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Beständeübersicht

Bestand

22017 Nachlass Gustav Herrmann

Datierung1886 - 1943
Benutzung im Staatsarchiv Leipzig
Umfang (nur lfm)0,36
Zur Biografie von Gustav Herrmann

Conrad Edmund Gustav Herrmann wurde am 3. April 1871 in Leipzig geboren. [01] Seine Eltern waren der Leipziger Kaufmann und Kommerzienrat Johann Carl Gustav Herrmann und dessen Ehefrau Helene Marie geb. Quarch. [02] Bereits durch sein Elternhaus erfuhr er eine ausgeprägte musische Erziehung und kam diesbezüglich mit verschiedenen namhaften Personen in Kontakt. Nach Abschluss des Gymnasiums trat er einen einjährigen Militärdienst an. [03]
Danach studierte er seit 1891 [04] an der Universität Leipzig Philosophie, Germanistik und Chemie. In den Jahren 1893 bis 1895 folgte ein Aufenthalt in den USA. 1900 wurde ihm vom Rat der Stadt Leipzig das Bürgerrecht verliehen.
Nach dem Tod seines Vaters übernahm er 1895, zunächst als Teilhaber, dessen Rauchwarengroßhandlung und -fabrik "Rödiger & Quarch" [05] . Die Firma geriet 1914 aufgrund der Kriegswirren in die Zahlungsunfähigkeit, so dass 1917 gegen deren nunmehr alleinigen Inhaber, Gustav Herrmann, das Konkursverfahren eröffnet wurde. Mit dem Erlöschen der Firma 1924 blieb er letztlich mittellos zurück. [06] Von seinen kaufmännischen Aufgaben entbunden, widmete Herrmann sich von diesem Zeitpunkt an vollends seinen künstlerischen Neigungen. Finanziell unterstützt wurde er dabei von seiner dritten Ehefrau Ida. Bekanntheit erlangte er vor allem durch seine Bühnenstücke, Gedichte und verschiedenen Erzählungen sowie dem autobiografischen Roman "Einer vom Brühl". Auch wurden von ihm unterschiedliche Gedicht- und Geschichtensammlungen herausgegeben. Ferner organisierte er Vortrags- und Liederabende mit Werken bekannter Schriftsteller wie z. B. Richard Dehmel [07] . Außerdem verfasste er in seiner Tätigkeit als freier Journalist des Öfteren Rezensionen zu Literatur, musikalischen Aufführungen und Inszenierungen, vorrangig für die "Leipziger Neuesten Nachrichten".
Als Teilnehmer des Ersten Weltkrieges erlitt er im September 1918 eine schwerwiegende Verletzung am Arm. Nach Beendigung des Krieges war er am Leipziger Schauspielhaus tätig, sowie als Dozent für Rhetorik an der Leipziger Volksakademie. Darüber hinaus engagierte er sich in verschiedenen Vereinigungen u. a. auch in einem Stipendienfond für junge Künstler [08] . Er war Kunstschriftleiter des Reichsverbandes der Deutschen Presse und Mitglied der Fachschaft Bühne in der Reichstheaterkammer. [09] Aus all diesen Tätigkeiten heraus entstand ein reger Briefwechsel mit verschiedenen kulturschaffenden und -interessierten Persönlichkeiten. Ein guter Kontakt scheint zu Mitgliedern der Familie Richard Wagners bestanden zu haben.

Gustav Herrmann war mit drei Frauen verheiratet. Seine erste Frau Helene Johanne Auguste Raudnitz stammte aus Wien und war Mitglied des Stadttheaters. Sie verstarb bereits 1907. Von seiner zweiten Frau Frieda Kollendt, einer Schauspielerin, ließ er sich 1918 scheiden. Mit ihr hatte er zwei Söhne, Hans und Heinz. Letzterer verstarb noch vor seinem Vater. Zuletzt ehelichte er Ida Mignon Gers, geb. Spacu. Diese war während des Beginns ihrer Beziehung und der Geburt des gemeinsamen Sohnes Karl-Heinz Herrmann, 1915, noch verheiratet. Erst nach dem Tod ihres Mannes, war es Gustav Herrmann möglich, seinen Sohn offiziell anerkennen zu lassen.

Gustav Herrmann starb am 20. August 1940 in Dresden an der Straßenbahnhaltestelle Borsbergstraße und wollte im Kolumbarium auf dem Südfriedhof in Leipzig begraben werden.

Bestandsgeschichte und –bearbeitung

Der Großteil des Bestandes 22017 Nachlass Gustav Herrmann wurde 1989 vom Staatsarchiv Leipzig käuflich von Herrn Hans-Joachim Baatz erworben. Die Dokumente befanden sich zunächst im Besitz der Witwe Herrmanns. Da sie ohne Erben verstarb, gelangten sie nach deren Tod in den Besitz ihrer Nachbarin und über diese schließlich zu Herrn Baatz.
Der Bestand enthält um die 500 Autographen sowie persönliche Dokumente, Manuskripte und Fotografien aus dem Zeitraum 1871 bis 1940. Die Autographen wurden bei der ersten Erschließung 1990 alphabetisch nach Korrespondenzpartnern sortiert und ein entsprechendes Findbuch angefertigt.
2010 und 2014 konnte das Staatsarchiv Leipzig den Bestand durch Zukauf weiterer Autographen aus dem Besitz des Herrn Baatz ergänzen. In diesem Zusammenhang erfolgte eine erweiterte Erschließung sowie die Überarbeitung des Findbuches, wobei die ursprüngliche Reihung nach Korrespondenzpartnern beibehalten wurde. Dennoch ergab sich diesbezüglich der Zusammenschluss einiger Verzeichnungseinheiten. Die damit einhergehende Neuordnung ist der Konkordanz zu entnehmen.

Überlieferungsschwerpunkte

Es sind Schriftstücke u. a. von Arthur Nikisch, Cosima und Eva Wagner, Gustav Mahler sowie Erich Kästner enthalten. Besonders umfangreich sind die empfangenen Schreiben sowohl von Alfred von Bary, einem der bedeutendsten Wagner-Tenöre seiner Zeit als auch von Elsa Asenijeff, der Lebensgefährtin Max Klingers.
Ein literarischer Austausch fand im Besonderen mit Franz Adam Beyerlein, Erich Ebermayer, Rudolf von Gottschall und Wilhelm Henzen statt. Inhaltliche Schwerpunkte der Korrespondenzen bilden zumeist die Organisation von Vortragsabenden, Einladungen, zugesendeten Werken Herrmanns sowie Bemerkungen zu seinen Rezensionen. Solche Vorgänge werden im Enthält-Vermerk nicht aufgeführt.
Die Briefe von Heinrich Mann an Gustav Herrmann, welche ursprünglich ebenfalls zur Sammlung gehörten, wurden vor 1989 von Herrn Baatz an die Akademie der Künste in Berlin verkauft.

Hinweise zur Benutzung

Die Erfassung erfolgte mit der Archivsoftware AUGIAS. Bei der Bestellung und Zitierung ist anzugeben: StA-L, 22017, Nachlass Gustav Herrmann, Nr. (fettgedruckte Zahl).


Auswahlbibliografie

Herrmann, Gustav: Moriz, Kurfürst von Sachsen : vaterländisches Schauspiel in 5 Aufzügen. Leipzig 1831

Herrmann, Gustav: Der grosse Baal : Drama in 3 Aufzügen. Leipzig, Berlin 1906.

Herrmann, Gustav: Der Triumph des Mannes : Schauspiel in 4 Aufzügen. Leipzig 1906.

Herrmann, Gustav: Vineta : Gedichte. Leipzig, Berlin 1908.

Herrmann, Gustav: Sakuska : Russische Brocken aus der Kaiserzeit. Leipzig, Hamburg 1919.

Herrmann, Gustav: Gesichter und Grimassen : Skizzen u. Grotesken. Leipzig, Hartenstein 1920.

Herrmann, Gustav: Gustav Herrmann spricht …: Eine Sammlung zeitgenössischer Dichtung und Prosa; Mit 8 faksimilierten Widmungen bekannter Dichter an den Herausgeber als ihren künstlerischen Interpreten. Berlin 1926.

Herrmann, Gustav: Lichter überm Moor : Kurzgeschichten u. Erzählungen. Leipzig 1928.

Herrmann, Gustav: Die Kunst der Rede und des Vortrags : Ein allgemeinverständlicher Leitfaden. Leipzig [1938].


Franziska Grüner

Mai 2011


[01] Grundsätzlich ist es schwierig, trotz seiner aktiven Rolle in den Leipziger Literatenkreisen, gesicherte biografische Angaben Gustav Herrmanns zu ermitteln. Letztlich können als Quellen lediglich der Bestand, sein autobiografischer Roman "Einer vom Brühl" und die Angaben in der Deutschen Biografischen Enzyklopädie (Killy, Walter und Vierhaus Rudolf Hrsg.: Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bde. 1–13, München u. Leipzig 1995-2003, Art. Herrmann, Gustav) herangezogen werden.
[02] Vgl. Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 22017 Nachlass Gustav Herrmann, Nr. 120.
[03] Vgl. Findbuch 22017 Nachlass Gustav Herrmann, bearb. von G. Strohbach, 1990.
[04] Vgl. Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 22017 Nachlass Gustav Herrmann, Nr. 120.
[05] Zur weiteren Entwicklung der Firma siehe auch: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 20931 Leipziger Rauchwarenfirmen, Nr. 182.
[06] Vgl. Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 20124 Amtsgericht Leipzig, HR 362.
[07] Vgl. Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 22017 Nachlass Gustav Herrmann, Nr. 120.
[08] Vgl. ebd. Nr. 4.
[09] Vgl. Killy, Walter und Vierhaus Rudolf 1995-2003.
Persönliche Dokumente (Testamentsabschriften, Ahnenpaß, Manuskripte, Familienfotos).- Antwortschreiben an Herrmann von namhaften Persönlichkeiten (Franz Adam Beyerlein, Erich Ebermayer, Alfred von Bary, Elsa Asenijeff, Arthur Nikisch, Cosima und Siegfried Wagner).- Einzelne Schreiben u. a. von Gustav Mahler, Auguste Rodin, Engelbert Humperdinck.- Fotos (u. a. Alexander Moszkowski, Erich Kaiser-Titz).
Conrad Gustav Herrmann (1871 - 1940) war der Sohn des Leipziger Kaufmanns und Kommerzienrats Johann Carl Gustav Herrmann. Schon als Kind erfuhr er in seinem großbürgerlichen Elternhaus eine umfassende musische Bildung und Erziehung, im Hause Herrmann verkehrten wohl auch viele Künstler. Nach Gymnasium und Militärzeit studierte er auf naturwissenschaftlichem und schöngeistigem Gebiet. Nach dem Tod seines Vaters 1896 übernahm Conrad die Leitung der im Familienbesitz befindlichen Rauchwarenfabrik und Exportfirma Rödiger und Quarch. Diese Firma ging in den Bankrott und Conrad wandte sich ab 1914, seiner Begabung und seinem Willen folgend, den schönen Künsten zu. Herrmann arbeitete auch als freier Journalist, der in den Leipziger Neuesten Nachrichten Literatur und musikalische Aufführungen und Theaterinszenierungen rezensierte. Zeitweise war er auch als Dozent für Rhetorik tätig. Er verfasste Bühnenstücke und kleinere Gedichte, darunter auch den stark autobiografisch geprägten Roman "Einer vom Brühl", 1930 im Leipziger Goldmann-Verlag erschienen. Herrmann engagierte sich im Leipziger Kulturleben und organisierte Veranstaltungen mit Literaten und anderen Künstlern. Nicht zuletzt aus dieser Tätigkeit entstand eine rege Korrespondenz. Die Antwortschreiben namhafter Persönlichkeiten an Herrmann wurden 1988 und 2010 vom Staatsarchiv Leipzig angekauft.
  • 2011 | Findbuch / Datenbank
  • 2022-06-30 | Diese Ausgabe über AWAX 2.0.1.3
  • o. D. | Ohne Findmittel 0,03 lfm
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