wurde. Ihm unterstand der Börsenverein seit 1951, nach dessen Auflösung 1956 der Hauptverwaltung Verlagswesen im Ministerium für Kultur.
Die Zurückdrängung des privaten Buchhandels und der Aufbau eines sozialistischen Monopols im Zwischenbuchhandel mit der Errichtung des Leipziger Kommissions- und Großbuchhandels (LKG) bildeten weitere Entwicklungsschritte bei der gesellschaftlichen Umgestaltung des Buchhandels. Der Börsenverein, seit 1948 von Heinrich Becker (1948 - 1961) geführt, [01] konnte in diesem Kontext nicht mehr die Rolle einer Unternehmerorganisation wahrnehmen. Eine Auflösung war aber nicht opportun, dem innerdeutschen Handel und dem ohnehin angespannten Verhältnis zum Frankfurter Verein hätte dies geschadet.
Ohne zunächst in die gesellschaftliche Umgestaltung des Buch- und Verlagswesens operativ eingebunden gewesen zu sein, entwickelte der Börsenverein eine Doppelrolle. Insbesondere zu Beginn der 50er Jahre und dann nach dem 17. Juni 1953 wirkte er einerseits als Ventil und Klagemauer für den Unmut privater Buchhändler über die gesellschaftlichen Veränderungen, andererseits unterstützte er den Ausbau der Volksbuchhandlungen und die Position des LKG. Diese Entwicklung gewann ab 1958 erneut an Dynamik, der Börsenverein wurde zu einer gesellschaftlichen Organisation, die die Transformation des Buch- und Verlagswesens unterstützte. Das Ministerium für Kultur und die Abteilung Wissenschaften im ZK der SED wiesen dem Verein diese Rolle zu. Dazu zählten seine Aktivitäten im Bereich der Literaturpropaganda und in der Auslandsarbeit, die von den Vorstandsmitgliedern Günther Hofé und Klaus Gysi, Vorsteher von 1961 bis 1966, besetzt und ausgefüllt wurden. Ausdruck der gefundenen Rolle war die mit der Satzung von 1967 verwandte Bezeichnung als "Verband der Buchhändler und Verleger der DDR".
Seit dem 1. Januar 1963 unterstand der Börsenverein der im Ministerium für Kultur neu gebildeten Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel mit Bruno Haid an der Spitze, ab 1973 Klaus Höpcke. Über ihnen agierten die Abteilungen Wissenschaften im ZK der SED, seit 1973 die Abteilung Kultur. Ab 1963 führte das Ministerium für Kultur das Verlagswesen ideologisch, ökonomisch und organisatorisch. Auch die Parteiverlage gehörten zum Zuständigkeitsbereich der HV, nicht jedoch die Druckereien. Die Satzungsänderung von 1967 schrieb die in den späten 50er Jahren besetzten Aufgabenschwerpunkte bis zum Ende der DDR fort, dazu zählten die Propagierung der sozialistischen Gegenwartsliteratur und des Fachbuches und das Repräsentieren des DDR-Buchschaffens im Ausland. Insofern standen die Vorsteher Heinz Köhler (1966 - 1971) und Siegfried Hoffmann (1971 - 1983) in der Kontinuität Gysis. Sie waren vor allem gefordert, die Beziehungen zum Frankfurter Börsenverein zu verbessern. Gegenüber früher gewannen aber auch die Pflege der Buchkunst, die Weiterentwicklung der 1959 erstmals in der DDR ausgerichteten Internationalen Buchkunstausstellung (iba) und die stärkere Betonung der Rolle Leipzigs als Buchstadt an Gewicht, hierzu gehörte auch die Förderung der Buchmesse. Im Kontext der bevorstehenden Wiedervereinigung kam es am 20. September 1990 unter Vorsteher Hans Otto Lecht (1990), Nachfolger von Jürgen Gruner (1983 - 1990), zum Fusionsvertrag mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Frankfurt am Main. Zum 1. Januar 1991 vereinigten sich beide zum "Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V." mit Sitz in Frankfurt als Rechtsnachfolger des am 30. April 1825 gegründeten Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig.

Bestandsgeschichte und -bearbeitung

Die Unterlagen des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig in der DDR gelangten in verschiedenen Schüben ins Staatsarchiv Leipzig. Im September 1975 bewerteten Mitarbeiter des Staatsarchivs in der Geschäftsstelle des Börsenvereins Schriftgut aus dem Zeitraum 1945 bis 1967 auf seine Archivwürdigkeit. [02] Ein Jahr später erfolgte ein vereinfachtes Kassationsverfahren bzw. eine Bewertung von 80 lfm Unterlagen aus dem Zeitraum 1945 bis 1975. Noch im Jahre 1976 übernahm man 60 lfm und begann mit der Erschließung des Bestandes in Form von Ordnungsmaßnahmen und einer einfachen Verzeichnung; diese wurde bis zum Jahr 1979 fortgeführt. [03] Eine vom 22. Mai bis zum 20. August 1979 vorgenommene Bestandsrevision zählte 37 lfm bzw. 1.906 Bände. Im September 1990 übernahm das Staatsarchiv Leipzig weitere 45 Pakete mit Unterlagen aus der Zeit von 1945 bis 1990. Unter Mitwirkung von Hermann Staub, seinerzeit Archivar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e. V. mit Sitz in Frankfurt, kamen bis 1995 nochmals 27 lfm ins Staatsarchiv. Wohl noch im Jahr 1995 erfolgten Verpackungsmaßnahmen, es wurden Akten neu geordnet, insbesondere die Protokolle des Vorstandes und Aktionsausschusses (dies betrifft die Nummern 1755, 1788 bis 1799 und 2782 bis 2784). Seinerzeit wurde auch Doppelüberlieferung kassiert. [04]
Im Bemühen um einen raschen Erschließungsfortschritt begann 1999 eine Verzeichnung durch ABM-Kräfte. Die Klassifikation bzw. innere Ordnung orientierte sich dabei an dem 1984 erschlossenen Bestand Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig 1825 - 1945. Dies bot sich insofern an, als der Börsenverein auch nach 1945 bei der Ablage seines Schriftgutes sich am alten Aktenplan von 1930 orientiert hatte, auch wenn er dieses Schema über die Jahre nicht durchgehalten hat. Von einer geordneten Schriftgutverwaltung kann nicht ausgegangen werden, Aktenzeichen wurden in der Regel nicht vergeben. Maßgeblich für die Klassifikation wurden damit die Organe des Börsenvereins wie Vorstand, Hauptausschuss, seine Kommissionen und Ausschüsse, seine Geschäftsstelle sowie die Satzungen und Statute, die seine Tätigkeit bestimmten sowie seine Stiftungen. Daneben wurden in Anlehnung an den Bestand Börsenverein 1825 - 1945 Aufgaben wie etwa die Auslandsarbeit und Buchmessen, die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen wie der Deutschen Bücherei und der Deutschen Buchhändler-Lehranstalt in die Klassifikation aufgenommen.
Man wählte zunächst eine einfache Erschließung. Es zeigte sich aber, dass der Bestand doch sehr anspruchsvoll ist, eine Neubearbeitung wurde notwendig. 2002 begann der Verfasser zusammen mit Antje Brekle mit der Neuerschließung, die dann ab Herbst 2003 forciert und ab Herbst 2004 mit Unterstützung von Birgit Giese im Sommer 2005 abgeschlossen werden konnte. Bei der Neubearbeitung wurde die Klassifikation nicht grundlegend geändert. Für die Verzeichnungseinheiten einer Klassifikationsgruppe bildete die Chronologie das erste Ordnungskriterium, für Personalakten das Alphabet. Verzeichnungseinheiten von Klassifikationsgruppen, in denen es um Buchmessen und andere Veranstaltungen geht, werden in der Reihenfolge der Realisierungsschritte Vorbereitung, Durchführung und Auswertung zusammengefasst. Größere Kassationen waren nicht erforderlich, im Übrigen war der Bestand schon mehrfach benutzt worden.
Bei der Erschließung war eine erweiterte Verzeichnung notwendig, um bei der Recherche die Benutzerbedürfnisse erfüllen zu können. Dies gilt vor allem für die Überlieferung des Vorstandes und der Ausschüsse. Überwiegend handelt es sich hierbei um Unterlageneinheiten, die aus Protokollen oder Protokollauszügen bestehen, aber nicht als Protokollserien vorliegen. Sie sind angereichert mit einer Vielzahl anderer Unterlagen wie Presseausschnitte, Druckschriften, Korrespondenzen, Aktennotizen und Kopien von Gesetzesblättern. Daneben wurden im Börsenverein zahlreiche Materialsammlungen angelegt, die Presseausschnitte und Druckschriften, Protokollausschnitte und Notizen enthalten können. Dies erklärt, dass in der Regel die Unterlagen keine Aktentitel tragen und diese bei der Verzeichnung neu gebildet werden mussten. Protokolle entstanden grundsätzlich in allen oben aufgezählten Funktionsbereichen des Börsenvereins. Auszüge aus Vorstandssitzungen finden sich wiederum in den Unterlagen der einzelnen Kommissionen wieder, dienten sie doch als Arbeitsmittel. An gleicher Stelle wurden wiederum die Protokolle der jeweiligen Kommission abgelegt, die sich teilweise auch in anderen Kommissionen und Ausschüssen wiederfinden können. Wenn innerhalb der Archivalieneinheiten die Protokolle dominieren, waren sie Grundlage für die Titelbildung. Mit Blick auf die sehr disparaten Beratungsgegenstände war die Bildung umfangreicher Enthält-Vermerke unumgänglich. Werden sie durch andere Unterlagengruppen überlagert, so wurde ein Sachaktentitel gebildet, im Enthält-Vermerk aber auf die Protokolle und ihre Beratungsgegenstände hingewiesen.
Neben Akten und Plakaten enthält der Bestand auch zahlreiche Fotos. Mit Blick auf diesen Informationsträger wurde auf die Erfassung von Informationen Wert gelegt, die für die Wahrung des Urheberrechts relevant sind. Dies gilt auch für die zahlreichen audiovisuellen Stücke. Neben inhaltlichen Erschließungsdaten wurden auch formale wie bspw. zu Dauer und Fassung berücksichtigt, weil sie von Benutzern audiovisueller Unterlagen häufig nachgefragt werden.
Bei der Erschließung des Bestandes fiel auf, dass einige Akten nicht beim Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig entstanden waren, sondern bei der Geschäftsstelle Neue Bundesländer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Frankfurt, die 1989 in Leipzig errichtet worden war. Es handelte sich dabei um 1 lfm Unterlagen bzw. die Archivalieneinheiten Nummer 3251 bis 3263. Sie wurden auf ausdrücklichen Wunsch des Frankfurter Vereins im Jahr 2005 dem Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt übergeben, das die Archivierung der Unterlagen des Frankfurter Vereins übernommen hat.
Als problematisch erwies sich die Bestandsabgrenzung zum Bestand 21765 Börsenverein der deutschen Buchhändler zu Leipzig 1825 - 1945; im Bestand waren zahlreiche Akten aus der Zeit vor 1945, auf sie wurde zur Aufgabenerfüllung in der Nachkriegszeit zurückgegriffen. Diese Archivalieneinheiten wurden dem Bestand 21765 dann zugeordnet, wenn die Akten nach 1945 nicht weitergeführt wurden. Dies betrifft folgende Archivalieneinheiten, in Klammern die neuen Signaturen im Bestand 21765: 22 (892), 749 (893), 999 (894), 1190 (895) und 3286 (896).
Unter Ziff. 11.01.01 sind die von der [Ost]-Berliner Buchhändler- und Verlegervereinigung (BVB) dem Börsenverein übergebenen Unterlagen aufgeführt

Zur Auflösung der Abkürzungen wird auf das Abkürzungsverzeichnis verwiesen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass im Enthält-Vermerk "Börsenverein" mit "BV" abgekürzt ist. Für die Leipziger Frühjahrsmesse und die Leipziger Herbstmesse werden die Kürzel LFM und LHM verwandt. Da bei Frankfurt als Ortsangabe bis auf eine Ausnahme Frankfurt am Main gemeint ist, wurde auf den Zusatz "Main" verzichtet und der Zusatz "Oder" ausgewiesen. Beziehen sich die Unterlagen auf Ereignisse wie Prager Frühling oder Mauerbau, die als Begriffe aber in den Akten nicht vorkommen, wurden diese bei der Verzeichnung in eckigen Klammern ausgewiesen, um entsprechende Recherchen zu unterstützen.

Auf die Erstellung eines Registers wurde verzichtet. Die Präsentation in digitaler Form führt den Benutzer wegen der hohen Erschließungsintensität im Rahmen der Textrecherche zu den für sein Benutzungsinteresse relevanten Archivalieneinheiten. Um bei Recherchen die Anzeige aller relevanten Archivalieneinheiten zu gewährleisten, wurde bei der Verzeichnung der Städtenamen auch das jeweilige Land genannt. Die Begriffe Westdeutschland und Ostdeutschland waren bis in die 1960er Jahre gängiger Sprachgebrauch. Es finden sich aber auch vor 1973 die Bezeichnungen BRD und DDR, deshalb wurde auch hier einheitlich BRD und DDR verzeichnet. Auch aus Recherchegründen werden gleichrangige zusammengesetzte Substantive, die einen Teil gemeinsam haben, stets ausgeschrieben wie bspw. "Buchexport und Buchimport". Die Verzeichnung berücksichtigt die neue Rechtschreibung und erfolgte mit der Archivsoftware AUGIAS.

Überlieferungsschwerpunkte

Wie zu erwarten enthält der Bestand grundlegende Informationen zur DDR-Kulturpolitik im Bereich Buch- und Verlagswesen und zur Rolle Leipzigs als Buchstadt der DDR. Er zeigt mit seiner Überlieferung zu den Kontakten zum Frankfurter Börsenverein, dass die deutsche Buch- und Verlagsgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem eine deutsch-deutsche Geschichte ist. Damit verbunden ist, dass dieser Bestand eine Fundgrube für die Erforschung der DDR-Außenpolitik darstellt, speziell zu ihrem Werben durch die Entwicklung kultureller Beziehungen die diplomatische Anerkennung im Westen voranzutreiben.
Der Börsenverein wurde miteingebunden in die gesellschaftliche Umgestaltung des Buchhandels. Dazu gehörten der Aufbau eines sozialistischen Monopols im Kommissionsbuchhandel, der Aufbau von Volksbuchhandlungen und die Zurückdrängung des privaten Buchhandels. Besonders aussagefähig sind dazu die Archivalieneinheiten folgender Klassifikationspunkte: 01.02.02 Vorstandssitzungen, 01.02.04 Haupt- und Aktionsausschuss, 01.03.02 Sortimenterausschuss, 01.03.03 Verlegerausschuss, 01.06.02 Obleute und Buchhändlerversammlungen, 06.01.01. Allgemeine Buchhandelsfragen, 06.02 Verlage, 06.03 Postzeitungsvertrieb und 11.07 VEB Leipziger Kommissions- und Großbuchhandel. Diese Überlieferungsteile zeigen auch die Mitwirkung des Börsenvereins an der Literaturpropaganda, etwa die Förderung der sozialistischen Gegenwartsliteratur im Kontext der Bitterfelder Konferenzen, siehe zusätzlich 08.01. Literaturpropaganda, Buchwochen und Buchausstellungen in der DDR sowie Werbung.
Schon in der frühen Nachkriegszeit spielte der innerdeutsche Handel eine wichtige Rolle. Mit dem Interesse an Devisen, verbunden mit dem Ziel, über Kontaktfelder auch im Bereich Buch und Verlag Verbindungen aufzubauen, die die diplomatische Anerkennung der DDR im Westen unterstützen sollten, gewann der Auslandsbuchhandel ab Mitte der 50er Jahre eine immer größere Bedeutung. Der Börsenverein entfaltete ab 1958 in diesem Bereich verstärkt Aktivitäten. Sie entwickelten sich zu einer Kernaufgabe, die im Bestand umfassend überliefert ist: 01.02.02 Vorstandssitzungen, 01.02.04 Haupt- und Aktionsausschuss, 01.03.08. Kommission für Öffentlichkeitsarbeit, 01.03.13 Verschiedene Ausschüsse und Kommissionen, 05.01 Urheberrecht, 05.02 Copyright und Übersetzungsrecht, 06.04 Marktforschung, 09. Auslandsbuchhandel einschließlich BRD, 11.03 Kontakte zu Vereinen und Verbänden in der BRD und im Ausland, 12.07 Internationale Messen und Sonderausstellungen (nach Ländern A - Z).
Der Börsenverein bemühte sich auch, die Identität Leipzigs als Buch- und Verlagsstadt der DDR zu fördern. Dabei ist sein Engagement für die Entwicklung der Leipziger Messe bzw. Buchmesse und deren kulturelle Aufwertung hervorzuheben. Hinzuweisen ist bspw. auf den Wettbewerb Schönste Bücher aus aller Welt und die erstmals 1959 in der DDR veranstaltete Internationale Buchkunstausstellung (iba). Für die iba ist zu vermuten, dass nicht alle Unterlagen dem Staatsarchiv Leipzig übergeben wurden. So lassen sich die Entscheidungen der Jury und vor allem die Zusammenarbeit mit der Staats- und Parteiführung nicht umfassend nachvollziehen.
Gerade die iba steht auch in dem schon genannten außenpolitischen Kontext, dies gilt ebenso für die Messen, siehe dazu 12.01 bis 12.06 und 01.05.03.01 Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig, vgl. auch Ziff. 01.05.03.02 zur Auszeichnung mit der Wilhelm-Bracke-Medaille.
Insbesondere für die frühe Nachkriegszeit bis Ende der 1960er Jahre war der Leipziger Börsenverein auf den Frankfurter und seine Entwicklung hin orientiert, dazu 01.02.02 Vorstandssitzungen, 01.03.13 Verschiedene Ausschüsse und Kommissionen, 11.02 Gründung und Arbeit buchhändlerischer Vereine und Verbände in den Besatzungszonen, dieser Klassifikationspunkt bietet einen recht kompakten Überblick zur Entwicklung des Buch- und Verlagswesens in den westlichen Besatzungszonen.
Zu den Vermögensauseinandersetzungen mit dem Frankfurter Börsenverein, siehe insbesondere Klassifikationspunkt 02. ff.
Daneben lassen sich aus dem Bestand auch Information zu Fragen der Ausbildung im Buchhandel und zur Entwicklung des Antiquariats entnehmen, hier ist die Zurückdrängung der privaten Antiquare und die Rolle des Exportes hervorzuheben.
In den Vorstandssitzungen spiegeln sich auch die Gegensätze zwischen Verlagen, LKG und Druckereien wieder, die sich wie ein roter Faden durch die DDR-Buchgeschichte ziehen.

Hinweise für die Benutzung

Bei der Verzeichnung wurden Vermerke aufgrund der Schutzfrist gemäß § 10 Abs. 1 Satz 3 des Sächsischen Archivgesetzes (personenbezogenes Archivgut) angebracht. Diese Schutzfrist betrifft Unterlagen zu Lohn-, Gehalts- und Sozialversicherungsangelegenheiten, Personalakten, Arbeitsverträge, Einstellungen und Kündigungen, Lohn- und Gehaltspfändungen wegen Unterhalts und polizeiliche Ermittlungsverfahren. Dabei handelt es sich einerseits um Akten, die sich gänzlich auf eine natürliche Person beziehen, andererseits um Akten, die nur vereinzelt personenbezogene Angaben enthalten. Beide Fallgruppen unterliegen den Schutzfristen für personenbezogenes Archivgut. Diese Unterlagen wurden im Übrigen bewusst als archivwürdig eingestuft. Ihre Anzahl ist überschaubar und sie ermöglichen einen Einblick in die Lohn- und Gehaltsstruktur des Börsenvereins.
Bei den im Bestand überlieferten Personalakten handelt es sich überwiegend um Sammelakten. Teilweise sind die Vorgänge zu den einzelnen Personen innerhalb der Archivalieneinheit nicht getrennt. Für die Entscheidung über die Schutzfrist war das Geburtsdatum der jüngsten Person maßgebend. Die Akten wurden für bessere Recherchemöglichkeiten durch Name, Vorname, Geburtsname und Geburtsdatum der Personen verzeichnet, diese erscheinen aber nicht in der publizierten Findbuchfassung.
Waren in den übrigen Akten mit personenbezogenen Angaben keine Geburtsdaten zu ermitteln, wurde auf ein wahrscheinliches Datum zurückgegriffen und die Schutzfrist danach bestimmt. Sofern sich keine anderen Hinweise ergaben, wurde z. B. bei Lohnunterlagen von einer 20-jährigen Person ausgegangen. In den betroffenen Akten sind u. a. Beitritts-erklärungen zur Freiwilligen Zusatzrentenversicherung, Beschwerden über Eingruppierungen und Gehaltszahlungen und Kündigungen durch Angestellte enthalten.
Die Schutzfristen können im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Forschungsvorhaben verkürzt werden. Näheres regelt § 10 Abs. 4 des Sächsischen Archivgesetzes.

Verweise auf korrespondierende Bestände

Eine Vielzahl von Beständen anderer Archive bietet ergänzende und weiterführende Informationen. Hervorzuheben sind vor allem die Bestände des Bundesarchivs und der Stiftung Parteien und Massenorganisationen (SAPMO), hier die Ministerien für Volksbildung, das Ministerium für Kultur und das ZK der SED mit den Abteilungen Wissenschaften und Kultur. Sie sind für das Erkennen von Zusammenhängen und das Ermitteln von Entscheidungsabläufen unverzichtbar.

Anforderungen an Bestandserhaltungsmaßnahmen

Die Heterogenität der Informationsträger dieses Bestandes ist typisch für neueres Archivgut, zusätzlich differieren die einzelnen Informationsträger untereinander. So enthält der Bestand zahlreiche Fotos als Positiv, Negativ und Diapositiv in Schwarz-weiß und in Color sowie audiovisuelle Stücke wie Filme und Tonbänder und eine Bandbreite ganz unterschiedlicher Papierformate und -qualitäten.
Bestandserhaltende Maßnahmen wie Papierentsäuerung oder Mikroverfilmung sind erforderlich, da die Papiere bereits deutlich gealtert und durchweg holzschliffhaltig sind. Der Vorbereitungsaufwand für Verfilmungsaufnahmen ist besonders ressourcenintensiv, da in den Archivalieneinheiten neben unterschiedlichen Papierqualitäten, auch die Formate differieren, teilweise Papiere gefaltet, geklebt und einkuvertiert sind. Eine archivische Foliierung, die für die Verfilmung mit Blick auf die Heterogenität und Unübersichtlichkeit der Akten unbedingt notwendig ist, ist noch nicht erfolgt. Einige Archivalieneinheiten verfügen über eine nicht im Archiv angebrachte Blattzählung, sie ist im Übrigen fehlerhaft. Eine umfassende Entmetallisierung hat noch nicht stattgefunden. Vergleichsweise gut erhalten sind die zahlreichen Plakate, die sich überwiegend gefaltet in den Akten befanden. Sie sind 2004 neu verpackt worden und liegen nun separat und plan. Für die Fotos sind entsprechende Maßnahmen vorgesehen.

Literatur

Hans Baier, Zur Entwicklung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig zum Verband der Verleger und Buchhändler der Deutschen Demokratischen Republik, in: Beiträge zur Geschichte des Buchwesens, Bd. 7, Leipzig 1975, S. 71 - 145.

Simone Bark / Martina Langermann / Siegfried Lokatis, "Jedes Buch ein Abenteuer". Zensur-System und literarische Öffentlichkeiten in der DDR bis zum Ende der sechziger Jahre, Berlin 1997.

Thomas Bille, Der Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig 1945 - 1948, in: Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte 2 (1992), S. 165 - 208.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels 1825 - 2000. Ein geschichtlicher Aufriss, hrsg. i. A. der Historischen Kommission von Stephan Füssel, Georg Jäger und Hermann Staub in Verbindung mit Monika Estermann, Frankfurt/Main 2000.

Harry Fauth / Hans Hünich, Zur Geschichte des Buchhandels der Deutschen, Demokratischen Republik - ein Abriss der Entwicklung des Buchhandels 1945 - 1970, in: Beiträge zur Geschichte des Buchwesens, Bd. 5, Leipzig 1972, S. 73 - 170.

Jürgen Petry, Das Monopol. Die Geschichte des Leipziger Kommissions- und Großbuchhandels LKG, Leipzig 2001.



Hans-Christian Herrmann

Juli 2005

aktualisiert durch Thekla Kluttig im März 2014




[01] Seine Vorgänger waren: Hans Brockhaus (1945), Walter Jäh (1945 - 1946) als Vorsitzende des Aktionsausschusses, Vorläufer des 1946 lizensierten Börsenvereins, Ernst Reclam (1946 - 1948).
[02] Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig (StA-L), Bestandsakte 21766, Bd. 3, Vermerk von Manfred Unger vom 9. Juni 1975.
[03] Ebenda, Nr. 65, Jahresberichte 1976 und 1979.
[04] Ebenda, Bestandsakte 21766, Bd.1, Revisionsprotokoll 1979 sowie Bd. 2.
Herrmann, Hans-Christian: Findbücher Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, Halle 2005.
Vorbehalte gegen den LKG 1952 und den Aufbau des Volksbuchhandels.- Auslandsarbeit (Zurückdrängung des kulturellen Alleinvertretungsanspruchs der BRD).- Messen und Internationale Buchkunstausstellung.- Entwicklung des Antiquariats.- Förderung des Buchexportes.- Mitwirkung an der Literaturpropaganda.
Mit der Lizenz Nr. 65 vom 21. Juni 1946 erhielt der Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig von der Sowjetischen Militäradministration seine erneute Legitimation als Organisation des deutschen Buchhandels. 1945 hatte sich in Wiesbaden eine Zweigstelle des Börsenvereins gebildet, und 1947 konstituierte sich in Frankfurt/Main die Buchhändler-Vereinigung GmbH als Vorläuferin des dann 1958 gegründeten Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, so dass es nunmehr zwei Nachkriegsorganisationen für den deutschen Buchhandel gab. Zur Verwirklichung spezieller Aufgaben bildeten sich in Leipzig ein Verlegerausschuss, ein Sortimenter- und ein Antiquariatsausschuss, Ausschüsse für Bibliografie, für den Zwischenbuchhandel, für Leihbüchereien und den Musikalienhandel. Mit dem neuen Statut von 1967 erhielt der Börsenverein den Status einer juristischen Person mit der Mitgliederversammlung als höchstem Organ und einem gewählten Vorstand, aus dessen Mitte Vorsteher und Vorsitzender des Verleger- und Sortimenterausschusses bestimmt wurden. Bis zum V. SED-Parteitag tat sich der Börsenverein schwer, seine Rolle in der DDR zu finden. In seinen Reihen gab es immer wieder Vorbehalte gen die sozialistische Umgestaltung des Buch- und Verlagswesens. Insbesondere Klaus Gysi entwickelte mit der Literaturpropaganda und der Auslandsarbeit eine Legitimation für den Verband. 1959 konnte die erste Internationale Buchkunstausstellung veranstaltet werden, 1963 fanden die erste Ausstellung "Schönste Bücher aus aller Welt" und die Verleihung des Gutenbergpreises der Stadt Leipzig statt. Über die Fachschule für Buchhändler in Leipzig und das Institut für Verlagswesen und Buchhandel an der Universität Leipzig wurden die Verleger und Buchhändler der DDR ausgebildet. Mit Wirkung vom 1. Januar 1991 vereinigten sich die Börsenvereine Frankfurt/Main und Leipzig zum Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. mit Sitz in Frankfurt/Main.
  • | Ohne Findmittel 0,11 lfm
  • 2005 | Findbuch / Datenbank
  • 2020-12-17 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.1
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